Aktualisiert 14.06.2005 15:11

Eklat im Gerichtssaal

Weil der Angeklagte und sein einstiger Nebenbuhler sich im Gerichtssaal offen anpöbelten, hat der Präsident des Zürcher Geschworenengerichts die Umplatzierung des Angeklagten angeordnet.

Als Zeuge wurde am Dienstagvormittag der Ehemann jener Frau befragt, welche der heute knapp 37-jährige Libanese am 8. Oktober 2002 in Dietikon auf offener Strasse erschossen hatte. Seine Schilderungen wichen in entscheidenden Punkten weit von den Angaben ab, die der Angeklagte am Montag vorgetragen hatte.

Der 38-jährige Italiener war an der Auseinandersetzung, die zu der Bluttat geführt hatte, beteiligt gewesen. Die Tat hatte er aus nächster Nähe miterlebt.

Er bestätigte prinzipiell die Version der Staatsanwaltschaft. Danach hatte der Angeklagte die flüchtende 22-Jährige mit mehreren Schüssen verletzt und die am Boden Liegende schliesslich mit einem Schuss aus nächster Nähe in den Hals gleichsam hingerichtet. Dies hatte der Angeklagte am Montag bestritten.

Fatale Dreiecksbeziehung

Bei dem Streit der Frau und der beiden Männer war es um deren fatale Dreiecksbeziehung gegangen. Die Tschechin war verheiratet mit dem Zeugen und pflegte gleichzeitig eine Liebesbeziehung mit dem Angeklagten.

Es seien wohl seine damaligen schweren Drogenprobleme gewesen, die seine Frau in eine andere Beziehung getrieben hätten, räumte der Zeuge ein. Im Sommer vor der Tat habe er sich aber von den harten Drogen distanziert, und es sei mit der Ehe wieder bergauf gegangen. Man habe beschlossen, zusammen zu bleiben.

Seinen Rivalen schilderte der Zeuge als gefährlich und gewaltbereit. Er habe nie akzeptiert, dass seine Freundin eine verheiratete Frau sei. Diese habe gewusst, dass er eine Waffe besitze und sich deshalb gefürchtet.

Am Montag hatte der Angeklagte gerade das Gegenteil ausgesagt: Der Ehemann habe die aussereheliche Liebesbeziehung nie akzeptiert, er habe seine Frau bedroht und die Waffe habe ihm gehört. Die Frau habe sich kurz vor dem Tattag für ihn, den Liebhaber, entschieden.

Zum Eklat im Gerichtssaal kam es, als der seitlich sitzende Angeklagte dem Zeugen ins Gesicht lachte. Aufgebracht fuhr dieser den einstigen Nebenbuhler an mit den Worten «was lachst du? Du hast einen Menschen umgebracht!» Nach diesem Zwischenfall wurde der Angeklagte hinter den Zeugen gesetzt, so dass kein Blickkontakt mehr möglich war.

(sda)

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