auto-schweiz: «Elektro-Boom kommt erst gegen Ende 2019»
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auto-schweiz«Elektro-Boom kommt erst gegen Ende 2019»

Andreas Burgener, Direktor von auto-schweiz, ist überzeugt, dass in der Schweiz im Jahr 2020 zehn Prozent aller Neuwagen «elektrisiert» sind.

von
lab
auto-schweiz-Direktor Andreas Burgener glaubt, dass der Elektroautoboom Ende 2019 einsetzen wird.

auto-schweiz-Direktor Andreas Burgener glaubt, dass der Elektroautoboom Ende 2019 einsetzen wird.

Auto-Schweiz

«Elektromobilität ist ein grosses mediales Thema, keine Frage. Die Realität, also die Marktanteile elektrischer Fahrzeuge, sieht aber heute noch ernüchternd aus», antwortet Andreas Burgener in einem Interview mit co2tieferlegen.ch. Tatsächlich lag der Marktanteil rein elektrischer Fahrzeuge in der Schweiz nach dem ersten Halbjahr erst bei 1,5 Prozent gegenüber 1,3 Prozent im Vorjahr.

«Wir haben nicht mehr erwartet», wird Burgener zitiert. «Aber wir gehen davon aus, dass sich das in den kommenden Jahren rasant ändern wird. Nicht umsonst wollen wir mit unserem 10/20-Ziel einen Marktanteil an Elektroautos und Plug-in-Hybriden von 10 Prozent im Jahr 2020 erreichen.» Hintergrund dieser Hoffnung ist die Tatsache, dass bereits im kommenden Jahr jede Menge spannender E-Autos lanciert werden. «Heute ist die Modellauswahl noch überschaubar, aber es sind schon gute Autos dabei», so Burgener.

2404 Stromer in sechs Monaten

Das im ersten Halbjahr 2018 nur gerade 2404 Strom neu zugelassenen wurden, hat gemäss dem auto-schweiz-Direktor auch mit der Tatsache zu tun, «dass die Rahmenbedingungen noch nicht ideal sind. Die öffentlich verfügbare Ladeinfrastruktur wächst zwar, aber nur langsam und für viele nicht sichtbar». Zudem sind E-Fahrzeuge wegen den hohen Entwicklungskosten noch teurer als vergleichbare Modelle mit Verbrennungsmotor, und die Reichweiten mit einer Akkuladung sind noch nicht da, wo viele Kunden sie gerne hätten.

Plug-in-Hybrid im Hoch

Klarer Leader bei den alternativen Antrieben war deshalb im ersten Halbjahr der Benzin-Hybrid, der seine Marktanteile von 3,3 Prozent auf 4,2 Prozent steigerte. Für den Fachmann keine Überraschung: «Sie haben den Vorteil der grossen Reichweite des Verbrenners, können Energie durchs Bremsen rückgewinnen, und, gerade im städtischen Bereich, rein elektrisch fahren.»

Das ist durchaus erstaunlich, denn gerade beim Plug-in-Hybrid haben unabhängige Tests gezeigt, dass der theoretische Verbrauchs-Wert im realen Betrieb nicht zu erreichen ist.

«Nicht nur beim Plug-in-Hybird», entgegnet Burgener. «Die Herstellerangaben beruhen heute immer noch zu grossen Teilen auf dem alten Messzyklus NEFZ. Dieser ist weit entfernt vom echten Fahren auf der Strasse. Deshalb wird er vom neuen WLTP-Zyklus abgelöst.»

Ist der Diesel am Ende?

Das einstige Liebkind der Schweizer, der Dieselmotor, befindet sich weiter im Sturzflug: minus 19,1 Prozent im ersten Halbjahr. Für Burgener nicht nachvollziehbar. «Modelle mit der neuesten Abgasnorm (Euro 6d-Temp) sind sehr sauber und haben mit der älteren Technik nichts mehr zu tun.» Darum empfiehlt Burgener den «Böölimann» der Automobilindustrie auch weiterhin. «Man muss sich die Frage stellen: Für welche Strecken wird das Fahrzeug grösstenteils eingesetzt», so der Kia-Fahrer. «Wenn man viel Langstrecken fährt und flexibel bleiben will, ist ein Diesel- oder Gasauto sicher die günstigste Wahl. Als Pendler entlang derselben Strecke kann je nach Distanz ein Elektroauto oder Plug-in-Hybrid interessant werden, sofern man bei der Arbeit oder zu Hause eine Lademöglichkeit hat. Für diejenigen, die mit dem Auto wenig unterwegs sind, bietet sich ein Benziner oder ein Hybrid an.»

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