Neue Töne: Einsiedler Abt will Zwangs-Zölibat beenden
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Neue TöneEinsiedler Abt will Zwangs-Zölibat beenden

Priester sollen künftig frei wählen dürfen, ob sie zölibatär oder in einer Partnerschaft leben wollen. Dies fordert der Einsiedler Abt Martin Werlen.

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fr/erf

Belästigungen, Übergriffe, Missbrauch: Die katholische Kirche steckt in einer tiefen Krise. Martin Werlen, Abt des Klosters Einsiedeln und Mitglied der Schweizerischen Bischofskonferenz, schlägt zu deren Lösung auf Tele M1 ganz neue Töne an (siehe Box). Und zwar will er das Zölibat, also die ehelose Priesterschaft, aufweichen.

«Wir bringen es tatsächlich nicht fertig, die jüngsten Vorfälle adäquat aufzuarbeiten», bringt Werlen die Krise der Kirche auf den Punkt. Und folgert: «Das muss sich ändern. Wir müssen diese Krise als Chance begreifen.»

Priester sollten wählen können

Werlen sieht Handlungsbedarf beim Zölibat. Er schlägt deshalb vor, dass Priester künftig die Wahlfreiheit haben sollten zwischen dem Zölibat und einer Priesterschaft mit tolerierter Partnerschaft. Dieses Bekenntnis ist in dieser Deutlichkeit von einem katholischen Würdenträger noch nicht geäussert worden.

Die Aufhebung des Zölibats kommt für Werlen aber nicht in Frage: «Es bedeutet die Nachfolge Christi in seiner ehelosen Form und ist eine christliche Lebensform von hoher Bedeutung.»

Als zweiter Gast in der Tele-M1-Runde bezieht auch Nationalrat Otto Ineichen (FDP/LU) klar Position gegen die erzwungene Ehelosigkeit von Priestern: «Ich kenne zwei Priester, die seit Jahren in einer heimlichen Partnerschaft leben müssen. Würden sie entdeckt, bedeutete das den Ausschluss aus dem Orden. Priester dagegen, die Kinder missbraucht haben, werden nicht bestraft. Das verstehe ich nicht.»

Werlen gegen Ineichen

Die Kirche müsse das Zölibat für Priester abschaffen, fordert Nationalrat Otto Ineichen (FDP/LU) in der Sendung «Duell aktuell» auf Tele M1. Damit will er sexuelle Übergriffe in der Kirche künftig verhindern. Der Einsiedler Abt Martin Werlen plädiert dagegen für die freie Wahl. Tele M1 zeigt die Sendung heute Abend ab 18.30 Uhr jede Stunde.

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