Studie: Einsamkeit steckt an
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StudieEinsamkeit steckt an

Nur ein einziger Mensch in einer Gruppe muss sich einsam und verlassen fühlen - und schon droht dieses Gefühl auf die übrigen Gruppenmitglieder überzugreifen.

Einsame Menschen landeten automatisch nach und nach am Rand sozialer Gruppen, heisst es in der Studie, an der unter anderem Forscher der Universitäten Chicago und Harvard beteiligt waren. Eine soziale Bindung nach der anderen geht diesen Personen verloren.

Bis sie jedoch völlig vereinsamen, stecken sie auch ihre wenigen Freunde mit dem Gefühl an, ausgeschlossen zu sein. Diese verlieren dann ihrerseits ihre Freundschaften, wie die Forscher in ihrer im Fachmagazin «Journal of Personality and Social Psychology» publizierten Studie schreiben.

«Ausfransender Strickpulli»

Das Gefühl der Einsamkeit beschleunigt zudem den Prozess der Vereinsamung: Je einsamer sich Menschen fühlen, desto misstrauischer reagieren sie auf ihre Umwelt und desto schwerer falle es ihnen, neue Freundschaften zu schliessen.

«Dieser Prozess führt dazu, dass der soziale Zusammenhalt an den Rändern ausfranst wie ein Strickpulli mit verlorenen Maschen», sagte der Hauptautor der Studie, John Cacioppo von der Universität Chicago. Die Forscher werteten für die Studie die Sozialkontakte von mehr als 5100 Menschen über einen Zeitraum von zehn Jahren aus.

Besonders leicht liessen sich Frauen von dem negativen Gefühl beeinflussen. Darin sehen die Forscher die These bestätigt, dass Frauen stärker auf emotionale Unterstützung durch ihre Mitmenschen bauen als Männer. Sie schlagen vor, dass die Gesellschaft bewusst «Barrieren gegen Einsamkeit» aufbauen solle.

(sda)

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