Überlebender des Seilbahnunglücks - Eitan (5) kann sich nicht an den Seilbahnunfall erinnern
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Überlebender des SeilbahnunglücksEitan (5) kann sich nicht an den Seilbahnunfall erinnern

Der fünfjährige Eitan hat die Intensivstation verlassen, jetzt beginnt die Arbeit der Psychologen. Doch der Kleine hat keine Erinnerung von dem, was in der Gondel der Mottarone-Seilbahn passiert ist.

von
Karin Leuthold
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Dem fünfjährigen Eitan geht es besser. Das teilten die behandelnden Ärzte am 30. Mai mit. Er frage aber weiterhin nach seinen Eltern.

Dem fünfjährigen Eitan geht es besser. Das teilten die behandelnden Ärzte am 30. Mai mit. Er frage aber weiterhin nach seinen Eltern.

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Unter den Toten des Seilbahnunglücks am Lago Maggiore ist die israelische Familie Biran, die in Italien lebte. Die beiden Eltern, ihr jüngster Sohn (2) sowie zwei Urgrosseltern starben. Der fünfjährige Eitan überlebte.

Unter den Toten des Seilbahnunglücks am Lago Maggiore ist die israelische Familie Biran, die in Italien lebte. Die beiden Eltern, ihr jüngster Sohn (2) sowie zwei Urgrosseltern starben. Der fünfjährige Eitan überlebte.

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Vater Amit hat dem fünfjährigen Sohn das Leben gerettet, indem er ihn umarmte.

Vater Amit hat dem fünfjährigen Sohn das Leben gerettet, indem er ihn umarmte.

Quelle: Screenshot TGcom 24

Darum gehts

  • Der Zustand des einzigen Überlebenden des Seilbahnunglücks am Monte Mottarone bessert sich.

  • Bis heute weiss er aber nichts vom Tod seiner Eltern.

  • Die Psychologen haben zudem bemerkt, dass er keine Erinnerung vom Tag des Unglücks hat.

Eitan Biran, der als Einziger das Seilbahnunglück am Monte Mottarone bei Stresa überlebte, macht grosse Fortschritte bei seiner Genesung. Am Dienstag durfte er die Intensivstation des Kinderspitals Regina Margherita in Turin verlassen und in ein Zimmer verlegt werden. An seiner Seite ist immer seine Tante Aya, eine Schwester von Eitans verstorbenem Vater Amit.

Wie das Portal Fanpage berichtet, wolle ein Psychologenteam dem Fünfjährigen die Nachricht vom Tod seiner Eltern, des kleinen Bruders Tom sowie der Urgrosseltern erzählen. Doch Eitan kann sich an nichts von dem erinnern, was während des Familienausflugs vor zwei Wochen passiert ist.

Keine neurologischen Schäden

Die Neurologen haben erste Untersuchungen durchgeführt, neurologische Schäden infolge des Unfalls sind ausgeschlossen. Die Ärzte kamen daher zum Schluss, dass der Kleine wohl an einer posttraumatischen Amnesie leidet. Aus diesem Grund wolle das Therapeutenteam nun warten, um Eitan über den Tod seiner Eltern zu informieren. Die Devise lautet: Ein langer Weg, der in kleinen Schritten, aber ohne Lügen, begangen werden soll.

Seit vergangenen Freitag ist Eitan bei Bewusstsein. Seine Tante Aya sass an seinem Bett, als er erwachte. «Hallo Tante, wo sind Mama und Papa?», fragte der Bub. Seither hat er die Frage mehrmals gestellt. Doch diese blieb bis anhin unbeantwortet.

Schweizer Seilbahn-Fan filmte die Anlage jahrelang

Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Schweizer Michael Meier, Hobbyfilmer und Seilbahn-Fan, mehrere Aufnahmen aus den Jahren 2014 und 2018 hat, auf denen jeweils dieselben Gabel-Vorrichtungen («Forchetta») zu sehen sind, welche die Notbremsung an der Seilbahn auch am Unglückstag verhindert haben sollen.

Zusammen mit einem Seilbahnexperten der ETH, Gabor Oplatka, ist Meier der Meinung, dass die italienischen Seilbahnbetreiber diese Lösung, die eigentlich nur für Wartungsarbeiten vorgesehen ist, über einen längeren Zeitraum verwendet haben. «Offensichtlich hat man das praktiziert.»

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft von Verbania in dem Unglücksfall weiter. Eine der von den Ermittlern untersuchten Hypothesen ist, dass durch den übermässigen Einsatz der «Gabeln», die zur Deaktivierung der Notbremsen dienen, eine übermässige Spannung auf das Zugseil entstanden ist, was zum Riss des Seils geführt haben könnte. Um dieser These nachzugehen, müssen die Behörden das Innere der abgestürzten Kabine inspizieren. Diese befinde sich nach wie vor am Unfallort. Am Montag soll eine weitere Inspektion stattfinden.

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Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

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Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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