Aktualisiert

Elf Jahre Zuchthaus für Etter wegen Mordversuchs

Der frühere Tessiner SVP-Grossrat Roger Etter muss wegen Mordversuchs an einem Geschäftsfreund und wegen Veruntreuung für elf Jahre ins Zuchthaus.

Das Schwurgericht Lugano sah es im Urteil vom Montagabend als erwiesen, dass Etter seinen Geschäftsfreund erschiessen wollte, nachdem er diesen um 3,2 Millionen Franken geprellt hatte.

Mit dem Strafmass von elf Jahren Zuchthaus blieb das Geschworenengericht nach mehr als zwölfstündiger Urteilsberatung um vier Jahre unter dem Antrag der Staatsanwältin, folgte aber im Schuldspruch der Anklage. Gerichtspräsidentin Agnese Balestra Bianchi hielt in der Urteilsbegründung fest, dass eine leicht verminderte Zurechnungsfähigkeit beim heute 44-jährigen Etter nicht ganz ausgeschlossen werden könne.

Etter habe am 24. Februar 2003 aber nicht zufällig einen Schuss auf seinen Geschäftsfreund abgegeben, sondern absichtlich und in Tötungsabsicht auf sein Opfer geschossen. Mit der Vortäuschung eines Schiessunfalls habe er gehofft, ungeschoren davonzukommen. Das heute 56-jährige Opfer überlebte mit bleibenden Schäden, nachdem eine Pistolenkugel sein Gesicht durchschlagen hatte. Das Gericht verfügte weiter die Einziehung des Immobilienbesitzes von Etter.

Während die Veruntreuung in Millionenhöhe nicht bestritten war, hatte die Verteidigung auf einen Schiessunfall beziehungsweise fahrlässige schwere Körperverletzung plädiert und eine Zuchthausstrafe von höchstens vier Jahren und drei Monaten gefordert. Der Verteidiger Etters sagte nach der Urteilseröffnung, er halte an seiner These fest und werde in Berufung gehen.

Im zweiwöchigen Prozess zeigte sich, dass Etter das ihm anvertraute Schwarzgeldkonto des Freundes zwischen 1993 und 2003 in insgesamt 126 Abhebungen geplündert hatte. Er liess sich damit unter anderem eine Villa für zwei Millionen Franken bauen und kaufte zwei Wohnungen in Lugano. Auch der Traum der politischen Karriere wurde wahr, als Etter 1999 für die SVP in den Grossen Rat gewählt wurde. Nach brillanter Wiederwahl 2003 kandidierte er auch für den Nationalrat und sah sich bereits im Staatsrat. Mitte April 2003 - sechs Wochen nach dem angeblichen Schiessunfall - wurde er verhaftet. (dapd)

Deine Meinung