Übernahme-Thriller: Elon Musk kauft Twitter für 44 Milliarden Dollar

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Übernahme-ThrillerElon Musk kauft Twitter für 44 Milliarden Dollar

«Der Vogel ist befreit» – nach der Übernahme durch High-Tech-Milliardär Elon Musk steuert der Kurzbotschaftendienst Twitter einer ungewissen Zukunft entgegen.

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Der Kauf ist abgeschlossen – Elon Musk ist der neue Inhaber von Twitter. (Archivbild)

Der Kauf ist abgeschlossen – Elon Musk ist der neue Inhaber von Twitter. (Archivbild)

IMAGO/ZUMA Wire
Der Kurzbotschaftendienst steuert auf eine ungewisse Zukunft zu. (Archivbild)

Der Kurzbotschaftendienst steuert auf eine ungewisse Zukunft zu. (Archivbild)

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Den Twitter-CEO, Parag Agrawal, hat Musk gleich nach der Übernahme gefeuert. (Archivbild)

Den Twitter-CEO, Parag Agrawal, hat Musk gleich nach der Übernahme gefeuert. (Archivbild)

AFP

Darum gehts

Musk kaufte die Online-Plattform am Donnerstag für 44 Milliarden Dollar und feuerte laut Medienberichten umgehend Twitter-Chef Parag Agrawal und weitere wichtige Führungskräfte. Am Freitag kündigte Musk als erste Amtshandlung an, ein Gremium zu schaffen, das zentrale Entscheidungen zur Moderation von Inhalten sowie gesperrten Nutzern treffen soll.

Rechte Politiker begrüssten am Freitag die Übernahme – unter ihnen der Anfang 2021 von Twitter verbannte Ex-US-Präsident Donald Trump. «Ich bin sehr glücklich, dass Twitter sich jetzt in vernünftigen Händen befindet», schrieb Trump, der eine erneute Präsidentschaftskandidatur 2024 erwägt, auf der von ihm mitgegründeten Online-Plattform Truth Social. Twitter werde damit nicht länger von «linksradikalen Verrückten und Irren geführt, die wirklich unser Land hassen».

Er hat zudem bekräftigt, dass er nicht zu Twitter zurückkehren wolle, auch wenn dies mit Elon Musk als neuem Eigentümer möglich werden sollte. Stattdessen werde er bei seinem eigenen Dienst Truth Social bleiben, sagte Trump Fox News Digital am Freitag. «Es gefällt mir hier mehr», erklärte Trump. «Ich mag Elon, aber ich bleibe bei Truth.»

«Der Vogel ist befreit»

Musk kommentierte den Kauf, mit dem ein monatelanger Übernahme-Thriller zu Ende geht, zunächst nur mit einem kurzen Tweet: «Der Vogel ist befreit», schrieb der Chef des Elektroautobauers Tesla und reichste Mensch der Welt mit Blick auf das Logo des Kurzbotschaftendienstes. Später fügte er an die Adresse seiner mehr als 110 Millionen Twitter-Follower hinzu: «Let the good times roll», frei übersetzt etwa: «Lasst uns Spass haben».

Kritiker befürchten, dass Musk die Moderation von Inhalten im Kampf gegen Hassrede, Online-Mobbing und die Verbreitung von Falschinformationen drastisch zurückfahren könnte. Der streitbare Unternehmer gibt sich als radikaler Vertreter des Rechts auf Redefreiheit und hat Twitter in der Vergangenheit vorgeworfen, die Meinungsfreiheit einzuschränken.

Beobachter warnen, unter Musk könnten sich künftig Extremisten und Verschwörungstheoretiker ungestört auf Twitter austoben. Als Reaktion auf solche Bedenken kündigte Musk am Freitag in dem Dienst an, dass das Unternehmen «einen Rat zur Moderation von Inhalten mit sehr diversen Standpunkten gründen» werde. «Es wird keine wichtigen Entscheidungen zu Inhalten oder Wiederherstellungen von Konten geben, bevor der Rat zusammenkommt.»

Die EU-Kommission warnte den streitbaren Unternehmer am Freitag, Twitter werde sich auch in Zukunft an EU-Regeln halten müssen. «In Europa fliegt der Vogel nach unseren europäischen Regeln», erklärte Industriekommissar Thierry Breton. Er verwies auf erst kürzlich endgültig verabschiedete neue Regeln für Online-Plattformen, mit denen unter anderem gegen Hassbotschaften und Falschinformationen vorgegangen werden soll.

General Motors setzt Anzeigen «vorübergehend» aus

Unterdessen kündigte der US-Autobauer und Tesla-Konkurrent General Motors an, seine bezahlten Anzeigen in dem Onlinedienst «vorübergehend» auszusetzen. «Wir sprechen mit Twitter, um die Ausrichtung der Plattform unter seinem neuen Besitzer zu verstehen», erklärte ein Sprecher.

Musk hatte im April angekündigt, Twitter für 44 Milliarden Dollar kaufen und von der Börse nehmen zu wollen. Im Juli machte der 51-Jährige, der auch an der Spitze des Raumfahrtunternehmens SpaceX steht, aber einen Rückzieher und erklärte zur Begründung, Twitter habe falsche Angaben zur Zahl der Spam- und Fake-Konten bei dem Netzwerk gemacht. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück und zog vor Gericht, um den Multimilliardär zum Vollzug der Übernahme zu zwingen.

Anfang Oktober kündigte Musk dann an, Twitter doch wie ursprünglich geplant kaufen zu wollen. Eine Richterin setzt dafür den Freitag als Frist. Der Handel mit Twitter-Aktien an der New Yorker Börse wurde am Freitag wie angekündigt ausgesetzt.

Twitter ist zwar eine äusserst wichtige Plattform, weil sie von vielen Politikern und anderen einflussreichen Persönlichkeiten genutzt wird. Das Netzwerk hat aber nur rund 238 Millionen täglich aktive Nutzer und damit deutlich weniger als andere Plattformen wie beispielsweise Facebook. Twitter enttäuschte zudem immer wieder mit seinen Geschäftszahlen. Musk hat versprochen, den Dienst zu neuer Grösse führen zu wollen. Im Juni rief er das Ziel von einer Milliarde Nutzern aus. 

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(AFP/sys)

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