Aktualisiert 20.06.2008 13:20

WeltflüchtlingstagElisabeth Kopp fordert mehr Wille zur Integration

«Eine erfolgreiche Integration braucht den Willen von beiden Seiten.» Alt Bundesrätin Elisabeth Kopp erinnerte in ihrer Eröffnungsrede zum nationalen Tag des Flüchtlings daran, dass Ausländer sowie Schweizer für das Gelingen verantwortlich sind.

«Wir sind ein multikulturelles Land, ob uns da passt oder nicht», sagte Kopp am Freitag in Basel gemäss Redetext. «Eigentlich wäre das ein Grund, stolz zu sein.» Doch die Realität sehe oft anders aus. Nicht selten würden Ausländer in der Schweiz «abschätzig als Wirtschaftsflüchtlinge oder als Scheinasylanten» bezeichnet.

Dabei sollten die Schweizer sich daran erinnern, dass ganze Scharen ihrer Vorfahren bis Mitte 19. Jahrhunderts ausgewandert seien in der Hoffnung, im fernen Amerika ein besseres Leben zu finden. Menschenhändler und Transporteure hätten mit ihnen das grosse Geschäft gemacht - wie heute die skrupellosen Schlepperorganisationen.

«Vieles scheint sich in der Geschichte, wenn auch oft mit umgekehrten Vorzeichen, zu wiederholen. Die Frage ist, ob wir daraus etwas lernen wollen», sagte Kopp.

Auch Behörden gefordert

Lernen könne die Schweiz etwa von der Geschichte der Ungarn, welche 1956 vor den Sowjets in die Schweiz flüchteten. Ihre Integration dürfe als Erfolgsgeschichte gewertet werden, weil beide Seiten den Willen dazu gezeigt hätten.

Um weitere Erfolgsgeschichten zu schreiben, sind laut Kopp auch die Schweizer Behörden gefordert. Ein klares und nachvollziehbares Handeln im Bereich des Asylwesens sei unabdingbar, damit die Bevölkerung die Asylpolitik weiter mittrage.

Eines der grossen Ziele der schweizerischen Integrationspolitik sei die Chancengleichheit, betonte Mario Gattiker, Vizedirektor des Bundesamtes für Migration (BFM). In der Schweiz lebten rund 1,5 Mio. Ausländerinnen und Ausländer, 23 000 seien als Flüchtlinge anerkannt, weitere 23 000 seien vorläufig aufgenommen.

Für die Integrationsförderung dieser Personen sei zwar ein ganzes Massnahmenpaket verabschiedet worden, sagte Gattiker laut Redetext. Um dieses Ziel zu erreichen, seien aber alle gefordert.

Motto «Ich punkte für die Schweiz»

Der diesjährige Weltflüchtlingstag steht - mit Blick auf die Euro 2008 - unter dem Motto «Ich punkte für die Schweiz». Vier ehemalige Flüchtlinge erzählten an der Eröffnungsfeier stellvertretend für alle Migrantinnen und Migranten, was für sie erfolgreiche Integration ist und was eine solche voraussetzt.

Mit einer Plakatkampagne hatte die Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) bereits zuvor auf die Schicksale der zwei Frauen und zwei Männer aufmerksam gemacht. In zahlreichen Städten und Gemeinden finden bis Sonntag Veranstaltungen zum Thema Flüchtlinge statt. (sda)

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