Game-Ratgeber: «Elterliche Aufsicht ist der beste Jugendschutz»
Aktualisiert

Game-Ratgeber«Elterliche Aufsicht ist der beste Jugendschutz»

Für Grosi, Gotte und Götti: Der Verband Schweizer Gamer hilft gute Videospiele zu finden. GameRights-Präsident Thomas Riediker über Kinderwünsche, Spieleflut und Elternpflicht.

von
Oliver Wietlisbach
Die Gamer-Vereinigung GameRights hilft Eltern mit einem Weihnachtsführer spannende Spiele für Kinder zu finden.

Die Gamer-Vereinigung GameRights hilft Eltern mit einem Weihnachtsführer spannende Spiele für Kinder zu finden.

Seit drei Jahren informiert GameRights über Videospiele, die man Kindern sorglos schenken kann. Im Online-Weihnachtsführer werden die aktuellen Spiele für den PC und sämtliche Spielkonsolen vorgestellt, die unbedenklich sind und trotzdem Spass machen. Eltern, Gotten oder Göttis können die Spiele nach dem passenden Alter, der Spieleplattform oder dem Genre auswählen und erhalten zu jedem Spiel die wichtigsten Informationen.

Herr Riediker, wer hat die Spielauswahl getroffen?

Thomas Riediker: Die Auswahl stammt von unserer Community. Sie ist also sozusagen von einem grossen Expertengremium erstellt worden.

Nach welchen Kriterien wurden die Spiele ausgewählt?

Wir konzentrierten uns wie jedes Jahr darauf, Spiele in die Liste zu nehmen, die einerseits kindergerecht, andererseits auch unterhaltsam sind. Oft sind Einkaufsratgeber gut gemeint und listen zwar pädagogisch unbedenkliche oder gar wertvolle Spiele auf, die jedoch kaum Spass machen. Das liegt daran, dass es den Herausgebern an echten Game-Kenntnissen mangelt.

Welche Ziele verfolgt GamerRights mit dem Weihnachtsführer?

Der Weihnachtsführer existiert, weil in der Weihnachtszeit viel mehr Games gekauft werden als während des restlichen Jahres – das wissen auch die Spielhersteller und überschwemmen den Markt förmlich mit ihren Spielen. Für alle, die einem Kind ein Game schenken wollen, wird die Wahl im Dschungel des Angebots sehr schnell zur Qual. Unser Ratgeber schafft hier Abhilfe. Ausserdem erklärt er, worauf beim Kauf geachtet werden muss.

Worauf sollte beim Kauf geachtet werden?

Einerseits sollte mit dem Kind besprochen werden, welche Spiele es sich wünscht, woher es sie kennt und warum genau dieses Spiel gewünscht wird. Des Weiteren sollte immer auf die PEGI-Altersbewertung geachtet und pädagogische Fachwebsites wie bupp.at konsultiert werden. Schlussendlich ist es auch wichtig, andere Schenkende wie Gotten und Göttis zu informieren, sodass diese nicht ungeeignete Games schenken.

Warum wird im Ratgeber auf Spiele der Alterskategorie 16+ verzichtet, in die vermutlich auch viele First-Person-Shooter fallen würden?

Es ist reiner Zufall, dass bisher keine Spiele ab 16 in die Liste genommen wurden. Sollten wir eine Spielempfehlung für ein Spiel ab 16 erhalten, könnte dies nach einer Prüfung sehr wohl in der Liste landen.

Viele Kids wünschen sich Actiongames und Ego-Shooter. Warum fehlt dieses beliebte Genre komplett in ihrem Ratgeber?

Viele First-Person-Shooter landen aufgrund ihres Inhalts sehr schnell in der Kategorie 18+, und diese Kategorie ist für unseren Ratgeber nicht interessant.

Was raten Sie Eltern, Gotten oder Göttis, wenn sich Kinder Spiele wünschen, für die sie gemäss der Altersempfehlung PEGI noch zu jung sind?

PEGI ist eine wertvolle Richtlinie – für uns so wertvoll, dass wir sie im Handel gesetzlich verankert haben möchten. Trotzdem ersetzt nichts die elterliche Einschätzung des Kindes: Es ist für uns in Ordnung, wenn eine Mutter einen 16er-Titel für ihr 15-jähriges Kind kauft, sofern sie genau darauf achtet, was sie kauft und sich auch mal mit dem Sprössling hinter die Konsole setzt.

Soll die Verantwortung von der Game-Branche auf die Eltern abgewälzt werden?

Eltern kennen ihre Kinder am besten, ihre Einschätzung zählt. Die ehrlichste Form effizienten Jugendschutzes ist die elterliche Aufsicht. PEGI soll helfen, dass im Handel keine 18er-Spiele an 14-jährige verkauft werden. Das letzte Wort aber haben die Eltern. Deshalb ist die Förderung grundlegender Kenntnisse im Umgang mit Videospielen auch so wichtig.

Was unternehmen Sie, um das Wissen über Games zu erhöhen?

Mit GameAgents.ch haben wir ein von Medienpädagogen geleitetes Projekt, das es Interessierten ermöglicht, Experten an Elternabende, Parteisitzungen, Lehrerkonferenzen oder sogar nach Hause einzuladen. Die Interessierten können sich auf ihre Kerninteressen abgestimmte Vorträge anhören, in einer Diskussion Antworten auf brennende Fragen finden oder sogar selbst ein Game auszuprobieren.

Wer ist GameRights und wie viele Mitglieder zählt die Organisation?

Die Vereinigung GameRights ist die Schweizer Konsumentenorganisation der erwachsenen Gamer. Wir setzen uns on- und offline gegen polemische Videospielverbote und für ehrlichen und nachhaltigen Jugendschutz ein. Mitte 2009 gegründet, zählt die Vereinigung knapp 1400 Mitglieder, Tendenz steigend. Manche Mitglieder möchten einfach nur mitdiskutieren, andere im Verein einen finanziellen Beitrag leisten, wieder andere suchen die Mitarbeit – alle sind gern gesehen.

Werden Sie von der Spielebranche unterstützt?

Wir sind von der Spieleindustrie und vom Staat vollkommen unabhängig. Zu GameRights gehören Gamer jeglicher Couleur; es finden sich Mitglieder aller Altersklassen, Berufs- und Ausbildungsschichten sowie Hardcore- als auch Gelegenheits-Gamer.

Politiker und Gamer haben das Heu selten auf der gleichen Bühne. Wie ist der aktuelle Stand bezüglich Game-Verbot in der Schweiz?

Das Thema befindet sich im Winterschlaf. Die Gamer scheinen oft zu vergessen, dass es jedoch immer noch brodelt: Zwei Motionen zu Videogame-Verboten liegen aktuell beim Bundesrat und sollen in nächster Zeit zu Gesetzesvorschlägen ausgearbeitet werden. Wir setzen alles daran, bei den nächsten Schritten aktiv mitreden zu können. Gewisse politische Kreise hegen aber scheinbar immer noch ein Interesse daran, Videospiele zu verbieten.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

Game-Channel

News, Tests und Hintergründe aus der Welt der PC-, Konsolen- und Mobile-Spiele erhalten Sie im Game-Channel von 20 Minuten Online.

Deine Meinung