24.07.2020 07:35

Probefahrt

Elektro-Spass auf hohem Niveau

Die amerikanische Marke Zero bietet bereits mehr als zehn Jahre Elektromotorräder an. Spitzenmodelle sind die neue SR/F und ihre Schwester SR/S.

von
Ulf Böhringer
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Die SR/F und die verkleidete Schwester SR/S der amerikanischen Marke Zero nehmen es locker mit der spärlichen Konkurrenz auf.

Die SR/F und die verkleidete Schwester SR/S der amerikanischen Marke Zero nehmen es locker mit der spärlichen Konkurrenz auf.

Foto: Targetpress
Die Reichweite der Zero SR/F liegt je nach Fahrstil zwischen 140 und 175 Kilometern.

Die Reichweite der Zero SR/F liegt je nach Fahrstil zwischen 140 und 175 Kilometern.

Foto: Targetpress
Die Bedienung der Schalter und Hebel sowie des Bordcomputers im übersichtlichen TFT-Display ist schnell verstanden.

Die Bedienung der Schalter und Hebel sowie des Bordcomputers im übersichtlichen TFT-Display ist schnell verstanden.

Foto: Targetpress

Geht man von den ersten Fahreindrücken mit der SR/F und der SR/S aus, schaffen es die neuesten Produkte der amerikanischen E-Motorrad-Marke Zero spielend, sich in den Punkten Leistungsfähigkeit, Ausdauer, Ladezeiten und Fahrzeuggewicht an die Spitze der E-Motorräder zu setzen. Und das für vergleichsweise eher günstige Tarife, was aber immer noch einen Preis ab fast 22’000 Franken bedeutet.

Wer sich die neuen Modelle im Detail anschaut, darf sich über eine vorzügliche Verarbeitungsqualität und hochwertige Materialien sowie gute Komponenten bei Fahrwerk und Bremsen freuen. Zudem sind E-Motor, Akku und das Energiekontroll-Management inzwischen auf einem hohen Niveau angekommen. Die Dauerleistung des Motors beträgt 40 kW (54 PS), die offizielle Maximalleistung liegt bei 82 kW (110 PS). Zugunsten der Reichweite wird das Höchsttempo auf 200 km/h begrenzt. Mit der nutzbaren Akkukapazität von 12,5 kWh liegt die Praxis-Reichweite im gemischten Verkehr je nach Sensibilität der Fahrerhand zwischen 140 und 175 Kilometern. Das liegt auf dem Niveau der Harley-Davidson Livewire (13,6 kWh nutzbar, 80 kW Leistung, ab 36’500 Franken), während die wesentlich schwerere Energica Eva EsseEsse9+ (18,9 kWh nutzbar, 80 kW Leistung, ab 26’100 Franken) mehr Reichweite bietet.

Tadelloses Fahrwerk

Im Fahrbetrieb stellt sich schnell heraus, dass die Kombination aus dem extrem durchzugsstarken E-Motor und dem vergleichsweise niedrigen Gewicht von 220 Kilogramm den grössten Vorteil der Zero SR/F darstellt. Sie lässt sich ausgesprochen leichtfüssig fahren und erscheint weniger frontlastig als andere E-Motorräder. Damit gestaltet sich auch das Befahren kurvenreicher Strecken lustvoll. Der Druck des 110 PS leistenden Triebwerks ist dem jedes üblichen Verbrenners bis mindestens 160 PS überlegen.

Sehr gut gelöst hat Zero die Abstimmung des Controllers, der das Motormanagement regelt. Die Leistung wird sehr feinfühlig abgegeben, nichts ruckelt und zuckelt. Auch die Rekuperation, also die Stromrückgewinnung beim Verzögern, arbeitet vorteilhaft: Sie ist abhängig vom gewählten Fahrmodus. Vier davon stehen zur Auswahl, sie unterscheiden sich deutlich voneinander.

Die Ausrüstung der SR-Baureihe mit Showa-Fahrwerkselementen ist gelungen: Das Ansprechverhalten der vollständig einstellbaren USD-Gabel ist sensibel, beim ebenfalls voll einstellbaren Zentralfederbein wirkt sich der füllige Federweg von 14 Zentimetern vorteilhaft für den Komfort aus. Die Fahrstabilität ist bei Landstrassentempi untadelig. Kurven umrundet die Zero SR/F absolut stabil, ein nennenswertes Aufstellmoment beim Bremsen in Kurven ist nicht feststellbar.

Auch die Bremsen gefallen. Das Ansprechverhalten der vorderen, gross bemessenen Radialanlage ist einwandfrei, die Wirksamkeit ebenfalls tadellos. Auch die Wirkung des schräglagenoptimierten Bosch-ABS stellt absolut zufrieden. Insgesamt hat die Bremsanlage mit dem relativ leichtgewichtigen Elektrobike leichtes Spiel.

Schneller laden kostet extra

Gut gelöst haben die Entwickler auch den Punkt Ergonomie. Der Kniewinkel ist entspannt, die Lenkerbreite günstig gewählt, die Fussrasten sind gut platziert. Auch bieten die Spiegel der F-Version ordentlichen Rückblick. Bei der verkleideten S, deren Sitzposition etwas sportlicher ausfällt, sind die Spiegel tiefer montiert, der Rückblick ist dadurch etwas gewöhnungsbedürftig. Die Bedienung der Schalter und Hebel erschliesst sich leicht, auch die Bedienung des Bordcomputers im übersichtlichen TFT-Display lässt sich innerhalb einiger Fahrten erlernen. Die Ablesbarkeit des Instruments ist ausgezeichnet. Auch der LED-Doppelscheinwerfer – bei der S-Version gibt es vier einzelne Leuchten – inklusive Tagfahrlicht ist gelungen. Die Aerodynamik der F-Version ist für ein Naked Bike gut, die kleine Hutze vor dem Display bricht den Winddruck erstaunlich wirkungsvoll. Der Windschutz auf der S ist erwartungsgemäss fülliger – sie ist aber auch lauter.

Die Ladeprozedur ist bei der Zero SR (F wie S) vergleichsweise einfach: Serienmässig ist ein 3-kW-Lader installiert, mit dessen Hilfe der Akku an Level-2-Ladestationen wie auch an der Haushaltssteckdose in vier Stunden zu 95 Prozent geladen sein soll. Beim optionalen Premiumpaket wird ein zweites 3-kW-Ladegerät installiert, was die Ladezeit halbiert. Wer dann noch den 6-kW-Zusatzlader draufsattelt, verliert zwar das Ablagefach unter der Tankattrappe und steigert zugleich das Fahrzeuggewicht auf etwa 232 Kilogramm, gewinnt dafür aber die Möglichkeit, den Akku an einer passenden Säule innerhalb einer Stunde auf 95 Prozent zu bringen. Die letzten 5 Prozent dauern aus Gründen der Batterieschonung in jedem Fall 30 Minuten. Unverständlich ist, dass Zero seine Bikes ohne jedes Ladekabel ausliefert. Darüber hinaus fällt nur eine Kleinigkeit auf, die an Zero SR/F und SR/S nicht ins Bild passt: Es sind die mit Glühlampen bestückten Blinker (SP-X).

Zero SR/F

  • Masse: Radstand 145 cm, Sitzhöhe78,7 cm, Gewicht fahrfertig 220 kg, Zuladung 234kg
  • Motor: passiv luftgekühlter Permanent-Magnetmotor
  • Leistung: 82 kW, Drehmoment 190 Nm
  • Batterie: Lithium-Ionen-Akku mit 14,4 kWh Kapazität (nutzbar 12,6 kWh)
  • Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
  • Reichweite: 158 km (Werk), Reichweite im Test 140 bis 175 km
  • Preis: ab 21’990 Franken

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6 Kommentare
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SilentRider

25.07.2020, 10:10

Eine tolle Maschine! Da können die Vergaser einpacken.

K.Props

25.07.2020, 08:29

220kg ist nicht gerade ein Leichtgewicht, aber eine sehr positive Überraschung.

Doc Rolf

25.07.2020, 06:15

190 Nm Drehmoment... das ist schon gewaltig...