Zürich: «Eiskalte Dusche statt Onanie»-Video von Vikar sorgt für Kritik
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Zürich«Eiskalte Dusche statt Onanie»-Video von Vikar sorgt für Kritik

Auf Youtube behauptet ein Zürcher Vikar, dass Selbstbefriedigung Selbstzerstörung sei und gibt Tipps, wie Männer die «Versuchung loswerden» können.

von
Monira Djurdjevic
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Das «Eiskalte Dusche statt Onanie»-Video eines Zürcher Vikars sorgt für Kritik. 

Das «Eiskalte Dusche statt Onanie»-Video eines Zürcher Vikars sorgt für Kritik.

Screenshot Youtube
Philipp Isenegger ist seit 2019 Vikar der Pfarrei St. Katharina in Zürich-Affoltern.

Philipp Isenegger ist seit 2019 Vikar der Pfarrei St. Katharina in Zürich-Affoltern.

Screenshot Youtube
In einem Video empfiehlt er kalte Duschen, um den Lusttrieb abzukühlen. 

In einem Video empfiehlt er kalte Duschen, um den Lusttrieb abzukühlen.

Screenshot Youtube

Darum gehts

  • Ein Zürcher Vikar hält Selbstbefriedigung für «Selbstzerstörung».

  • In einem Video empfiehlt er kalte Duschen, um den Lusttrieb abzukühlen.

«Selbstbefriedigung ist Selbstzerstörung» – so beginnt das Youtube-Video von «Don Philipp». Gemeint ist damit Philipp Isenegger, wie das «Katholische Medienzentrum» berichtet. Der 41-Jährige ist seit 2019 Vikar der Pfarrei St. Katharina in Zürich-Affoltern. Im Video sagt er: «Meidet die Unzucht.» Zur Unzucht gehöre laut Isenegger auch die Selbstbefriedigung: «Wir sollen das nicht ausleben, weil wir dann nicht der Berufung entsprechen, zu der wir geschaffen wurden, Abbild Gottes zu sein. Tempel des Heiligen Geistes. Erfüllt von der Liebe Gottes.»

Isenegger ist überzeugt: «Sex mit sich selbst zu haben kann nicht funktionieren. Erfüllte Sexualität ist nur möglich im Rahmen der sakramentalen Ehe, wo eben die Liebe frei sich verschenkt dem anderen, uneingeschränkt, treu ist, fruchtbar.» Auch kritisiert er, dass Selbstbefriedigung bei Männern oft mit Pornografie einhergehe: «Beides ist schwere Sünde. Der andere macht dann halt sein pornografisches oder erotisches Kino in den Gedanken.»

Der Vikar will «konkrete Tipps geben», wie Männer die «Versuchung loswerden» können. Er empfiehlt, «oft zur Beichte zu gehen» und eine «eiskalte Dusche» zu nehmen. Unter dem Video sind Links zu Selbsthilfegruppen angegeben.

«Das Video ist widerlich»

Die Zürcher Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding kritisiert das Video und zeigt sich schockiert. «Ich bin fassungslos. Dieses Video ist nicht nur schlimm, sondern widerlich.» Sie fühle sich durch das Video an längst vergangene Zeiten erinnert. «Das hatten wir leider jahrzehntelang und ich war überzeugt, dass wir alle in der Schweiz eine gute Ausbildung geniessen konnten und aufgeklärt wurden.» Wie Driessen-Reding sagt, vermittle das Video zudem ein falsches Bild von der Katholischen Kirche. Sie findet es aber gut, dass das Thema öffentlich diskutiert wird und fordert: «Ich erwarte ein rasches und klares Wort der kirchlichen Vorgesetzten.»

Für Karin Iten, Präventionsbeauftragte des Bistums Chur ist das Video nicht vereinbar «mit einer differenzierten Fachperspektive aus der Biologie, der Sexologie und der Psychologie». Es sei eine «falsche Annahme», Selbstbefriedigung mit Selbstzerstörung gleichzusetzen, sagt sie gegenüber dem «Katholischen Medienzentrum». «Eine solche falsche Annahme wirft viele Menschen in falsche Scham- und Schuldgefühle und damit auf direktem Weg ins Schweigen und in die Sprachlosigkeit. Und Sprachlosigkeit – verstärkt durch Schweigegebote – untergraben das Fundament für die Prävention von sexuellem Missbrauch.»

Vikar Philipp Isenegger war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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