Wiglaf Droste - «Wir sägen uns die Beine ab...»: Elegante Beschimpfungen und klare Analysen
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Wiglaf Droste - «Wir sägen uns die Beine ab...»Elegante Beschimpfungen und klare Analysen

GLOSSEN – Das allzu schlichte Weltbild der Donna Leon ist Wiglaf Droste ebenso ein Ärgernis wie der Ex-Kommunist Wolf Biermann, der Bob Dylan übersetzt und das Werk mit seiner eigenen ranzigen Lyrik anreichert. George W. Bush, Forsythien und Wespen mag der scharfzüngige Autor nicht und aufdringliche Christen, die mit leuchtenden Augen den Deutschen Kirchentag besuchen, schon gar nicht. Dafür schätzt er beispielsweise die Märchen der Gebrüder Grimm, Johnny Cash, Borussia Dortmund und Peter Hacks. Und wann immer eine der Charaktermasken aus dem Fernsehen einen Skandal auslöst, seziert Wiglaf Droste mit präzisen Worten den öffentlichen Vorgang, etwa beim koksenden Michael Friedman: «Allein und nackt unter Heuchlern».

Alle Jahre wieder gibt es die Glossen und Gedichte des Satirikers und Hobbykochs Droste in Buchform. 54 Texte sind es diesmal, erfreuliche Beleidigungen wechseln sich ab mit originellen Liebeserklärungen. Wohl klingt Droste ab und zu ein bisschen matt, das ewige Ärgern über die Plagen des Lebens, über die immer gleichen Dumpfbacken wirkt vielleicht doch ein bisschen demotivierend. Manchmal gerät der Autor auch in gefährliche Nähe zum Kitsch. Dennoch ist Droste sprachlich nach wie vor auf der Höhe und seine Wortschöpfungen sind Klassiker. Er ist und bleibt der Grossmeister der eleganten Beschimpfung.

Wolfgang Bortlik

Wiglaf Droste «Wir sägen uns die Beine ab und sehen aus wie Gregor Gysi», Edition Tiamat, 200 Seiten, 22.90 Franken.

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