Placebo im Hallenstadion: Eintönigkeit und routinierter Weltschmerz
Aktualisiert

Placebo im HallenstadionEintönigkeit und routinierter Weltschmerz

Mit einem neuen, blutjungen Schlagzeuger hat die Indie-Rockband um Brian Molko im Zürcher Hallenstadion ein wuchtiges Konzert geboten - dennoch liess der Auftritt einiges vermissen.

Das halbe Konzert ist schon vorbei, als Brian Molko, der androgyne Kopf von Placebo und Amerikaner mit schottischen Wurzeln, zum ersten Mal ein paar Worte ins Mikrophon sagt. Viel ist es nicht, was er mitzuteilen hat: Molko beschränkt sich auf ein knappes «Thank You», bevor er sich - wie nach jedem Song - die nach bandeigener Manier gestimmte Gitarre auswechseln lässt. Die befremdende Inhaltsleere dieses Abends betrifft auch die Musik.

Nicht nur der 23-jährige Steven Forrest, tätowiertes Schnuckelchen der Musikmagazine und blonder Berserker am Schlagzeug, trommelt sich schnörkel- und atemlos durch die Songs. Auch der Rest der Band scheint von derselben distanzierenden Routiniertheit angesteckt.

Kein Raum für Weltschmerz-Momente

Denn da bleibt weder der nötige Raum, um die für Placebos Rockmusik charakteristische Schwerblütigkeit anklingen zu lassen, noch zeugen die Live-Versionen ihrer Hits von besonderer Inspiration.

Nach einer energetischen Eröffnung - gleichzeitig bereits der Höhepunkt ihres Sets - mit dem rasanten Rockstück «For What Its Worth» des aktuellen Albums «Battle For The Sun» fallen Molko und seine Männer schon bald in eine Eintönigkeit ab, aus der sie auch mit dem Electro-Pop flirtend nicht recht herausfinden.

Und so liegt es nicht alleine an der Wortkargkeit des Sängers Molko, dass es der Band nicht gelingt, vollends zum Publikum durchzudringen. Zu selten sind während des Konzerts in Zürich die intimen Momente - solche, die düstere Weltschmerz-Lieder wie «Meds» oder «Bitter End» überhaupt erst ausmachen.

Frühzeitig erschöpftes Publikum

Sehenswert sind die über fünf Leinwände projizierten Visuals, die sich kunstvoll mit Liveaufnahmen des Konzerts überschneiden. Nur grenzen diese auf längere Zeit, kombiniert mit ausgeklügelten Lichteffekten, an Reizüberflutung, und stehlen der Band die Show.

Ausserdem werden durch die enorme Gitarrenlastigkeit stellenweise Molkos Gesangspartien fast gänzlich verschluckt und wo des lauten, wuchtigen Rocks zuviel ist, da fehlt bei Placebo letzten Endes die musikalische Mehrdimensionalität.

Das Publikum in Zürich zeigte sich am Dienstagabend konsterniert, übte sich grösstenteils in Zurückhaltung und wirkte bereits nach der ersten Zugabe müde. Findet Placebo nicht zurück zu alter Form, muss die Band wohl damit rechnen, ihrem Namen im wortwörtlichen Sinne gerecht zu werden: als Arznei ohne Wirkung nämlich.

(sda)

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