Schutz vor Virus - Eltern drängen auf Impfung für Kinder und Jugendliche
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Schutz vor VirusEltern drängen auf Impfung für Kinder und Jugendliche

Lockerungen, aber keine Impfungen für Kinder: Zahlreiche Eltern sehen ihre Kinder dem Virus schutzlos ausgeliefert. Sie fordern, dass auch für sie der Piks gegen Covid bald möglich ist.

von
Carla Pfister
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Die Risiken einer Impfung seien extrem gering im Vergleich mit einer Covid-Erkrankung, sagt Vater Rui Biagini und Medienverantwortlicher bei Protect the Kids.

Die Risiken einer Impfung seien extrem gering im Vergleich mit einer Covid-Erkrankung, sagt Vater Rui Biagini und Medienverantwortlicher bei Protect the Kids.

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Unter dem Hashtag #ProtectTheKids nehmen Eltern die Regierung in die Pflicht, auch Kinder und Jugendliche so schnell wie möglich impfen lassen zu können.

Unter dem Hashtag #ProtectTheKids nehmen Eltern die Regierung in die Pflicht, auch Kinder und Jugendliche so schnell wie möglich impfen lassen zu können.

20min/Marco Zangger
Er befürchte eine Welle von Ansteckungen im Herbst, der die Kinder ohne Impfung schutzlos ausgeliefert wären, sagt Vater Rui Biagini und Medienverantwortlicher bei Protect the Kids.

Er befürchte eine Welle von Ansteckungen im Herbst, der die Kinder ohne Impfung schutzlos ausgeliefert wären, sagt Vater Rui Biagini und Medienverantwortlicher bei Protect the Kids.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Unter dem Hashtag #ProtectTheKids nehmen Eltern die Regierung in die Pflicht, auch Kinder und Jugendliche so schnell wie möglich impfen lassen zu können.

  • «Kinder tragen die grössten Risiken, weil sie im Gegensatz zum Rest der Gesellschaft noch nicht geimpft sein werden», so ein Vater.

  • Derweil unterstellt eine Politikerin dem BAG, Kinder zum Impfen zu drängen.

Kinder sind dem Virus in der Pandemie stark ausgesetzt: Auch während der zweiten Corona-Welle fand der Unterricht ununterbrochen vor Ort statt. Aus Angst, ihre Kinder könnten das Virus zuhause einschleppen, schickten einige Eltern sie nicht mehr in die Schule. Nun sind Eltern erneut in Aufruhr: Die Massnahmen werden zusehends gelockert – für Kinder ist eine Impfung aber noch nicht möglich.

Unter dem Hashtag #ProtectTheKids nehmen Eltern die Regierung in die Pflicht, auch Kinder und Jugendliche so schnell wie möglich impfen lassen zu können. Dabei sparen manche nicht mit Vorwürfen und Anschuldigungen.

Ein User etwa beschuldigt Gesundheitsminister Alain Berset (SP), seinen Amtseid gebrochen zu haben und die Kinder nicht zu schützen. «Dein Plan der Lockerung ist verfassungswidrig, denn er überlässt die unter Zwölfjährigen ungeschützt der Infektion», schreibt er.

Neben vielen anderen Eltern äussert sich die ehemalige Stadt- und Grossrätin Lea Kusano auf Twitter zur Problematik: Der Musiklehrer ihrer Tochter habe kurz nach seiner Impfung die Stunden wieder aufgenommen. Der Unterricht finde statt, bevor sich die Kinder ebenfalls impfen lassen könnten. «Wir haben jetzt beim Pneumo ein Arztzeugnis geholt», schreibt Kusano.

«Kinder tragen die grössten Risiken»

Die Risiken einer Impfung seien extrem gering im Vergleich mit einer Covid-Erkrankung, sagt Vater Rui Biagini und Medienverantwortlicher bei Protect the Kids. «Ich hoffe, dass auch Kinder unter zwölf Jahren sich so bald als möglich impfen lassen können. Bis dann müssen sie mit der Gefahr von Langzeitfolgen wie Long Covid oder PIMS leben.»

Er befürchte eine Welle von Ansteckungen im Herbst, der die Kinder ohne Impfung schutzlos ausgeliefert wären. «Kinder tragen dann die grössten Risiken, weil sie im Gegensatz zum Rest der Gesellschaft noch nicht geimpft sein werden», so Biagini. Er stört sich an der öffentlichen Diskussion: «Ich finde es verantwortungslos, dass man sich offenbar geeinigt hat, die Kinder mit Covid zu durchseuchen. Über die Folgen für Kinder wird kaum gesprochen, sie werden leichtfertig abgetan.» Long Covid und PIMS träten aber verzögert auf, auch wenn Kinder einen leichten Verlauf hätten.

«BAG will Jugendliche zum Impfen drängen»

Kürzlich liess Swissmedic den Pfizer-Impfstoff auch für Kinder zu. Laut Impf-Chef Christoph Berger soll dazu bis im Juli eine Empfehlung abgegeben werden. Einige Kantone haben bereits angekündigt, Termine ab Mitte Juni freizuschalten.

Der Ruf nach baldigen Impfungen für Kinder trifft aber auch auf Widerstand. SVP-Nationalrätin Martina Bircher sagt, die Empfehlung des BAG mache es möglich, dass sich Zwölfjährige auf eigene Faust zur Impfung anmelden könnten. Bei anderen Impfungen müsse das Einverständnis der Eltern eingeholt werden, bei der Covid-Impfung nicht. «Es ist höchst fragwürdig, wenn ich als Elternteil in allen medizinischen Belangen mitentscheiden kann, bei der Covid-Impfung aber plötzlich aussen vor bleibe.» Als Mutter komme sie sich da etwas veräppelt vor. «Dem BAG muss ich deshalb fast unterstellen, dass es die Jugendlichen zum Impfen drängen will.»

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