Aktualisiert 07.12.2010 10:25

Drogenkrieg

«El Ponchis» ist US-Bürger

Als der 14-jährige mutmassliche Drogen-Killer in Cuernavaca festgenommen wurde, war die Aufregung gross. Nun stellt sich heraus: «El Ponchis» ist kein Mexikaner.

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Er gilt als einer der gefährlichsten Männer Mexikos: Der 14-jährige «El Ponchis», der für ein mächtiges Drogenkartell Mordaufträge ausgeführt haben soll. Offenbar war er an der Enthauptung von vier Männern beteiligt.

Am Donnerstagabend wurde «El Ponchis» auf dem Flughafen in Cuernavaca gefasst, als er und seine Schwester in das in Nordmexiko gelegene Tijuana reisen wollten.

Für Verwirrung sorgte nach der Festnahme die Staatsangehörigkeit des Jungen. Der Governeur von Morelos, Marco Adame Castillo, erklärte, der Jugendliche sei in San Diego im US-Staat Kalifornien geboren worden. Es werde geprüft, ob er eine doppelte Staatsbürgerschaft habe.

Nun bestätigte Gini Staub, Pressesprecherin des US-Aussenministeriums, dass der Jugendliche tatsächlich Bürger der Vereinigten Staaten ist. Der 14-Jährige werde «die nötige konsularische Unterstützung erhalten, wie jeder US-Bürger, der im Ausland festgenommen» werde. Das beinhalte unter anderem Besuche im Gefängnis und Kontakt zu Anwälte.

Im Blitzgewitter alles zugegeben

Die Ermittler nehmen an, dass «El Ponchis» für eine Splittergruppe des Beltran-Leyva-Kartells arbeitete. Der Junge erklärte vor Journalisten, bei der Hinrichtung der Menschen unter Drogeneinfluss gestanden und aus Todesangst gehandelt zu haben. «Ich hatte die Wahl. Entweder ich tat, was mir gesagt wurde, oder ich würde selber getötet», sagte er, bevor ihn Polizisten in Handschellen abführten. Drogenboss «El Negro» Padilla habe ihn gezwungen, den Opfern «die Kehle aufzuschlitzen», gestand er weiter. Er habe bereits seit seinem elften Lebensjahr für das Drogenkartell gearbeitet, sagte er.

Vor einem Monat war auf YouTube ein Video aufgetaucht, dass eine Diskussion über einen kindlichen Auftragskiller auslöste. Seine Festnahme und der nachfolgende Medienzirkus rief bei einem mexikanischen Kinderhilfswerk Unmut hervor. Das Netzwerk für Kinderrechte erklärte, die Privatsphäre und die Rechte des Teenagers seien verletzt worden. Wird dem Amerikaner «El Ponchis» in Mexiko der Prozess gemacht, drohen ihm nach dortigem Jugendstrafrecht für seine Taten maximal drei Jahre Gefängnis.

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