Marktanteile: Elektroautos kommen nicht richtig auf Touren
Aktualisiert

MarktanteileElektroautos kommen nicht richtig auf Touren

Obwohl alle grossen Marken alternativ betriebene Autos anbieten, sind die Verkäufe bescheiden. Nicht vom Fleck kommen die gross beworbenen Plug-in-Hybride.

von
S. Spaeth
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Alternativ betriebene Fahrzeuge haben es schwer. Gemessen an den 2015 gesamthaft in der Schweiz zugelassenen Autos lag der Anteil an reinen Elektrofahrzeugen in der Schweiz in den ersten vier Monaten bei lediglich 0,86 Prozent.

Alternativ betriebene Fahrzeuge haben es schwer. Gemessen an den 2015 gesamthaft in der Schweiz zugelassenen Autos lag der Anteil an reinen Elektrofahrzeugen in der Schweiz in den ersten vier Monaten bei lediglich 0,86 Prozent.

Sandro Campardo
Der grosse Überflieger bei den reinen Elektrofahrzeugen ist Tesla. Von den 881 in der Schweiz zugelassenen reinen E-Autos gehen 315 aufs Konto des Boliden aus den USA.

Der grosse Überflieger bei den reinen Elektrofahrzeugen ist Tesla. Von den 881 in der Schweiz zugelassenen reinen E-Autos gehen 315 aufs Konto des Boliden aus den USA.

Jeff Chiu
Franck Robichon

Der Hype um den Elektro-Flitzer von Tesla und seine stark steigenden Verkäufe können nicht darüber hinwegtäuschen: alternativ betriebene Fahrzeuge haben es schwer. Gemessen an den 2015 gesamthaft in der Schweiz zugelassenen Autos lag der Anteil an reinen Elektrofahrzeugen in der Schweiz in den ersten vier Monaten bei lediglich 0,86 Prozent. Der grosse Überflieger bei den reinen Elektrofahrzeugen ist Tesla. Von den 881 zugelassenen reinen E-Autos gehen 315 aufs Konto des Boliden aus den USA, was einem Marktanteil von über einem Drittel entspricht.

Höher liegt der Anteil an alternativ betriebenen Autos, wenn man alle Arten von Hybrid-Fahrzeugen – Modelle mit Kombinationen aus Verbrennungs- und Elektromotor – dazurechnet. Laut Zahlen von Auto-Schweiz liegt der Marktanteil so bei 3,7 Prozent.

Nicht auf Touren kommen die stark beworbenen Plug-in-Hybride. Darunter versteht man Fahrzeuge, deren Akku nicht nur während der Fahrt mit dem Verbrennungsmotor geladen wird, sondern auch an der Steckdose Strom «betankt» werden kann. Ihr Marktanteil lag in der Schweiz 2015 bei 0,68 Prozent. Will heissen: Von den 101'000 zugelassenen Autos waren nur rund 700 Plug-in-Hybride, obwohl 14 Marken – von Audi über Porsche bis Volvo – Plug-in-Hybride in Angebot haben.

«Experiment Elektroauto» ist gescheitert

Schlechter als die Schweiz steht bei den Plug-in-Hybriden Deutschland da. Der Marktanteil liegt bei 0,34 Prozent, obwohl Regierung und Autobauer mit diesen Fahrzeugen den Durchbruch schaffen wollten. Für Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen, ist das «Experiment Elektroauto» in Deutschland gescheitert. Die Schweiz schneide zwar klar besser ab, doch richtig Schwung sei auch da nicht drin, so Dudenhöffer zu 20 Minuten. Weshalb die Schweiz besser abschneidet als der nördlich Nachbar, begründet der Autoexperte so: Viele Plug-in-Hybride gehören zu der in der Schweiz deutlich ausgeprägteren Oberklasse.

Laut Experten sind bei den Plug-in-Hybriden die Nachteile eher grösser als bei den reinen Elektrofahrzeugen. Das Problem ist einerseits das doppelte Gewicht, weil Batterien, Elektromotor, Benzintank und Verbrennungsmotor an Bord sind. Andererseits sind die Kosten vergleichsweise hoch, weil zwei Antriebssysteme eingebaut sind. So kostet der günstigste Plug-in-Golf je nach Markt rund doppelt so viel wie der Basis-Golf mit Benzinmotor.

Fehlende öffentliche Ladeinfrastruktur

Neben dem hohen Preis gib es aber noch andere Gründe, weshalb sich die Plug-in-Hybride so schwer tun: «Sie haben eine relativ geringe Elektroreichweite von 30 bis 50 Kilometern, die mit sehr viel Geld bezahlt werden muss und sich ökonomisch nicht rechnet», erklärt Dudenhöffer. Bei reinen Elektroautos ist die Reichweite zwar deutlich grösser, es kommt aber die Angst hinzu, dass die Akku-Leistung nicht bis nach Hause reicht. Zudem ist die öffentliche Ladeinfrastruktur vielerorts noch schlecht ausgebaut.

Bei Auto-Schweiz, der Vereinigung Automobil-Importeure, ist man trotz der noch bescheidenen Marktanteile für Elektroautos zuversichtlich: «In der Schweiz ist eine stetige Zunahme an Alternativantrieben zu verzeichnen. Die Technologien sind noch jung und müssen sich am Markt noch durchsetzen», sagt Direktor Andreas Burgener. Trotzdem werde der Marktanteil aber auch in fünf Jahren kaum über 10 Prozent liegen. Aktuell weist Auto-Schweiz für Autos mit Alternativantrieb, wozu auch Erd- und Flüssiggas zählen, einen Marktanteil von rund 4 Prozent aus.

Übernimmt China bald den Lead?

Weil die europäischen Kunden bei Elektro- und Hybridfahrzeugen nur zurückhaltend kaufen, besteht die Gefahr, dass sich deren Produktion ausserhalb Europas etabliert. In China hat die Regierung gewaltige Förderungsprogramme für alternativ angetriebene Autos aufgegleist, um die Umweltprobleme in den Grossstädten zu lindern. Der Kauf eines Elektrofahrzeuges wird mit bis zu 13'000 Euro subventioniert. Zudem werden die umweltfreundlichen Autos in Peking und Shanghai kostenlos zugelassen. In den Genuss der staatlichen Anreize kommen aber nur in China hergestellte Autos, weshalb Audi das Plug-In-Hybrid-Auto A6L e-tron ab 2016 in China produzieren lässt. (sas)

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