Aktualisiert 29.12.2019 11:33

Autojahr 2019Elektro süss-sauer und Ärger im Digital-Cockpit

Der Tod des früheren Volkswagen-Chefs Ferdinand Piëch und ein anhaltender Elektroboom prägten das Autojahr 2019 – doch da war noch einiges mehr.

von
Georg Kacher
29.12.2019
Wasserstoff-Fahrzeuge aus Asien, etwa der Hyundai Nexo, stehen bereits beim Händler.

Wasserstoff-Fahrzeuge aus Asien, etwa der Hyundai Nexo, stehen bereits beim Händler.

Werk/Webstock
Premium darf nicht mehr nur Bling-Bling und Prestige sein, sondern muss immer mehr auch soziale Akzeptanz mit sich bringen. Dagegen verkommen Modelle wie XE und XF von Jaguar, aber auch Audi A8 und der Mercedes CLS immer mehr zu Ladenhütern.

Premium darf nicht mehr nur Bling-Bling und Prestige sein, sondern muss immer mehr auch soziale Akzeptanz mit sich bringen. Dagegen verkommen Modelle wie XE und XF von Jaguar, aber auch Audi A8 und der Mercedes CLS immer mehr zu Ladenhütern.

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Ab sofort gilt: gleiten statt hetzen! Entschleunigen statt rumnerven! Denn dann würde es auf Europas Strassen um einiges entspannter zu- und hergehen, und all die Hilfssheriffs mit ihren Dashcams, die mit Gott und der Welt verfeindeten Rechthaber und die Drängler, Ausbremser und Wegblinker ständen dann plötzlich ganz schön im Abseits. Cool.

Ab sofort gilt: gleiten statt hetzen! Entschleunigen statt rumnerven! Denn dann würde es auf Europas Strassen um einiges entspannter zu- und hergehen, und all die Hilfssheriffs mit ihren Dashcams, die mit Gott und der Welt verfeindeten Rechthaber und die Drängler, Ausbremser und Wegblinker ständen dann plötzlich ganz schön im Abseits. Cool.

Werk/Webstock

Siegeszug von Hyundai/Kia

Die Koreaner sind nicht ganz so schnell wie die Chinesen und nicht ganz so gründlich wie die Japaner, doch die nach europäischem Muster entwickelten Produkte kommen an. Hyundai und Kia arbeiten flexibel und günstig, setzen Trends rasch um und forcieren gemeinsam mit Toyota & Co. und staatlicher Schützenhilfe die Wasserstoff-Infrastruktur. Die Modelle dazu stehen nicht mehr im Designstudio, sondern beim Händler. Hübsch eingekleidet, ordentlich verarbeitet, absolut bezahlbar und mit langer Garantie.

Elektro süss-sauer

China soll elektrisch fahren. Doch der Elektroauto-Absatz stockt, denn die staatliche Förderung läuft aus, und wer es sich leisten kann, kauft Image aus Europa. Nur bei den Billigautos, die mit E-Antrieb schon ab 6000 Euro zu haben sind, brauchen die Asiaten keine Konkurrenz zu fürchten. Kein Wunder, dass Dacia demnächst auch in Europa einen Stromer «Made in China» für knapp 10'000 Euro anbieten will. Mini und Smart werden folgen. No-Name-Marken wie Zotye nehmen lieber die USA ins Visier, wo chinesische Start-ups wie Byton, Faraday Future und Karma bislang aber nur mühsam in die Gänge kommen.

Ära der Allianzen

Bei Mercedes steht nach Geely jetzt mit der BAIC schon

der zweite chinesische Aktionär vor der Tür. BMW kooperiert mit

Great Wall und Brillance, aber auch mit Toyota und Jaguar Land Rover. Nur der Deal mit Daimler will einfach nicht zustande kommen. VW hat sich mit Ford und Argo (autonomes Fahren) zusammengetan, sucht aber noch einen Partner im Kleinwagensegment. Auch wenn jetzt PSA und Fiat Chrysler gemeinsame Sache machen, ist die Alfa-Maserati-Hängepartie keineswegs beendet. Nur General Motors, Hyundai/Kia und Toyota wollen unabhängig bleiben, komme, was wolle.

Premium am Scheideweg

Der untrügliche Frühindikator heisst Wertverlust. BMW-Hybride sind nur mit hohem Nachlass zu verkaufen, grosse Audi-Diesel stehen wie Blei beim Händler, Mercedes kämpft selbst bei Nischenmodellen mit der Nachfrage-Flaute. Stimmt: Die Stromer Audi e-tron, Jaguar i-Pace und Mercedes-Benz EQC haben ihre Fans, aber die XE- und XF-Typen der Briten, der Audi A8 und der Mercedes CLS sind Ladenhüter. Warum? Weil Premium nicht mehr nur Bling und Prestige sein darf, sondern auch soziale Akzeptanz. Ganz abgesehen davon, dass die immer komplexere Bedienung den Nutzer auf die Digital-Palme treibt.

Herr der Wolfsburg

Herbert Diess will unseren Planeten retten und gleichzeitig VW zu einem der profitabelsten Unternehmen der Welt machen, mit einer Marktkapitalisierung von zunächst 200 Milliarden Euro. Deshalb setzt der Chef alles auf die Elektrokarte. Premiummarken pflegen? Nur wenn die Zahlen stimmen. Wasserstoff? Im Auge behalten, aber nicht forcieren. Eigenes Betriebssystem? Ehrensache. Eigene Zellfertigung, Systemführerschaft auch bei Feststoffbatterien? Da leuchten des Meisters Augen.

Fridays for Miteinander

Auf Europas Strassen herrscht Krieg, doch die Aggressoren sitzen nicht immer am Steuer PS-starker SUVs. Kaum besser sind Kampfradler, die sich rücksichtslos ihren Weg bahnen. Oder Schulmeister, die in der 80er-Zone mit Tempo 79 die linke Spur versiegeln. Ebenso Zweite-Reihe-Kurzparker, die mitten im Berufsverkehr mal eben Zigaretten holen, ganz zu schweigen von den Hilfssheriffs mit ihren Dashcams, mit Gott und der Welt verfeindeten Rechthabern sowie Dränglern, Ausbremsern und Wegblinkern. Muss das sein? Sicher nicht. Ab sofort gilt: gleiten statt hetzen!

Killerkriterien

Zylinderzahl, Hubraum, Leistung, Schaltgetriebe – das war gestern. Allein das Drehmoment eint die alte und die neue Autowelt, wobei es nur im E-Mobil ansatzlos zur Verfügung steht.

Was mit dem CO2-Fussabdruck verloren geht, sind der Sound und ein gutes Stück Emotion. Beschleunigung ist unter Stromern

bald kein Thema mehr, und auch der Status der Höchstgeschwindigkeit wankt, denn schnell bewegte E-Autos müssen öfter nachladen. Differenziert wird künftig verstärkt über Reichweite, Ladezeit, Wiederholbarkeit und Kosten.

Gewinner und Verlierer

Was kommt nach dem SUV? Noch mehr SUV. Und zwar in allen Spielarten vom Crossover-Cabrio bis zum drei Tonnen schweren Elektro-Pick-up, vom Verbrenner bis zur Brennstoffzelle, vom Stadtfloh bis zum Eiger-Nordwand-Stürmer. Auf der Verliererstrasse reihen sich preisgünstige Sportwagen an kompakte Coupés und Roadster. Billige Kleinwagen sind stark gefährdet, denn die teure Abgasreinigung drückt auf die Margen. Total aus der Mode gekommen ist das klassische Stufenheck.

Autonom unterwegs

Zumindest im Stossverkehr wird schon jetzt überwiegend autonom gefahren. Nicht nur per Stop-and-go-Abstandshal- ter samt Lenkeingriff, sondern auch durch die geteilte Aufmerksamkeit zwischen Handy und Strasse. Wozu es

die Sprachbedienung gibt? Für den Anruf ins Büro, aber doch nicht für private Chats mit Fotos und Emojis. Sobald das Fahrzeug steht, kann man sogar einen Film ansehen – illegale Freischaltung vorausgesetzt. Der Fahrstil der Autonomen ähnelt den Promillesündern: Schlangenlinien gepaart mit ruckartigem Tempowechsel.

Marke und Design

Bei Carsharing und Kurzzeitmiete gehts rein ums Geld. Doch sobald Leasing oder Kauf ins Spiel kommen, gelten andere Prioritäten. Zum Beispiel die Kernwerte der Marke

als wichtige Richtgrösse für Image und Prestige. Weil das Design die Marke prägt, sitzen Formgeber und Marketingprofis automatisch an den längsten Hebeln. Der goldene Schnitt zwischen Ästhetik und Funktion schafft die gewünschte Aussenwirkung und die entsprechenden Produkteigenschaften. Weil Polarisierung der erste Schritt zur Ablehnung durch die Kunden ist, sollten sich die Designer ihrer Sache freilich absolut sicher sein.

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