Eisenstangen-Attacke und sexuelle Belästigung – die Desaster-Saison von PSG

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Ärger in ParisEisenstangen-Attacke und sexuelle Belästigung – die Desaster-Saison von PSG

Der Schweizer Nati-Star Ramona Bachmann feierte mit PSG letzte Saison zwar einen Titel, doch ein Trauerspiel war die Saison für die Pariserinnen dennoch. Alles fing mit einem tätlichen Angriff an. 

von
Nils Hänggi
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Kheira Hamraoui hat keine leichte Saison hinter sich. 

Kheira Hamraoui hat keine leichte Saison hinter sich. 

IMAGO/Le Pictorium
Nach einem Angriff mit einer Eisenstange fiel sie längere Zeit aus. 

Nach einem Angriff mit einer Eisenstange fiel sie längere Zeit aus. 

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Fotos zeigen die Schwere der Verletzungen. 

Fotos zeigen die Schwere der Verletzungen. 

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Darum gehts

  • Frankreich steht bei der EM im Viertelfinal.

  • Nicht im Kader der Französinnen ist Kheira Hamraoui.

  • Der PSG-Star überlebte Ende letztes Jahr eine brutale Eisenstangen-Attacke. 

Die Saison der PSG-Frauen lief überhaupt nicht gut. Eine brutale Eisenstangen-Attacke, Tumulte im Training, Suspendierungen und sexuelle Belästigungsvorwürfe gegen den Trainer prägten das Pariser Fussball-Jahr. Und dennoch schaffte es PSG, am Ende den Cup zu gewinnen und Zweiter in der Meisterschaft zu werden. Alles miterlebt hat Nati-Star Ramona Bachmann. 

Das Trauerspiel begann am 4. November. An jenem Abend assen Spielerinnen und Betreuer in einem Edelrestaurant im Bois de Boulogne. Auf dem Heimweg gingen dann Kheira Hamraoui und Aminata Diallo zusammen. Während Letztgenannte fuhr, sass Hamraoui auf dem Beifahrersitz. Plötzlich rissen zwei vermummte Männer die Französin aus dem Auto und prügelten mit einer Eisenstange auf sie ein. Später veröffentlichte Fotos zeigten blaue Flecken und Wunden mit viel Blut. 

«Ich dachte, dass ich sterben würde»

Die Täterinnen oder Täter sind damals wie heute nicht bekannt. Zunächst wurde Diallo beschuldigt, die Brutalo-Attacke geplant zu haben. Der Grund: Sie wollte Hamraoui ausschalten, um sich den Platz im PSG-Mittelfeld zu sichern. Nach einer Nacht bei der Polizei wurde sie jedoch wegen fehlender Beweise freigelassen. Später geriet die Frau der Barça-Legende Eric Abidal ins Visier der Behörden. Hayet Abidal soll den Angriff aus Rache geplant haben. Dies, weil ihr Mann mit Hamraoui eine Affäre hatte, als sie noch bei Barcelona spielte und ihr Ehemann Sportdirektor bei den Katalanen war. Doch auch diese Spur führte ins Leere. 

Gegenüber «L’Equipe» spricht die Französin über die Tragödie. «Ich dachte, dass ich an diesem Abend sterben würde. Ich schrie vor Schmerzen, versuchte, mich zu schützen, wie ich nur konnte. Es dauerte rund fünf Minuten, es war unerträglich», so die 32-Jährige. Vor diesem Angriff habe sie ein friedliches Leben geführt. Nun empfinde sie nur noch Ungerechtigkeit, Wut und Traurigkeit. Sie sagt: «Viele Fragen quälen mich: Warum ich? Ich brauche die Wahrheit, um mich zu beruhigen.»

Im Interview mit der französischen Zeitung nimmt Hamraoui ihre Teamkollegin Diallo, mit der sie früher den Agenten teilte und die als befreundet galt, nicht in Schutz. Sie sagte: «Sie waren im richtigen Moment am richtigen Ort. Woher waren sie so gut informiert?»

Ramona Bachmann sagt: «Es sind viele Sachen vorgefallen. Das war nicht immer passend und hat uns von der Konzentration abgehalten.»

Ramona Bachmann sagt: «Es sind viele Sachen vorgefallen. Das war nicht immer passend und hat uns von der Konzentration abgehalten.»

IMAGO/Le Pictorium

Das sagt Ramona Bachmann

Das Team war in der Folge verstört. Gegen Lyon gab es nach der Attacke eine 1:6-Klatsche, am Ende der Saison trennten die beiden Vereine elf Punkte. Hamraoui wurde nicht in Schutz genommen – im Gegenteil. Als sie Anfang Jahr wieder kicken konnte, wurde sie von den PSG-Fans mit Graffiti empfangen: «Kaïra (‹Abschaum›, d. Red.), wer ist als Nächstes dran?» Bei Heimspielen wurde sie beleidigt. Aus dem Opfer wurde das Böse. Diallo wurde in Schutz genommen.

Viele hatten das Gefühl, Hamraoui verheimliche irgendetwas. Wohl auch ihre Mitspielerinnen. In einem Schreiben klagte die Fussballerin im Frühjahr über Mobbing, klagte an, dass man ihr nie den Ball zuspielen würde. Gegenüber «L’Equipe» sagt sie nun, dass sie von ihren Teamkolleginnen viel Unterstützung erfahren habe. 

Gegenüber 20 Minuten will der Schweizer Nati-Star Ramona Bachmann nicht gross über die Vorfälle reden. Sie sagt nur: «Es sind viele Sachen vorgefallen. Das war nicht immer passend und hat uns von der Konzentration abgehalten.» Die Stimmung sei nicht immer gut gewesen. Bachmann: «Das alles ist sehr schade, denn das Potenzial ist riesig! Wir haben so viele talentierte Spielerinnen. Es wäre mehr drinnen gelegen.» 

Hamraoui und Diallo müssen PSG verlassen

Frankreich steht an der laufenden EM im Viertelfinal. In diesem treffen die Französinnen am Samstagabend auf die Niederlande. Nicht im Kader sind Diallo und Hamraoui. Kein Wunder – hat letztgenannte Spielerin doch seit April kein einziges Spiel gemacht. Sie ist von PSG suspendiert. Vor dem Champions-League-Halbfinal gegen Lyon soll es zu Pöbeleien und Beleidigungen im Training zwischen der 32-Jährigen und Sandy Baltimore gekommen sein – Tränen flossen. Ende Mai wurde dann auch noch Trainer Didier Ollé-Nicolle vom Verein beurlaubt, der Vorwurf: verbale und sexuelle Belästigung. Er bestreitet dies, es gilt die Unschuldsvermutung. 

Das vorläufige Ende von diesem PSG-Trauerspiel sind nun erstmals mehrere Abgänge. Die deutsche Nationalspielerin Sara Däbritz verlässt die Pariser, Jordyn Huitema, die Ex-Freundin von Bayern-Star Alphonso Davies, auch. Und die beiden Hauptdarstellerinnen der Tragödie? Die beiden müssen PSG auch verlassen. Wie «Le Parisien» schreibt, planen die Paris-Verantwortlichen nicht mehr mit Hamraoui.  «L’Equipe» vermeldet das Gleiche betreffend Aminata Diallo.

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