Mammutzähne: Elfenbein ohne Schuldgefühle
Aktualisiert

MammutzähneElfenbein ohne Schuldgefühle

Elfenbein von Elefanten gilt als verpönt, die Stosszähne der ausgestorbenen Mammuts sind dagegen unbedenklich. Im sibirischen Permafrost harren sie zu Millionen ihrer Bergung.

von
kri
Ein russischer Forscher neben seinem 23 000 Jahre alten, im sibirischen Permafrost konservierten Fund.

Ein russischer Forscher neben seinem 23 000 Jahre alten, im sibirischen Permafrost konservierten Fund.

Die Klimaerwärmung hat auch ihre guten Seiten. Mit dem Rückgang des Permafrosts in der sibirischen Tundra kommen gut erhaltene Überreste von Mammuts zum Vorschein. Ihre Stosszähne eignen sich hervorragend als Ersatz für Elefantenelfenbein. Das «weisse Gold» gilt nicht erst seit einem 1989 verhängten Verbot als verpönt.

Für Mammuts sprechen neben ihrer zunehmend einfachen Bergung weitere Argumente. Im Gegensatz zu Elefanten sind sie bereits ausgestorben, müssen und können also nicht mehr geschützt werden. Für sauberes Mammutelfenbein können deshalb höhere Preise verlangt werden als für afrikanische Schmuggelware. Und selbst der Nachschub ist vorerst sichergestellt, laut Schätzungen könnten allein im sibirischen Eis noch bis zu 150 Millionen Exemplare der prähistorischen Giganten liegen. Dort waren die letzten Vertreter ihrer Gattung vor rund 4000 Jahren ausgestorben.

Michelle Obama trägt Elfenbein

Russland exportiert jährlich 60 Tonnen Mammutelfenbein nach China, das laut «New York Times» daraus hauptsächlich Siegel herstellt, die japanische, chinesische und koreanische Geschäftsleute anstelle von Unterschriften einesetzen. Auch Schmuck erfreut sich wachsender Beliebtheit, zu den prominenten Abnehmern gehört die amerikanische First Lady Michelle Obama.

Umweltschützer hoffen, dass noch mehr Mammutelfenbein aus dem Eis geborgen und verarbeitet wird. Die Nachfrage nach Elefantenelfenbein aus Afrika könnte dadurch sinken und die Preise würden fallen. Damit hätten Wilderer weniger Anreize, Elefanten für ihre Stosszähne zu töten.

Deine Meinung