Schweizer Meisterschaft: Elite der Kendokämpfer mass sich in Luzern
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Schweizer MeisterschaftElite der Kendokämpfer mass sich in Luzern

Rund 140 Kendokämpfer trafen sich in Luzern zur Schweizer Meisterschaft. Der Sport ist Kampf und Lebensschule zugleich – und wird bei den Luzernern immer beliebter.

von
pz

Schreie und das Geräusch von Holz, das auf Holz trifft, hallten am Wochenende durch die Sporthalle Utenberg: Die Austragung der Schweizer Meisterschaften im Kendo fand heuer zum ersten Mal in Luzern statt. Knapp 140 Athleten nahmen daran teil. Kendo ist die älteste japanische Kampfkunst, wie sie bereits die Samurai erlernten. Im frühen 18. Jahrhundert wurde der Schwertkampf noch mit echten Waffen praktiziert. Um die Verletzungsgefahr zu verringern, benutzte man später Bambusschwerter als Waffen und Rüstungen als Schutz

Im Kendo stehen sich zwei Athleten in traditioneller Kleidung und Holzschwertern gegenüber. Ziel ist es, mit Treffern auf Kopf, Rumpf und Handgelenk des Gegners Punkte zu erzielen. Auch Stösse gegen die Kehle sind erlaubt. Überall, wo Treffer gültig sind, ist der Körper geschützt. Der Wettkampf dauert maximal vier Minuten. Hat ein Kämpfer schon vorher zwei Punkte erzielt, hat er gewonnen.

Für Laien sieht Kendo zunächst sehr simpel aus, doch für einen Treffer muss alles zusammenpassen. «Die Vorbereitung, der Schlag und die anschliessende Kontrolle über den Konkurrenten muss stimmen», erklärt OK-Chefin Selina Koller, die auch die Budoschule Luzern führt. Nur zuschlagen reicht aber nicht: «Ein Treffer wird nur gezählt, wenn der Schlag zusammen mit einem Kampfschrei ausgeführt wird», so Koller.

«Kendo ist eine Lebensschule»

Obwohl Kendo ein Vollkontakt-Kampfsport ist, haben Verletzungen laut Koller Seltenheitswert. Blaue Flecken nach einem Kampf seien aber unvermeidbar.

Auffällig ist, wie extrem fokussiert und konzentriert sich die Kämpfer vorbereiten. «Dieser Sport ist für mich eine Lebensschule», sagt ein Kendo-Kämpfer. Kendo helfe ihm, im Alltag Hindernisse zu meistern und mit Menschen respektvoll und ehrfürchtig umzugehen. «Seit ich Kendo betreibe, bin ich selbstbewusster und ausgeglichener geworden», so der SM-Teilnehmer. Wer in dieser Sportart erfolgreich sein will, muss viele schweisstreibende Trainingstage investieren. Vier bis fünf Trainings pro Woche seien unabdingbar, erklärt Koller.

Luzerner Kendoschule: Zulauf von Kindern

Kendo ist in der Schweiz eine klare Randsportart. Zurzeit gibt es in der Schweiz 17 Schulen – gleich zwei davon sind in Kriens und Luzern. Vorkenntnisse oder einen speziell trainierten Körper braucht es nicht. Unter den Luzernern wird die Kampfkunst immer beliebter: «Seit fünf Jahre beobachte ich ein steigendes Interesse bei Kindern und Jugendlichen», so Koller.

Aufmerksam auf diesen Sport würden Interessierte vor allem durch Manga-Filme. «In diesen geht es oft auch um Schwertkampf – und Kindern gefällt es, wenn sie herumschreien und sich austoben können.» Auch für ältere Menschen sei Kendo geeignet: «Es ist nie zu spät, damit anzufangen», betont Selina Koller.

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