09.11.2020 05:02

Vorquarantäne für Weihnachtsfest«Elite kann feiern, während Büezer an Weihnachten allein sind»

Eine Vorquarantäne soll verhindern, dass die Weihnachtsfeier in der Corona-Krise mit Familie und Freunden ins Wasser fällt. Gewerkschaften halten den Vorschlag jedoch für elitär.

von
Mira Weingartner
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Für die Weihnachtsfeier mit kleinem Ansteckungsrisiko steht eine Vorquarantäne zur Debatte. 

Für die Weihnachtsfeier mit kleinem Ansteckungsrisiko steht eine Vorquarantäne zur Debatte.

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Präsident Martin Ackermann: «Wir können uns in den zwei Wochen vor Weihnachten in eine Art Vorquarantäne begeben und uns möglichst isolieren.» Dadurch senke man die Ansteckungsgefahr bei der Familienfeier.

Präsident Martin Ackermann: «Wir können uns in den zwei Wochen vor Weihnachten in eine Art Vorquarantäne begeben und uns möglichst isolieren.» Dadurch senke man die Ansteckungsgefahr bei der Familienfeier.

KEYSTONE
Auch Infektiologe Andreas Cerny schätzt die Idee als «sehr vernünftig» ein: «Die Wirkung wäre eine ähnliche wie die der Selbstquarantäne während des Lockdown; wenn sich viele Personen daran beteiligen, dürften die Fallzahlen insgesamt zurückgehen.»

Auch Infektiologe Andreas Cerny schätzt die Idee als «sehr vernünftig» ein: «Die Wirkung wäre eine ähnliche wie die der Selbstquarantäne während des Lockdown; wenn sich viele Personen daran beteiligen, dürften die Fallzahlen insgesamt zurückgehen.»

epatocentro.ch

Darum gehts

  • Taskforce-Chef Martin Ackermann rät, sich vor dem Weihnachtsfest gezielt zu isolieren, um die Ansteckungsgefahr bei der Familienfeier zu senken.

  • Infektiologe Andreas Cerny sieht darin «eine Art moderne spirituelle Vorbereitung auf das Fest der Liebe».

  • «Das ist eine eher elitäre Idee», sagt Unia-Sprecher Serge Gnos. Denn nur wer die Möglichkeit habe, im Homeoffice zu arbeiten, könne sich freiwillig in Quarantäne begeben.

Weihnachtsfeier ja, aber erst nach einer Vorquarantäne: Das rät die wissenschaftliche Corona-Taskforce des Bundes. Gegenüber der «SonntagsZeitung» sagt Präsident Martin Ackermann: «Wir können uns in den zwei Wochen vor Weihnachten in eine Art Vorquarantäne begeben und uns möglichst isolieren.» Dadurch senke man die Ansteckungsgefahr bei der Familienfeier.

Auch Infektiologe Andreas Cerny schätzt die Idee als «sehr vernünftig» ein: «Die Wirkung wäre eine ähnliche wie die der Selbstquarantäne während des Lockdown; wenn sich viele Personen daran beteiligen, dürften die Fallzahlen insgesamt zurückgehen.» Und: Das Risiko von Ansteckungen am weihnachtlichen Familienfest würde tatsächlich gemindert werden.

«Moderne spirituelle Vorbereitung»

Ob die Teilnehmerzahl bei ausnahmsloser Einhaltung der Selbstquarantäne erhöht werden kann, wisse er nicht, sagt Cerny. «Das kommt auf die zu diesem Zeitpunkt aktuellen Massnahmen des Bundes an.» Cerny selber will in Bezug auf die Feierlichkeiten nicht bis zur letzten Sekunde bibbern müssen. Für ihn ist schon jetzt klar: «Wir feiern mit den Verwandten via Skype Weihnachten.»

Es handle sich jedoch um einen «Input» der Taskforce, nicht um einen «Befehl aus Bundesbern», meint Infektiologe Cerny. «Es geht nicht in erster Linie darum, den Arbeitsalltag zu erschweren. Vielmehr geht es darum, dass die Leute vor Weihnachten in ihrer Freizeit soziale Kontakte herunterfahren, verzichten und ruhen», meint Cerny. Man könne es als eine Art moderne spirituelle Vorbereitung auf das Fest der Liebe sehen.

Elitäre Idee der Taskforce?

Die Gewerkschaft Unia kann dem Rat der Taskforce wenig abgewinnen: «Das ist eine eher elitäre Idee», sagt Sprecher Serge Gnos. Denn nur wer die Möglichkeit habe, im Homeoffice zu arbeiten, könne sich freiwillig in Quarantäne begeben. «Alle Büezer, die vor Ort arbeiten müssen, können das nicht. Verkäufer können ihre Kunden nicht aus dem Homeoffice bedienen und Bauarbeiter nicht zu Hause bauen.» Sonst würde vor Weihnachten alles für zwei Wochen stillstehen.

Gnos kritisiert das Verständnis hinter der Vorquarantäne: «Die Elite kann ungehindert miteinander feiern, während die Büezer Weihnachten allein verbringen müssen.» Die Idee der Taskforce sei zwar sicher interessant. «Aber besonders die weniger gut verdienenden Arbeitstätigen werden so benachteiligt.» Denn flächendeckend liesse sich der Rat der Taskforce sicher nicht umsetzen.

«Wirtschaftlich grosser Schaden»

Auch Wirtschaftsvertreter erteilen der Idee eine Absage. «Eine Vorquarantäne für Weihnachten ist Chabis», sagt FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Damit stünden die Menschen, die nicht im Homeoffice arbeiten könnten, unter einem faktischen Berufsverbot. «Das würde wirtschaftlich einen grossen Schaden anrichten.»

Laut Wasserfallen ist die Schweiz mit der Einreisequarantäne ohnehin schon zu weit gegangen. «Jetzt muss man sicher nicht ohne Grund noch mehr Menschen in Quarantäne schicken.» Besser sei, Schnelltests flächendeckend einzuführen.

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59 Kommentare
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Die Mutter

10.11.2020, 20:07

Corona-regeln für Haustiere? Seid ihr noch ganz dicht!? Ihr könnt mich mal!!!

Fränzi

09.11.2020, 09:00

Der Ausdruck "Elite" geht mir auf den Wecker. Angebrachter ist meiner Meinung nach der Ausdruck "Mimimi". Kein Tag an dem nicht irgendeine Gruppe Mimimi schreit weil man sich benachteiligt fühlt. Die Welt ist nun mal so gestaltet, dass nicht Alle gleichzeitig Alles haben können, das war vor Corona so, ist mit Corona so und wird auch nach Corona so sein. Solidarität geht anders liebe Mitmenschen!

glö

09.11.2020, 07:55

Corona IST elitär. Nur i obere Schicht kann sich Corona leisten, alle andern leiden darunter.