Arbeitgeber verärgert: Einsatz bei Unwetter – Feuerwehrmann entlassen

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Arbeitgeber verärgertEinsatz bei Unwetter – Feuerwehrmann entlassen

Am Wochenende kämpfte er gegen die Folgen des Unwetters, am Montag kam er übermüdet zur Arbeit. Ein Aargauer Feuerwehrmann soll deshalb die Kündigung erhalten haben.

von
lüs
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Uerkheim, gut 10 Autominuten von Zofingen entfernt, hat es besonders schlimm erwischt. Dort sind die Schäden des Unwetters von 8. Juli 2017 immens.

Uerkheim, gut 10 Autominuten von Zofingen entfernt, hat es besonders schlimm erwischt. Dort sind die Schäden des Unwetters von 8. Juli 2017 immens.

cho
Der Dorfbach verwandelte sich durch den starken Regen zum reissenden Fluss.

Der Dorfbach verwandelte sich durch den starken Regen zum reissenden Fluss.

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«Im Zentrum sieht es aus wie in einem Kriegsgebiet», meint ein Feuerwehrmann.

«Im Zentrum sieht es aus wie in einem Kriegsgebiet», meint ein Feuerwehrmann.

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Überflutete Keller, Hangrutsche, umgestürzte Bäume, ein Brand: Wegen des Unwetters im Raum Zofingen war die Feuerwehr Uerkental am 8. Juli mit 60 Mann im Dauereinsatz. Innerhalb von nur zwei Stunden waren an jenem Samstagabend 250 Schadensmeldungen eingegangen. Es war der grösste Einsatz in der Geschichte der Feuerwehr Uerkental.

Dass er an jenem Wochenende gegen die Folgen des Unwetters kämpfte, hat einen der Feuerwehrleute nun offenbar den Job gekostet, wie Radio Argovia berichtet.

Gespräch brachte keine Besserung

Bereits als der Mann, der bei einem Handwerksbetrieb angestellt war, am Montag übermüdet zur Arbeit erschienen sei, sei ihm die Kündigung angedroht worden, sagt Thomas Räss, Kommandant der Feuerwehr Uerkental, zu 20 Minuten. «Ich suchte daraufhin das Gespräch mit dem Arbeitgeber. Es gelang mir aber nicht, die Situation zu entschärfen.»

Ende der Woche habe sich der Konflikt dann zugespitzt: Der Feuerwehrmann habe seine Firma gebeten, am Samstag frei zu bekommen, um auf dem Bauernhof seiner Familie, der vom Unwetter schwer getroffen worden war, bei den Aufräumarbeiten mitzuhelfen.

In der Kündigung ist ein anderer Grund aufgeführt

Daraufhin habe man den Angestellten gekündigt, sagt Räss. Aufgeführt worden sei im Kündigungsschreiben jedoch nicht seine Tätigkeit für die Feuerwehr, sondern ein anderer, allgemein gehaltener Grund.

Dass das Engagement in der Feuerwehr einen seiner Männer die Stelle koste, sei traurig und beschämend, so Räss. Glücklicherweise handle es sich um einen Einzelfall: «Grundsätzlich ist das Verständnis der Arbeitgeber für die Feuerwehrleute gross.»

Firma wehrt sich gegen Vorwürfe

Fredy Greuter, Sprecher des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, sagt, es sei jedem Arbeitnehmer selber überlassen, wie er seine Freizeit gestalten will. «Der Arbeitgeber darf aber erwarten, dass der Angestellte erholt und einsatzfähig zur Arbeit kommt.» Dies gelte auch dann, wenn der Arbeitnehmer in seiner Freizeit Dienst an der Gemeinschaft leiste, wie dies etwa bei Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr der Fall sei.

Bei der Firma, bei der der Feuerwehrmann arbeitete, weist man laut Radio Argovia die Darstellung zurück, dass die Kündigung etwas mit dem Unwetter-Einsatz zu tun habe. Zudem sei der Angestellte nicht mehr am Arbeitsplatz erschienen, was man als Kündigung aufgefasst habe. Es stehe ihm offen, rechtliche Schritte einzuleiten.

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