Teurer Spass: Einmal Mond retour für 1,5 Milliarden Dollar
Aktualisiert

Teurer SpassEinmal Mond retour für 1,5 Milliarden Dollar

Ehemalige Nasa-Mitarbeiter wollen ab dem Jahr 2020 erstmals Privatleuten den Flug zum Mond ermöglichen. Dass das Vorhaben tatsächlich so bald Realität wird, ist aber ungewiss.

von
Alex Hämmerli

(Video: Reuters)

Die Nachricht lässt die Herzen der Reichsten dieser Welt höher schlagen: Ab dem Jahr 2020 soll es möglich sein, mit dem US-Unternehmen Golden Spike zum Mond zu fliegen – und das für den läppischen Preis von umgerechnet knapp 1,4 Milliarden Franken. Inbegriffen ist der Hin- und Rückflug für zwei Personen sowie ein Spaziergang auf unserem Trabanten – Foto-Gelegenheit inklusive.

Das Projekt ist nicht bloss ein Hirngespinst einiger Spinner: Hinter Golden Spike stehen verschiedene ehemalige Mitarbeiter der US-Weltraumbehörde Nasa, so etwa der frühere Apollo-Flugdirektor Gerry Griffin oder Alan Stern, der ehemalige Vize-Direktor für Wissenschaft bei der Nasa. Und zu den Beratern der Firma gehören gestandene Politiker wie der einstige US-Repräsentantenhaus-Sprecher Newt Gingrich oder Bill Richardson, Ex-US-Botschafter bei den Vereinten Nationen.

Der Mondflug soll nicht nur für superreiche Privatleute interessant sein: Laut dem Fachportal Space.com zielt Golden Spike besonders auf Länder ab, denen die finanziellen Mittel für ein eigenes Raumfahrtprogramm fehlen, sowie auf wissenschaftliche Organisationen. «Wir können bemannte Mondflüge zum Preis von unbemannten realisieren», sagte Stern vor den Medien. Für den ersten Flug seien aber Investitionen von sieben bis acht Milliarden Dollar nötig – erst wenn das Programm laufe, würden die Kosten sinken.

Starttermin ungewiss

Darauf festlegen, wie viele Flüge notwendig seien, damit sich die Mondflüge rechnen, liess er sich nicht. Der Starttermin 2020 hänge zudem davon ab, wie viele Interessenten sich beteiligten. «Wir haben mit Weltraumagenturen in Asien und Europa gesprochen und sind auf echtes Interesse gestossen», so Stern zu Space.com. Explizit nannte Stern Japan, Südkorea sowie Südafrika. Marktforschungen hätten zudem ergeben, dass 15 bis 25 Staaten das Geld für einen oder mehrere Flüge lockermachen würden.

Viele Raumfahrtexperten stehen der Mondflug-Vision bei Golden Spike skeptisch gegenüber. Sie bezweifeln insbesondere, dass die Firma genug Investoren finden wird, um die Reise zum Mond zu finanzieren. Und auch am Start im Jahr 2020 sind grosse Zweifel Angebracht. Denn dass Weltraum-Tourismus-Anbieter den Mund in der Vergangenheit oft etwas zu voll genommen haben, zeigen verschiedene Beispiele.

«Alles dauert länger»

So etwa Virgin Galactic. Ursprünglich hatte Firmen-Inhaber Richard Branson angekündigt, dass bereits 2011 die ersten Passagiere mit seinem SpaceShipTwo auf einen Kurz-Trip ins All fliegen könnten. Daraus wurde bekanntlich nichts; obwohl bereits über 500 Leute die 200'000 Dollar bezahlt haben sollen, die Branson für den Flug verlangt. Aktuell heisst es, der Milliardär werde «irgendwann im Jahr 2013» mit seinen beiden erwachsenen Kindern den Erstflug antreten.

Ein weiteres Beispiel liefert Boeing. Der US-Luftfahrtkonzern kündigte an, spätestens 2013 private Flüge ins All anzubieten. Doch daraus wird nichts: Der neue Termin ist auf frühestens 2015, eher aber 2016 festgesetzt – je nachdem wie grosszügig die Nasa das Projekt unterstütze.

Auch um andere private Weltraum-Pläne ist es ruhig geworden, die Euphorie von vor zwei Jahren ist vielerorts verpufft. Der ehemalige Direktor der Commercial Spaceflight Federation, John Gedmark, brachte es im Interview mit dem Magazin «The Week» dieses Jahr auf den Punkt: «Alles in der Luft- und Raumfahrt dauert länger, als am ursprünglich denkt.»

So sehen die Mondflug-Pläne bei Golden Spike aus

Source SPACE.com: All about our solar system, outer space and exploration

Mit bereits bestehenden Triebwerken sollen zwei separate Raketen ins All geschossen werden: Die eine trägt das Lande-Modul, die andere transportiert die Crew. Nach dem Rendez-vous im Weltall landen die Astronauten auf dem Mond. Nach dem Spatziergang trifft fliegt die Crew zurück zu ihrer Start-Kapsel, die nun als Landekapsel dient und mit der sie sicher zurück zur Erde gelangen sollen. Wie bei der Apollo-Mission wird die Kapsel einen kometenhaften Eintritt in die Atmosphäre hinlegen und danach von Fallschirmen gebremst ins Meer plumpsen.

Ami-Pomp: Das Werbevideo zum Mondflug

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