Trotz Handelsverbot: Elfenbeindiebe werden immer gieriger
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Trotz HandelsverbotElfenbeindiebe werden immer gieriger

Das weisse Gold ist beliebt wie nie: Noch nie wurden so viele Elefanten abgeschlachtet wie in den vergangenen Monaten. Bei dem Kampf zwischen Wilderern und Wildhütern sterben inzwischen auch Menschen.

von
ske

Elfenbein wird nicht umsonst das weisse Gold genannt: Es ist extrem wertvoll und zurzeit offenbar beliebter als je zuvor. Obwohl der Handel mit Elfenbein seit über 20 Jahren verboten ist, häuften sich in den vergangenen Wochen die Meldungen von hunderten Dickhäutern, die von Elfenbeinjägern getötet worden waren. In mehr als 30 Ländern Afrikas werden noch immer Elefanten und Nashörner gejagt. Das internationale Handelsverbot schützt die Tiere offenbar nicht. Tierschützer schlagen jetzt Alarm.

Anfang März ereignete sich in Kamerun eines der schlimmsten Elefanten-Massaker der letzten Jahre. Der Internationale Tierschutz-Fonds berichtete von 400 Dickhäutern, die getötet worden seien. Soldaten hatten nur noch die Kadaver gefunden. Die Stosszähne waren herausgemeisselt worden. Die meisten der getöteten Elefanten waren laut «N24» noch jung gewesen und hatten nur kleine Stosszähne. Die Regional-Vertreterin des WWF richtete einen Appell an den Präsidenten von Kamerun: «Herr Präsident, veranlassen Sie alles Nötige, um die verbliebenen Elefanten im Bouba-Ndjida-Park zu schützen. Und bringen Sie die Mörder vor Gericht!»

Elefanten-Population halbiert

Im letzten Jahr sollen Wilderer in Afrika über 2500 Elefanten getötet haben. Dies ist die höchste Zahl, seit der Elfenbeinhandel im Jahr 1989 weltweit verboten worden ist. Geholfen hat das Verbot bislang nicht. Experten gehen laut «Spiegel» davon aus, dass die Elefanten-Population innerhalb kurzer Zeit um etwa die Hälfte geschrumpft ist. Seit 23 Jahren war noch nie so viel Elfenbein beschlagnahmt worden wie 2011. Im Dezember waren in Kenia 23 Tonnen Elfenbein entdeckt worden. Wenige Wochen zuvor waren bereits 465 Stosszähne und Hörner von Nashörnern gefunden worden. Allein 2011 starben im Samburu-Nationalpark in Kenia mehr Elefanten als in allen elf Jahren zuvor.

Doch nicht nur die Jagd auf die Tiere, auch der Kampf gegen die Wilderer intensiviert sich. Anfang März kam es zu Schiessereien zwischen der Armee und Wilderern, als diese eine Elefantenherde angegriffen hatten. Zehn Dickhäuter kamen dabei ums Leben, bei der anschliessenden Schiesserei starben ein Soldat und zwei Wilderer. Der aktuellste Fall ereignete sich diesen Donnerstag. Kenianische Ranger haben bei einem Feuergefecht im Norden des Landes drei Wilderer getötet und 30 Kilogramm Elfenbein beschlagnahmt. Die Männer seien im Distrikt Isiolo von Mitarbeitern des Kenia Wildlife Service (KWS) erschossen worden, sagte der Sprecher der staatlichen Organisation, Paul Udoto, am Donnerstag.

Kampf gegen Wilderer wird zum Krieg

Immer wieder kommt es in dem ostafrikanischen Land zu Kämpfen zwischen Parkaufsehern und Wilderern, die mit dem illegalen Handel mit Elfenbein und dem Fleisch von Wildtieren Profit machen wollen. Anfang des Monats waren zwei Ranger in der Nähe des berühmten Nationalparks Tsavo East erschossen worden, während sie auf Patrouille waren. «Der Kampf gegen die Wilderei ist ein Krieg, und wie in jedem Krieg gibt es auch hier Opfer auf beiden Seiten», sagte Céline Sissler-Bienvenu, Leiterin des IFAW Frankreich und zuständig für Projekte in West- und Zentralafrika laut der Nachrichtenagentur «DPA».

In Kenia geht man davon aus, dass somalische Nomaden die Tiere töten. Auch in Kamerun hält man laut «Spiegel» berittene Nomaden aus dem Sudan und dem Tschad für die Täter. «Die Wilderer arbeiten in Banden. Wir fanden Patronenhülsen, die darauf hindeuten, dass sie mit automatischen oder halbautomatischen Militärwaffen ausgerüstet sind», erklärt Sissler-Bienvenue. «Sie reiten seit Mitte Januar durch den Bouba-Ndjida-Nationalpark und kennen sich im Gelände bestens aus. Dagegen hat das Militär kaum eine Chance.»

Der Internationale Tierschutz-Fond hält die Wilderer für sehr brutal. Die Tierärztin Sharon Redrobe geht gar davon aus, dass einige Elefanten noch gelebt hatten, als ihnen die Stosszähne und der Rüssel mit Macheten abgetrennt worden seien. Wilderer hätten sogar einen Trick, wie sie Elefanten töten, die zuvor entkommen waren. Sie warten, bis diese zum Trauern an den Ort des Schlachtens zurückkehren und erschiessen sie dann, berichtet «DPA».

Kunden in Asien

Die Abnehmer von Elfenbein leben vor allem im Fernen Osten. In Asien gilt Elfenbein als Aphrodisiakum. In der traditionellen chinesischen Medizin wird es auch als Heilmittel eingesetzt. Da die Nachfrage steigt, explodieren auch die Preise. Das Horn eines Rhinozeros kostet in Asien anscheinend bis zu 60 000 Dollar. Es gibt laut Experten daher Syndikate, die vom Abschuss über den Transport, den Schmuggel bis hin zum Verkauf in asiatischen Ländern alles organisieren. Nachdem zwischen Mitte 2008 und Anfang 2009 am Flughafen Nairobi fünfmal Chinesen mit Elfenbein im Gepäck erwischt wurden, herrschen bei sämtlichen Flügen nach Asien seither besonders starke Kontrollen.

Wildhüter setzen nun auch vermehrt Hunde und Helikopter ein, um auch kleinere private Wildparks zu überwachen. In Südafrika wird das Elfenbein der Nashörner bereits mit einer giftigen Substanz bestrichen, um dieses für die Wilderer unattraktiv zu machen. Für viele Tiere kommt dies trotzdem zu spät. Im Krugersdorp-Park bei Johannesburg töteten Wilderer im Juli 2010 das letzte weibliche Rhinozeros.

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