Neuenburg: Eltern, die ihre Kinder töteten

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NeuenburgEltern, die ihre Kinder töteten

Im Kanton Neuenburg stürzte eine Mutter mit den Kindern in den Tod. Es ist kein Einzelfall. Dass Väter und Mütter ihre Kinder töten, kommt immer wieder vor.

von
Claudia Blumer
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Eine Mutter und ihre beiden Söhne sind bei einer Wanderung gestorben. 

Eine Mutter und ihre beiden Söhne sind bei einer Wanderung gestorben. 

VQH
Nach Erkenntnissen der Polizei ist die Mutter in den Tod gesprungen und hat ihre beiden Söhne mitgerissen.  

Nach Erkenntnissen der Polizei ist die Mutter in den Tod gesprungen und hat ihre beiden Söhne mitgerissen.  

Tamedia/Nicole Philipp
Der Fall Flaach erschütterte Anfang 2015: In diesem Haus erstickte eine Mutter am Neujahrsmorgen ihre beiden Kinder.

Der Fall Flaach erschütterte Anfang 2015: In diesem Haus erstickte eine Mutter am Neujahrsmorgen ihre beiden Kinder.

20min

Darum gehts

  • Im Kanton Neuenburg stürzte eine Mutter vom Felsen. Ihre beiden Kleinkinder riss sie mit sich.

  • Es kam in den vergangenen zehn Jahren immer wieder vor, dass Väter oder Mütter ihre Kinder töteten. Etwa vor vier Monaten im Kanton Waadt.

Im Kanton Neuenburg hat sich am Wochenende ein tragischer Fall ereignet: Eine 37-jährige Mutter stürzte in den Tod und riss ihre beiden Kleinkinder mit. Wie kommt eine Mutter dazu, ihre Kinder zu töten? Laut Psychologe Thomas Spielmann sind es biochemische Veränderungen im Gehirn, die zu so einer Handlung führen. Anhaltender Stress, Cortisolausschüttung, vielleicht noch hormonelle Veränderungen. «Die Antwort ist fast noch mehr in der Biochemie zu suchen als in der Psychologie», sagt Spielmann in einer ersten Einschätzung. «Eine Mutter, die so etwas tut, denkt nicht mehr klar», sagt er.

Väter und Mütter, die ihre Kinder töten. Das kommt leider immer wieder vor. Ein paar Ereignisse der vergangenen Jahre:

Juli 2022: Fall Neuenburg

Eine Mutter (37) springt vom Felsen, ihre beiden Kleinkinder (2 und 4) reisst sie mit. Das sind die bisherigen Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft.

März 2022: Fall Montreux

Der Fall übersteige menschliches Vorstellungsvermögen, sagte ein forensischer Psychiater. Im März 2022 stürzen in Montreux VD vier Mitglieder einer Familie in den Tod: der Vater, seine Frau, deren Schwester und die achtjährige Tochter. Der 15-jährige Sohn überlebt. Als Hintergrund wurde ein Konflikt mit den Behörden wegen Homeschooling vermutet.

Juli 2019: Fall Affoltern am Albis

Ein IT-Forensiker löscht seine Familie aus: Der 53-Jährige tötet seine Frau sowie die beiden Söhne (7 und 9), danach sich selbst. Der Mann und die ganze Familie waren nicht besonders aufgefallen, weder bei der Arbeit noch im Quartier. Sie hatten ein harmonisches Bild abgegeben.

Januar 2015: Fall Flaach

Am Neujahrstag erstickt eine Mutter ihre beiden Mädchen (2 und 5), während sie schlafen. Später nimmt sich die Mutter im Gefängnis das Leben. Die Kinder waren seit einigen Wochen im Heim, sie hätten nach den Weihnachtsferien wieder dorthin zurückmüssen. Die Mutter wollte das verhindern. Der Fall erregte grosses Aufsehen, weil auch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde mit der Familie befasst war.

August 2013: Fall Grabs

In Grabs SG tötet ein Vater seine beiden Mädchen im Alter von zwei und fünf Jahren, indem er das Auto anzündet, in welchem sie sitzen. Die Polizei findet das Auto mit verkohlten Kinderleichen, den Vater einige Hundert Meter entfernt. Er stirbt im Spital an seinen Brandverletzungen. Der getrennt lebende Mann hat die Kinder ausserhalb ohne Einwilligung bei einem Verwandten abgeholt und ist mit ihnen geflohen.  

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Suizidgedanken? Oder hast du jemanden durch Suizid verloren?

Hier findest du Hilfe:

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

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