Sekundenschlaf am Steuer: DPD-Kuriere schlagen Alarm wegen Überstunden
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Sekundenschlaf am SteuerDPD-Kuriere schlagen Alarm wegen Überstunden

Seit Beginn der Corona-Krise würden DPD-Fahrer bis zu 20 Gratis-Überstunden pro Woche leisten. Nun schlägt die Gewerkschaft Unia Alarm und fordert unter anderem einen Mindestlohn von 4250 Franken.

von
Lea Gnos
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DPD-Kuriere sind am Anschlag.

DPD-Kuriere sind am Anschlag.

REUTERS
Seit dem Ausbruch der Corona-Krise leisten DPD-Fahrerinnen und -Fahrer bis zu 20 Gratis-Überstunden pro Woche.

Seit dem Ausbruch der Corona-Krise leisten DPD-Fahrerinnen und -Fahrer bis zu 20 Gratis-Überstunden pro Woche.

Foto: Reuters
Die Angestellten stünden unter enormem Druck, bemängelt die Gewerkschaft Unia. 

Die Angestellten stünden unter enormem Druck, bemängelt die Gewerkschaft Unia.

Foto: Reuters

Darum gehts

  • DPD-Kurierangestellte wehren sich gegen ihre Arbeitsbedingungen.

  • Sie müssten im Schnitt 20 Überstunden pro Woche leisten, berichtet die Unia.

  • Die Gewerkschaft Unia verlangt zudem einen Mindestlohn.

DPD-Kurierfahrerinnen und -fahrer gehen auf die Barrikaden. Über die Arbeitsbedingungen beim Kurierdienst wurde bereits negativ berichtet. Doch wegen der Corona-Krise habe sich die Situation noch zusätzlich verschlechtert, bemängelt die Gewerkschaft Unia.

Die Vorwürfe sind happig: Die Fahrerinnen und Fahrer arbeiten 12 bis 14 Stunden – am Stück: «Wir haben keine Mittagspause, keine Znüni-Pausen. Wir haben überhaupt keine Pausen, wenn es dumm läuft. Und es läuft meistens dumm», erzählt ein Betroffener dem «SRF-Kassensturz». Ein anderer Kurier erzählt: «Wir sind übermüdet und müssen ständig zu schnell fahren, damit wir durchkommen. Das birgt Gefahren für uns und andere.» Einschlafen am Steuer, das passiere praktisch täglich.

Regelmässige lange Arbeitstage ohne Kompensation der Überstunden

In den letzten Monaten häuften die Fahrerinnen und Fahrer im Schnitt 20 Überstunden pro Woche an – gratis. Dies ist besonders stossend, da die Fahrer mehr arbeiten würden, für einen grossen multinationalen Konzern, der auch noch zu den Corona-Gewinnern gehöre, sagt Roman Künzer von der Unia.

Der grösste private Kurierdienst der Schweiz hat den Transportdienst ausgelagert. Angestellt sind die Päcklilieferanten bei Subunternehmen. Kommt Kritik an den Arbeitsverhältnissen auf, so verwies DPD in der Vergangenheit jeweils auf die Subunternehmen. Diese seien für die Einhaltung der Arbeitsgesetze zuständig.

Fahrer und Depot-Angestellte haben sich nun organisiert. Zusammen mit der Gewerkschaft Unia fordern sie von DPD Verhandlungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Anstelle von Stundenlöhnen verlangen die Angestellten einen Monatslohn von mindestens 4250 Franken.

Das sagt DPD zu den Vorwürfen

Gegenüber 20 Minuten sagt DPD-Sprecher Marco Kaiser zum Bericht: «Es handelt sich hier um pauschalisierte Aussagen, die auch nach mehrfacher Nachfrage unserseits nicht belegt werden wollten oder konnten.» Das Unternehmen sei dem Branchen-Gesamtarbeitsvertrag (GAV) KEP & Mail angeschlossen. Obwohl man den GAV gekündigt hat, sei dieser zum jetzigen Zeitpunkt immer noch gültig und man orientiere sich an den dort vereinbarten Bedingungen.

Mit der Unia sei man bereit, einen Dialog zu führen. «Das aggressive Verhalten der Gewerkschaft werten wir hingegen nicht als Dialog und weisen die Vorwürfe entschieden zurück», so Kaiser. Man wolle zeitnah Massnahmen ergreifen, um die Anliegen der Zusteller entsprechend aufzunehmen, wie beispielsweise die Ausweitung eines extern betreuten, anonymisierten Whistleblowing Systems.

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Pro Juventute, Tel. 147

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