Aktualisiert 20.10.2011 15:53

KolumneEinmal Rugby, immer Rugby

Die Schweizer Nationalspielerin Christa Herrmann lebt Rugby durch und durch. Vor dem WM-Final erklärt sie, was die Faszination dieses Sports, der in der Schweiz noch wenig verbreitet ist, ausmacht.

Rugby gehört in der Schweiz nach wie vor zu den wenig beachteten Randsportarten.

Rugby gehört in der Schweiz nach wie vor zu den wenig beachteten Randsportarten.

Es ist Rugby-WM: Nächsten Sonntag gehts um die Webb-Ellis-Trophy, den Weltmeistertitel. Um alles oder nichts. Um die höchste Auszeichnung dieser Sportart. Die ganze Welt ist im Rugbyfieber! Die ganze Welt? Nein, im Mittelpunkt Europas ist da ein kleines Land, wo Rugby noch absolute Randsportart ist und die meisten Bewohner schon mit dem Buchstabieren überfordert sind...

Moment einmal. Die Schweizer Rugbyszene existiert tatsächlich, und sie ist im Aufbruch. Die Gentlemen spielen in unterdessen 4 (!) verschiedenen Ligen in der Deutschschweiz wie auch der Romandie, und es sind längstens nicht mehr nur Expats, welche sich im Kampf um Punkte mit dem «odd-shaped ball», dem Rugby-Ei, messen. Auch die Ladies spielen mit genau denselben Regeln wie die Jungs in ihrer Liga, und sie sind zurzeit sogar das internationale Aushängeschild der Schweizer Rugbyfederation. Sie können sich nach dem hart umkämpften Vize-Europameister-Titel nächstes Jahr mit den Top 12 auf unserem Kontinent messen und um einen Weltmeisterschafts-Startplatz spielen.

Rugby: Mensch gegen Maschine

Ach genau, Rugby. Was ist das eigentlich? Nicht das Spiel mit den Helmen und den riesen Brustpanzern. Nein, Rugby ist die ursprünglichere Variante ohne wirklichen Schutz (ausser natürlich für die Zähne). Und ja, es gibt viele blaue Flecken beim Spielen, welche jeweils auch in einem team-internen After-Game-Contest verglichen werden. Es geht jedoch überhaupt nicht darum, dem anderen Team möglichst viele Schmerzen zuzufügen, sondern einzig um die Punkte, welche halt nur via Körperkontakt und Krafteinsatz gesammelt werden können. Das Spiel selbst ist jedoch - der Laie staunt - extrem taktisch und organisiert, und die Spieler selbst sehr fair. Das gehört zum Ehrenkodex. Wie man im englischsprachigen Raum immer wieder hört: «football is a gentleman's game played by hooligans, rugby is a hooligans' game played by gentlemen.»

Das nimmt übrigens jeder Rugbyspieler sehr ernst – auf dem Feld ist man zwar sehr hart zu seinen Gegnern, gleich nach dem Spiel jedoch beginnt die berühmt-berüchtigte 3. Halbzeit, wobei jeweils das Gastteam vom Heimteam zu Speis und Trank eingeladen wird und man sich nach (sehr seltenen) eventuellen Missverständnissen auf dem Platz wieder versöhnt. Die Rugby-Familie eben, die man auf der ganzen Welt in jedem Klub wiederfindet.

Nächsten Sonntag findet das wichtigste Spiel für die nächsten 4 Jahre statt, und die Rugby-Welt wird durchdrehen und ein Riesen-Volksfest veranstalten. Übertragen wird es live in diversen Pubs wie auch im Schweizer Sportfernsehen. Die gesamte Schweizer Rugbyszene wird vor dem TV sein. Have a look, check it out: Fragt die, welche sich auskennen, wie das eigentlich genau mit den Regeln aussieht (ist ja schon ein bisschen kompliziert). Geniesst die Party!

Und, vielleicht, falls jemand Lust darauf bekommt, den inneren Schweinehund zu überwinden und wieder einmal mehr als nur Schweissgeruch aus den Kleidern rauszuwaschen, soll einmal in ein Schnuppertraining beim nächstbesten Klub kommen. Mädels wie auch Jungs sind überall sehr willkommen. Ihr werdet schnell merken: einmal Rugby, immer Rugby...

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