Eldar S: Hilfeschreie auf Tonband zu hören
Aktualisiert

Eldar S: Hilfeschreie auf Tonband zu hören

Prozessauftakt im Fall Eldar S.: Auf einem Tonband war gestern im Gerichtssaal zu hören, wie der junge Mann um Hilfe schreit und von einem Polizisten beschimpft wird.

Zuerst schilderten gestern die beiden angeklagten Stadtpolizisten ihre Darstellung des Vorfalls: Eldar S. habe unvermittelt mit einem heftigen Faustschlag reagiert, als sie den damals 19-jährigen Bosnier am 21. April 2002 bei der Liebfrauenkirche kontrollieren wollten, den sie irrtümlich für einen Dealer hielten. Um ihn zu überwältigen, hätten sie ihm lediglich wenige «dosierte» Schläge gegen den Kopf versetzt.

Der Verteidiger von Eldar S., Martin Schnyder, warf den Polizisten vor, sie hätten ihre Version miteinander abgesprochen, um ihren Prügelexzess zu vertuschen. Die Aussagen zweier Augenzeugen belegten, dass Eldar S. gegen die Polizisten keinerlei Gewalt angewendet habe. Auch hätten die zivilen Fahnder sich nicht als Polizisten zu erkennen gegeben. Eldar S. habe deshalb an einen Angriff durch Neonazis geglaubt und um Hilfe geschrien.

Schnyder belegte dies mit einer Tonbandaufnahme des Funkspruchs, mit dem einer der beiden Fahnder Verstärkung anforderte. Darauf waren im Hintergrund verzweifelte Hilferufe von Eldar S. zu hören. Zudem war zu vernehmen, wie der zweite Polizist Eldar S. als «Schafseckel» beschimpft.

Die Anklage wirft Eldar S. Körperverletzung und Hinderung einer Amtshandlung, den Beamten ebenfalls Körperverletzung sowie Amtsmissbrauch vor. Eldar S. erschien wegen seines schlechten psychischen Zustands nicht vor Gericht. Der Prozess geht heute weiter.

Marco Lüssi

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