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RumänienElfjähriges Vergewaltigungsopfer darf abtreiben

Ein elfjähriges rumänisches Mädchen, das von seinem Onkel vergewaltigt wurde, darf auch in der 21. Schwangerschaftswoche noch abtreiben.

Eine Regierungskommission stimmte dem Schwangerschaftsabbruch am Freitag trotz heftiger Proteste religiöser Gruppen zu. Die Familie will die Abtreibung dennoch in Grossbritannien vornehmen lassen, wo ein Schwangerschaftsabbruch bis zur 24. Woche unter bestimmten Voraussetzungen legal ist.

Abtreibungen sind in Rumänien bis zur 14. Woche erlaubt. Danach sind sie nur möglich, um das Leben der Mutter zu retten.

«Ich will zur Schule gehen und spielen. Wenn ich das nicht tun kann, wird mein Leben zum Alptraum», schrieb die Elfjährige in einem Brief, der am Freitag von einem Vertreter des Gesundheitsministeriums, Vlad Iliescu, verlesen wurde. «Die geistige Gesundheit des Mädchens würde schwer beeinträchtigt, wenn sie das Baby bekommt», fügte Iliescu hinzu. Die Zeitung «Evenimentul Zilei» hatte berichtet, dass Kind sei depressiv, weil andere Kinder in ihrem Dorf im Nordosten Rumäniens wegen der Schwangerschaft nicht mehr mit ihr spielen wollten. Der Fall hat das stark katholische Rumänien gespalten.

In Rumänien könne für seine Tochter nichts getan werden, erklärte der Vater des Mädchens laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Rompress nach der Kommissionsentscheidung. Die Familie werde von einem in Grossbritannien lebenden Landsmann finanziell unterstützt und habe bereits Flugtickets für Dienstag gekauft.

Der rumänische Ärzterat erklärte, die Entscheidung der Regierungskommission sei lediglich eine Empfehlung. Jeder Mediziner, der bei der Elfjährigen eine Abtreibung durchführe, mache sich dennoch strafbar.

Die Schwangerschaft des Mädchens war erst am 2. Juni bekanntgeworden, als die Eltern mit ihm zum Arzt gingen, weil es sich unwohl fühlte. Das Kind sagte dann dem Arzt, dass es von seinem Onkel vergewaltigt worden sei. Der 19-Jährige ist seitdem verschwunden.

In Rumänien liessen im vergangenen Jahr mehr als 530 Mädchen unter 15 Jahren eine Abtreibung vornehmen. Etwa 2.000 brachten ein Kind zur Welt. (dapd)

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