Symbolischer Akt: Elmer will leere CDs überreicht haben
Aktualisiert

Symbolischer AktElmer will leere CDs überreicht haben

War die Datenübergabe von Rudolf Elmer an Wikileaks-Gründer Assange vor versammelter Weltpresse nur Show? Anders als vor zehn Monaten behauptet der ehemalige Julius Bär Banker, die CDs seien leer gewesen.

Wikileaks-Gründer Julian Assange (links) und Rudolf Elmer inszenieren vor versammelter Weltpresse die Übergaben von Bankdaten.

Wikileaks-Gründer Julian Assange (links) und Rudolf Elmer inszenieren vor versammelter Weltpresse die Übergaben von Bankdaten.

Der ehemalige Julius Bär Banker Rudolf Elmer hat sich erstmals nach seiner Freilassung in einem Zeitungsinterview zu Wort gemeldet. Die CDs, die er Wikileaks-Gründer Julian Assange in London übergeben habe, seien leer gewesen, sagte Elmer im «Tages- Anzeiger» vom Mittwoch.

«Was tatsächlich stattfand, war ein symbolischer Akt», sagte der Whistleblower. Elmer bestätigte damit Aussagen eines Mittelsmannes, die im Juli bekannt geworden waren.

«Ich bin weder ein Held, noch ein Verräter»

Im vergangenen Januar hatte Elmer an einer international beachteten Medienkonferenz in London Assange zwei Datenträger übergeben. Damals behauptete Elmer, auf den CDs seien Daten von rund 2000 mutmasslichen Steuerbetrügern gespeichert.

Fall Elmer: Der Staatsanwalt spricht

Mit der Übergabe der CDs wollte Elmer die Aufmerksamkeit auf einen Prozess am Bezirksgericht Zürich lenken. Dort wurde er kurz nach seinem Auftritt in London in einem weiter zurückliegenden Fall wegen Drohung, versuchter Nötigung und Verletzung des Bankgeheimnisses zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt.

Nützliche Haft

Weil er mit der Übergabe der CDs an Assange in Verdacht stand, das Bankgeheimnis erneut verletzt zu haben, wurde Elmer nach dem Gerichtstermin verhaftet. Ende Juli wurde er entlassen. Nach seiner Freilassung beurteilt Elmer im Zeitungsinterview die Haftzeit als nützlich: «Die sechs Monate Untersuchungshaft helfen meiner Initiative.»

«Sie machen deutlich, wer von der Zürcher Justiz verfolgt wird - eben nicht die Banker, welche Missbrauch betreiben», sagte er weiter.

Brief an Steinbrück

Ärger mit der Justiz droht Elmer nicht nur wegen der angeblich leeren CDs: «Die Zürcher Staatsanwaltschaft interessiert sich auch für einen Brief an den früheren deutschen Finanzminister Peer Steinbrück, den ich in London erwähnt habe», hielt der ehemalige Banker fest. Er habe auf den Brief von Steinbrück übrigens nie eine Antwort erhalten.

Heute lebt Elmer mit seiner Familie in einer Wohnung im Zürcher Unterland. Neben seiner Tätigkeit als Hausmann arbeitet er nach eigenen Angaben an einem Buch, hält Vorträge und bildet Steuerfahnder aus.

(sda)

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