Offensive in Zürich: Electro-Festival will Frauen im Nachtleben fördern
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Offensive in ZürichElectro-Festival will Frauen im Nachtleben fördern

Frauen sind im Nachleben kaum vertreten. Ein viertägiges Festival will das ändern. Es wird ab Donnerstag gefeiert, diskutiert und es werden Vibratoren gebastelt.

von
som

Angefangen hat alles in Istanbul: Nathalie Brunner alias DJ Playlove war dort im Jahr 2012 mit 30 anderen Schweizern Künstlern an ein Festival eingeladen. «Ich war die einzige Frau – das fiel auf.» Eine Überraschung war es jedoch nicht: «Frauen haben es nicht leicht im Nachtleben.» Man traue ihnen weniger zu. «Machen weibliche DJs einen Fehler, bekommen sie es drei Mal mehr zu spüren», so die gebürtige Wienerin, die seit 1999 auflegt und seit fast acht Jahren in Zürich lebt.

Vielleicht ein Grund, warum Frauen gemäss einer Studie der Booking-Datenbank Female Pressure weniger als zehn Prozent der gebuchten Acts an Electro-Festivals ausmachen, so die 34-Jährige: «Männer profitieren von einem grösseren Netzwerk.» Zudem getrauten sich Frauen oft nicht hinters DJ-Pult: «Sie denken, dass sie mit der Technik nicht klar kommen und scheuen sich gerade am Anfang, sich bloss zu stellen.»

Erstes Festival in Istambul

Das wollten Brunner und ihre Freundin Eva Geiser ändern. Sie organisierten 2013 in der Türkei ihr erstes «Electronic Gender Bending Music Festival», das sich diesem Thema widmet – in einem Land also, wo Frauen laut Brunner, die in der Nacht arbeiten, teilweise als Prostituierte angesehen werden. Neben einer Party mit vielen weiblichen DJs gab es Podiumsdiskussion, Darbietungen und Workshops – unter anderem konnte man das Auflegen lernen.

Besucherinnen aber auch Besucher seien davon so begeistert gewesen, dass sie zu Hause weiter übten: «Sie konnten ein Jahr später bei unserem zweiten Festival in Istanbul auflegen.» Überhaupt sei die Veranstaltung angekommen: «Die Leute waren froh, dass sie sich von ihren gesellschaftlichen Problemen ablenken konnten.»

DJ-Workshops und Vibratoren basteln

Nun holen Brunner und die elf weiblichen und vier männlichen Organisatoren vom Verein Les Belles De Nuit vom 5. bis am 9. November das Festival nach Zürich. Zum viertägigem Programm gehören etwa eine Fotoausstellung in der Photobastei, Darbietungen, DJ-Workshops oder Talkrunden über Transsexualität oder wie sich Frauen auch als Produzentinnen verwirklichen können.

Doch es geht nicht nur ernst zu und her. So können die Besucher etwa Vibratoren basteln oder sich als Dragqueen und Dragking verkleiden. Ab Samstag wird auch gefeiert – bis am Montagmorgen legen 23 Frauen aus dem In- und Ausland während 29 Stunden ohne Pause am Rave im Supermarket auf zwei Floors auf.

«Wir hoffen, dass ganz viele Männer kommen»

Dass dabei nur Frauen hinter dem DJ-Pult stehen, habe sich so ergeben – man wolle das andere Geschlecht auf keinen Fall ausschliessen, so Brunner: «Viele andere Künstler sind männlich und wir hoffen, dass auch ganz viele Männer ans Festival kommen.»

Denn auch sie sollen sich bewusst werden, dass es im Nachtleben begabte Frauen gibt: «Wenn wir es dadurch etwa schaffen, dass Veranstalter von Festivals und Clubs mehr weibliche DJs buchen, haben wir schon ein wichtiges Ziel erreicht.»

Mehr Infos auf lesbellesdenuit.ch

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