Gerardo Seoane: Einst schwierig, nun Erfolgscoach
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Gerardo SeoaneEinst schwierig, nun Erfolgscoach

Seit Gerardo Seoane übernommen hat, geht es mit dem FC Luzern stetig aufwärts. Aber was zeichnet den Jungtrainer aus?

von
E. Tedesco
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Gerardo Seoane ist ein Traumstart als SL-Trainer gelungen. Insgesamt hat er mit dem FC Luzern 6 Siege und 2 Unentschieden errungen, das sind 20 Punkte aus den ersten 8 Spielen. Sein Vorgänger brauchte für diese Marke in der Hinrunde 18 Partien. Der FCL verbesserte sich in der Rückrunde vom 9. Platz auf Rang 4 (Stand: nach der 27. Runde).

Gerardo Seoane ist ein Traumstart als SL-Trainer gelungen. Insgesamt hat er mit dem FC Luzern 6 Siege und 2 Unentschieden errungen, das sind 20 Punkte aus den ersten 8 Spielen. Sein Vorgänger brauchte für diese Marke in der Hinrunde 18 Partien. Der FCL verbesserte sich in der Rückrunde vom 9. Platz auf Rang 4 (Stand: nach der 27. Runde).

Keystone/urs Flueeler
U21-Coach Gerardo Seoane löst am 9. Januar 2018 Cheftrainer Markus Babbel ab: FC Luzern bindet den ehemaligen Captain bis 2019.

U21-Coach Gerardo Seoane löst am 9. Januar 2018 Cheftrainer Markus Babbel ab: FC Luzern bindet den ehemaligen Captain bis 2019.

Keystone
FCL-Sportchef Remo Meyer: «Seoane ist auf jeden Fall auch eine Option für eine langfristige Lösung.»

FCL-Sportchef Remo Meyer: «Seoane ist auf jeden Fall auch eine Option für eine langfristige Lösung.»

Keystone/urs Flueeler

Der FCL ist das Team der zweiten Saisonhälfte. Dessen Baumeister ist Gerardo Seoane. Der 39-jährige Luzerner ist seit seinem Amtsantritt ungeschlagen und hat in acht Partien bisher 20 Punkte (6 Siege, 2 Remis) geholt.

Viele Beobachter staunen über die Abgeklärtheit des Jungtrainers, der an der Seitenlinie engagiert coacht, sonst aber einen coolen Eindruck vermittelt. Er selber sagt nur: «Ich war gut auf die Super League vorbereitet und weiss, wie die Stadt tickt.» Er habe sich immerhin sieben Jahre im Trainer-Business vorbereitet und die nötigen Diplome gemacht. «Ich fühle mich bereit», sagte er Anfang Januar bei seiner Präsentation.

Rauswurf als Captain

Dass aus Seoane einmal ein Trainer wird, schien schon früh klar. «Wenn wir schlecht gespielt oder gar verloren haben, hat uns Gerry – und nicht der Trainer am Spielfeldrand – zusammengenommen und uns erklärt, was wir falsch gemacht hatten», erklärt ein ehemaliger Mitspieler aus Juniorenzeiten. Auch der ehemalige Präsident Walter Stierli sah in Seoane einen zukünftigen Trainer und stattete ihn nach dessen Aktivkarriere mit einem Anschlussvertrag aus. 2011 – nach der Entlassung durch Sportchef Rolf Fringer, der den Captain 2010 als Unruhestifter sah und rauswarf – übernahm der Rothenburger die Luzerner U21.

«Er hat ein herausragendes taktisches Verständnis, viel Leidenschaft für den Fussball und ist ein Top-Teamplayer», sagt FCB-Kaderplaner Remo Gaugler, der zuvor als FCL-Sportkoordinator eng mit Seoane zusammengearbeitet hat. Teamplayer? Seoane? Er sei schwierig und arrogant gewesen und habe gerade jüngere Spieler und Gegner oft von oben herab behandelt, sagen ehemalige Mitspieler.

«Im Gegenteil, ich musste ihm sogar einmal sagen, dass er egoistischer werden muss, wenn er einmal etwas auf seiner Visitenkarte stehen haben will», sagt Gaugler. «Er ist ein hervorragender Kommunikator, findet immer im richtigen Moment die richtigen Worte, das ist eine seiner Qualitäten. In erster Linie überzeugt er aber mit Fachkompetenz.» Die Zeit im Nachwuchs habe Seoane gutgetan.

Interview Gerardo Seoane

Gerardo Seoane steigt als Nachfolger von Markus Babbel mit viel Selbstvertrauen in die Super League.

Der Wandel vom Spieler zum Trainer

Selbst Fringer musste eingestehen, dass der Trainer Seoane nicht mehr mit dem Spieler Seoane vergleichbar ist. Dafür hat der schweizerisch-spanische Doppelbürger hart an sich gearbeitet. Zum Beispiel liess er sich früher öfter filmen, um an seiner Wirkung an der Seitenlinie zu feilen. Er achtet auf Strömungen innerhalb der Mannschaft und setzt auf Eigenverantwortung.

Im Luzerner Fanionteam strich er zum Beispiel das gemeinsame Morgen- und Mittagessen und verlangt, dass sich die Spieler selber um eine ausgewogene Ernährung kümmern. Junge Spieler schützt er nicht vor den Medien, er coacht sie und bespricht ihre Auftritte mit ihnen.

Fussballerisch lässt Seoane defensiv stabil, offensiv mutig und mit viel Leidenschaft spielen. Es scheint zu funktionieren. In der Tabelle kletterten die Zentralschweizer in der Rückrunde unter Seoane vom 9. auf den 4. Tabellenplatz. Mit einem weiteren Sieg am Samstag in Thun winkt sogar Rang 3 – wenn der FCSG am Sonntag nicht gegen Leader YB gewinnt.

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