3 mit Sex : «Eins zu null für meine Vagina»
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3 mit Sex «Eins zu null für meine Vagina»

Eigentlich wollte Ella nicht mit Eric ins Bett – aus verschiedenen Gründen. Doch ihre Libido war stärker.

von
Ella
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Eric trifft eigentlich überhaupt nicht Ellas Geschmack. Doch ihre Libido besiegte ihren Verstand.

Eric trifft eigentlich überhaupt nicht Ellas Geschmack. Doch ihre Libido besiegte ihren Verstand.

Anna Deér
Ella
Ella

Sie ist single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.

Anna Deér 
Bruce
Bruce

Sie ist single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.

Anna Deér 

Darum gehts

  • Auf einer Dating-App lernt Ella Eric kennen.
  • Eric hat einen schlechten Einrichtungs- und Kleiderstil – eigentlich zwei Abtörner für Ella.
  • Doch ihre Libido ist stärker als ihr Verstand – und so landet sie trotzdem mit ihm im Bett.

Eric hat Humor, so viel verrät sein Profiltext auf OkCupid. Ausserdem sieht er recht gut aus: Braune Haare, schon leicht angegraute Schläfen, ein markantes Kinn, zwei imposante Bizepse. Ich swipe nach rechts, obwohl ich normalerweise strenger bin: Grosszügig sehe ich über seine doofen Freizeithosen und das Cap hinweg, die er auf einem Ferien-Pic trägt. Und ich ignoriere das billige Kunstledersofa und das hässliche Sonnenuntergang-Bild, das im Hintergrund auf einem anderen Foto zu sehen ist. Dabei haben Lars, Bruce und ich in einer beinahe wissenschaftlichen Analyse und begleitet von ziemlich viel Aprikosenlikör längst klargemacht, dass es sich nicht lohnt, Menschen mit schlechter Kleidung und/oder schlechter Einrichtung zu daten. Meine Vagina aber sieht das nicht so eng (höhö, Schenkelklopfer!).

«Er nannte mich Nonne, ich ihn Fleischstückli»

Eric und ich haben also geschrieben, ziemlich viel, ziemlich lustig, ziemlich ironisch. Er nannte mich Nonne oder Nönnchen, weil ich ihm ein Bild schickte, auf dem ich zum artigen Spitzenkragen-Outfit eine unartige Schnute zog, ich ihn Fleischstückli, weil er gerne seine Muckis in Szene setzte.

Als ich ihn versetzen musste, weil mein Chef kurzfristig einen Abendtermin angesetzt hatte, reimte er für mich:

Der Wunsch, du würdest hier sein,
schmerzt wie ein Tritt ins Schienbein.
So muss ich leider noch ausharren,
bis du fällst dem Chefteufel vom Karren.
Das alles sitzt mir tief in den Knochen,
drum werd ich für dich beim Date nur Socken kochen.
Ich weiss, das ist gemein und dumm,
drum bitt ich gleich um Entschuldigung.

Ich las die Nachricht auf dem Klo, hatte aber keine Zeit, etwas Kreatives zurückzuschicken. Schon doppelte er nach:

Du schreibst gar nicht, war es zu flach?
Oder ein, zwei Reime zu viel?
Krieg ich jetzt von dir aufs Dach?
Sag, lag es an meinem Stil?
Ella, sorry, ich bin nicht zu toppen!
Keine Hundertschaft könnte mich stoppen!
Ihr könnt lachen und mich foppen,
am Schluss aber werd ich die Ella poppen!

«Ich war maximal abgestossen, gleichzeitig fühlte ich Mitleid mit Eric»

Logisch, war ich begeistert! Als wir uns trafen, ahnte ich bald, dass ich die Warnzeichen (die Multifunktionshose! Der Sonnenuntergang in Airbrush!) nicht hätte ignorieren dürfen. Eric war im Gespräch längst nicht so schlagfertig wie beim Texten, dafür schonungslos offen. Nach wenigen Minuten erzählte er mir über einem Glas Cranberrysaft von seiner Kindheit im Heim, der Alkoholsucht seiner Mutter, seinem Entscheid, nie einen Tropfen Alkohol anzurühren. Er führte aus, wie er selbst im Leben immer wieder gestrauchelt war und nun versuchte, nichts mehr falsch zu machen. Er wolle die richtige Frau finden, heiraten und eine Familie gründen, jeden Tag früh aufstehen und am Sonntag das Auto waschen.

One-Night-Stands oder Affären seien nichts für ihn, Sex habe er mit einer Frau nur, wenn sie ihm mehr bedeute und er sich eine Zukunft mit «der Dame» (er sagte wirklich «Dame»! Zu mir quasi! Hilfe!) vorstellen könne. Ich war maximal abgestossen, gleichzeitig fühlte ich Mitleid mit Eric, dem das Leben wirklich nichts geschenkt hatte. Ich sah seinen Hundeblick, treuherzige Augen unter langen Wimpern, und seine Oberarmmuskeln, die das furchtbar hässliche Kurzarmhemd eindrucksvoll spannten, bald spürte ich seine Hand, die fein und irgendwie fordernd meinen Nacken knetete. Ich spürte eine Hitze zwischen meinen Oberschenkeln, die ich da nicht wollte und schon gar nicht, dass sie sich ausbreitete bis in mein Hirn.

Es kam, wie es nicht hätte kommen dürfen: Zwei Stunden später lag ich auf dem hässlichen Sofa (hallo, Sonnenuntergang!), komplett nüchtern (hallo, Cranberrysaft) und Eric über mir (hallo, Bizepse!). Er küsste und fingerte mich recht gekonnt, sodass ich einen Moment alles Unpassende vergass, genoss und kam. Danach zog er ein Kondom über und drang in mich ein, während er mich leidenschaftlich küsste.

«Das wirst du mir büssen»

Schon auf dem Heimweg fühlte ich mich mies. Ich war nicht die «Dame», die Eric sich wünschte, und Eric nicht der Mann, mit dem ich auf dem Roadtrip meines Lebens Tandem fahren wollte. Und obwohl ich das wusste und obwohl er mir seine Vergangenheit dargelegt hatte, habe ich meiner Lust nachgeben, mit ihm geschlafen und ihm damit wohl Hoffnungen gemacht. «Das wirst du mir büssen», knurrte ich in Richtung meiner Vagina, dann kaufte ich Briefpapier mit Wolken und Schwalben drauf. Eine ästhetische Sünde, aber ich wusste, es würde Eric gefallen. Und hoffentlich ein bisschen versöhnen mit dem, was ich ihm nun schreiben musste.

Sex-WG

3 mit Sex

Ella, Lars und Bruce heissen in Wirklichkeit gar nicht so, und auch einige Angaben sind geändert. Wahr ist aber, dass sie leidenschaftlich gern durch die Keller und Clubs der besten Stadt dieses Landes tanzen. Die drei Singles lieben Techno, Rührei und die stabilen Betten ihrer WG. Und sie wissen: Falls sie sich je zu dritt darin vergnügen, ist das das Ende von allem – oder der Beginn von etwas noch Grösserem. 20 Minuten erzählen sie exklusiv von ihren Abenteuern.

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