14.09.2016 14:35

Forscher in Gefahr

Eisbären-Rudel belagert Polarstation

Seit Wochen sind fünf russische Forscher in einer Wetterstation in der Arktis gefangen: Ein Dutzend Eisbären lässt sich nicht mehr vertreiben.

von
mlr
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Eine Gruppe Eisbären macht einem russischen Forscherteam in der Arktis das Leben schwer. Die Tiere umkreisen im September 2016 eine Polarstation auf der Insel Troinoi, sodass sich die Menschen nicht mehr nach draussen wagen.

Eine Gruppe Eisbären macht einem russischen Forscherteam in der Arktis das Leben schwer. Die Tiere umkreisen im September 2016 eine Polarstation auf der Insel Troinoi, sodass sich die Menschen nicht mehr nach draussen wagen.

AP/Uwe Lein (Symbolbild)
Die Insel Troinoi ist nur 27 Kilometer lang und liegt in der Karasee, am Rande des Nordpolarmeers. Das Eiland gehört zu den Iswestija-ZIK-Inseln, einem Archipel 150 Kilometer nördlich vom sibirischen Festland.

Die Insel Troinoi ist nur 27 Kilometer lang und liegt in der Karasee, am Rande des Nordpolarmeers. Das Eiland gehört zu den Iswestija-ZIK-Inseln, einem Archipel 150 Kilometer nördlich vom sibirischen Festland.

Screenshot Google Maps
Unter den Eisbären, die sich um die Station herumtreiben, sollen vier Weibchen mit Jungen sein.

Unter den Eisbären, die sich um die Station herumtreiben, sollen vier Weibchen mit Jungen sein.

AP/Douglas C. Pizac (Symbolbild)

Auf der kleinen Insel Troinoi in der Karasee, am Rande des Nordpolarmeers, trauen sich fünf russische Wissenschaftler nicht mehr nach draussen. Seit etwa zwei Wochen hat ein Dutzend Eisbären die Wetterstation, in der sich zwei Ehepaare und ein weiterer Forscher aufhalten, zu ihrem neuen Lieblingsort auserkoren.

Bis zu einem Monat müssen die Eingeschlossenen auf Hilfe warten, berichtet die russische Nachrichtenagentur TASS. So lange dauert es, bis ein Versorgungsschiff sich seinen Weg zur Insel nördlich von Sibirien gebahnt hat. Verjagen lassen sich die Eisbären nicht mehr, weil den Menschen die Fackeln ausgegangen sind, vor denen die Tiere sonst zurückschrecken. Passiert ist den Wissenschaftlern zwar bislang nichts, doch ein Opfer gab es bereits: Einer ihrer beiden Hunde wurde am 31. August getötet. Auch mehrere meteorologische Untersuchungen mussten die Forscher abbrechen.

Neue Fackeln und Hunde

Eine Eisbärin habe damit begonnen, unter dem Fenster der Station zu schlafen, sagte der Forscher Wadim Plotnikow zu TASS. Mittlerweile sei die Schar auf zehn erwachsene Bären und einige Jungtiere angewachsen. Wassili Schewtschenko, der Chef des Beobachtungsnetzwerks, dem die Polarstation gehört, geht davon aus, dass das Schiff Michail Somow die Wissenschaftler in rund einem Monat erreichen wird. Neben Fackeln und anderen pyrotechnischen Hilfsmitteln sollen die einzigen Bewohner der rund 27 Kilometer langen Insel auch neue Hunde bekommen. Das Team vor Ort sei angewiesen worden, «extreme Vorsicht» walten zu lassen, betonte er gemäss «Guardian».

Völlig überraschend ist die Belagerung durch die Bären laut Schewtschenko nicht. Ähnliches habe sich früher schon zugetragen, da die Insel nun einmal von Eisbären bevölkert sei. Ende Oktober oder Anfang November würden die Tiere Troinoi auf der Suche nach Futter aber ohnehin verlassen. Dann gefriert das Wasser nahe der Küste und erweitert ihr Territorium.

Töten verboten

Bereits 2015 kam es zu einem ähnlichen Vorfall. Damals belagerten fünf hungrige Eisbären eine russische Wetterstation auf der Insel Waigatsch im Nordpolarmeer. Die Wissenschaftler berichteten der «Siberian Times» vor einem Jahr, dass die Bären aggressiv seien und es unmöglich machten, Messungen vorzunehmen.

In Russland ist es verboten, die gefährdeten Eisbären zu töten. Im russischen Teil der Arktis leben etwa 5000 bis 7000 Exemplare, weltweit sind es noch etwa 20'000 bis 25'000 Tiere.

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