Aktualisiert 07.01.2008 13:22

Einwanderungsland mit sehr gemischter Bevölkerung

Als Einwanderungsland für Juden aus aller Welt hat Israel sehr unterschiedliche Bevölkerungsgruppen.

Dies schlägt sich in der Vielfalt der Parteienlandschaft nieder. Die politischen Gruppierungen spiegeln häufig die ethnische Herkunft oder die religiösen Überzeugungen ihrer Mitglieder und Wähler unmittelbar wider, doch gibt es auch viele Überschneidungen.

Der Soziologe Joram Peri von der Universität Tel Aviv hat unter den rund sieben Millionen Einwohnern Israels sechs verschiedene Bevölkerungsgruppen identifiziert, die sich allerdings ebenfalls nicht immer eindeutig trennen lassen:

Überwiegend säkulare Juden aus Europa (aschkenasische Juden):

Sie bilden traditionell die Elite des Landes, doch ist ihr Einfluss in den letzten Jahren mehr und mehr zurückgegangen. Politisch tendieren sie zu säkularen Parteien, insbesondere zur Arbeitspartei und zum Likud-Block.

Juden, die aus der ehemaligen Sowjetunion eingewandert sind:

Sie stellen gut eine Million Einwohner, sind ebenfalls meist weltlich ausgerichtet und befürworten eine harte Haltung gegenüber den Palästinensern. Auf Grund ihrer Ablehnung des Kommunismus wählen sie meist rechtsgerichtete säkulare Parteien.

Orientalische Juden aus dem Nahen Osten und Nordafrika (sephardische Juden):

Sie machen etwa die Hälfte der israelischen Gesellschaft aus. In der Regel sind sie religiöser und ärmer als die europäischen Einwanderer. Aus Tradition wählen sie meistens Likud oder andere konservative bis rechtsgerichtete Parteien, weil sie sich von der aschkenasischen Elite der Arbeitspartei häufig als Bürger zweiter Klasse behandelt fühlten.

Ultra-Orthodoxe:

Sie leben weiter nach alten Traditionen, die ihre Wurzeln im osteuropäischen Judentum des 18. Jahrhunderts haben. Wegen Kinderreichtums steigt ihr Anteil an der israelischen Gesellschaft ständig an. Sie tendieren zur Schas-Partei und kleineren religiösen Gruppierungen.

Orthodoxe Juden, die das biblische Israel für sich beanspruchen:

Zu dieser radikalen Gruppe gehören vor allem die knapp 250'000 jüdischen Siedler im besetzten Westjordanland. Sie wählen vorzugsweise nationalistisch-religiöse Parteien.

Israelische Araber:

Sie stellen fast 1,5 Millionen Einwohner, sind überwiegend Muslime oder mitunter auch Christen und identifizieren sich mit dem Kampf der Palästinenser in den besetzten Gebieten. Sie wählen zumeist ihre eigenen Parteien, da sie sich von der jüdischen Bevölkerung nicht repräsentiert fühlen. (dapd)

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