Aktualisiert 11.05.2016 10:52

Frankreich

Eltern droht Haft fürs Posten von Kinderfotos

In Frankreich können Volljährige ihre Eltern für das Hochladen von Kinderfotos auf Social Media verklagen. Ein Schweizer Experte nimmt Stellung.

von
J. Panknin
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Bilder wie dieses lassen Mami- und Papi-Herzen höherschlagen. Deshalb landen diese auch gern mal unbedacht auf deren Social-Media-Accounts. In Frankreich dürften sich Eltern das Teilen solcher Bilder auf Facebook, Instagram und Co. aber genauer überlegen.

Bilder wie dieses lassen Mami- und Papi-Herzen höherschlagen. Deshalb landen diese auch gern mal unbedacht auf deren Social-Media-Accounts. In Frankreich dürften sich Eltern das Teilen solcher Bilder auf Facebook, Instagram und Co. aber genauer überlegen.

Flickr / kingfisherphoto.com
Nach französischem Recht ist das Hochladen zwar nicht verboten, Kinder können ihre Eltern sobald sie volljährig sind jedoch für die Verletzung ihrer Privatsphäre verklagen. Im Falle eines Prozess drohen Bussen bis zu 50'000 Franken oder sogar ein Jahr hinter Gittern. (Im Bild: Ein Kinderfoto von Instagram)

Nach französischem Recht ist das Hochladen zwar nicht verboten, Kinder können ihre Eltern sobald sie volljährig sind jedoch für die Verletzung ihrer Privatsphäre verklagen. Im Falle eines Prozess drohen Bussen bis zu 50'000 Franken oder sogar ein Jahr hinter Gittern. (Im Bild: Ein Kinderfoto von Instagram)

Instagram / kristenw727
In der Schweiz gilt das Recht am eigenen Bild für jeden - selbst für Babys, sagt Laurent Sédano, Experte für Medienkompetenz bei der Schweizer Jugendorganisation Pro Juventute, zu 20 Minuten. Die Eltern hätten lediglich die Vertretung am Recht. (Im Bild: Ein Kinderfoto von Instagram)

In der Schweiz gilt das Recht am eigenen Bild für jeden - selbst für Babys, sagt Laurent Sédano, Experte für Medienkompetenz bei der Schweizer Jugendorganisation Pro Juventute, zu 20 Minuten. Die Eltern hätten lediglich die Vertretung am Recht. (Im Bild: Ein Kinderfoto von Instagram)

Instagram / lesleynoeblunk

Das erste Mal aufs Töpfchen, das verschmierte Gesicht nach dem ersten allein ausgelöffelten Joghurt oder auch einfach der erste Schultag – stolze Mamis und Papis lieben solche Bilder. Deshalb landen diese auch gern mal auf deren Social-Media-Accounts, obwohl Kampagnen in verschiedenen Ländern immer wieder davor warnen.

In Frankreich dürften sich Eltern das Teilen solcher Bilder auf Facebook aber genauer überlegen: Nach französischem Recht ist das Hochladen zwar nicht verboten, Kinder könnten ihre Eltern jedoch, sobald sie volljährig sind, für die Verletzung ihrer Privatsphäre verklagen, schreibt der britische «Telegraph». Im Falle eines Prozess drohen Bussen bis zu 50'000 Franken oder sogar ein Jahr hinter Gittern.

Recht am eigenen Bild gilt schon für Babys

Auch in der Schweiz gibt es kein Verbot, allerdings gilt das Recht am eigenen Bild für jeden – selbst für Babys, sagt Laurent Sédano, Experte für Medienkompetenz bei der Schweizer Jugendorganisation Pro Juventute, zu 20 Minuten. Die Eltern hätten lediglich die Vertretung am Recht. «Man muss die Kinder also eigentlich immer fragen, ob sie mit der Veröffentlichung einverstanden sind.»

Er rät Eltern deshalb, ihre Sprösslinge so früh wie möglich einzubeziehen und abzumachen, was okay ist und was nicht. «Man sollte akzeptieren, wenn Kinder sagen, dass sie gerade nicht fotografiert werden wollen. Es ist ihr Recht. Sich wegdrehen oder abwehrende Grimassen schneiden sind da klare Zeichen.» Dasselbe gelte für das Veröffentlichen der Bilder.

Kinder wünschen sich Mitspracherecht

Erst kürzlich hat eine Umfrage der University of Washington ergeben, dass sich Kinder wünschen, ihre Eltern würde sie um Erlaubnis bitten, bevor sie Bilder von ihnen posten. Die Mitarbeiter von Pro Juventute haben dieselben Erfahrungen gemacht: «Bei unseren Besuchen an Schweizer Schulen suchen wir das Gespräch mit den Kindern. Dort hören wir oft, dass es sie stört, dass ständig Fotos von ihnen gemacht werden ohne dass man ihnen ein Mitspracherecht bei der Verwendung einräumt», erzählt Sédano.

Es sei deshalb wichtig, laufend sowohl über die eigenen als auch über die Bedürfnisse der Kinder zu sprechen. Es gebe kein allgemeines Richtig oder Falsch, man müsse eher von Fall zu Fall abwägen. «Es gibt Kinderfotos, die man durchaus veröffentlichen darf, man sollte sich aber vorher folgende Fragen stellen: Was ist auf dem Foto? Wo wird es hochgeladen? Wer kann es sehen? Sind alle damit einverstanden?», rät der Experte.

«Verbot ist nicht durchsetzbar»

Zum Gesetz in Frankreich meint Sédano: «Welches Kind würde seine Eltern anklagen? So ein Prozess würde wohl gar nicht funktionieren. Ich denke, die Möglichkeit zur Klage soll vor allem abschrecken und verdeutlichen, wie ernst das Thema ist.» Auch, dass es irgendwann ein komplettes Verbot für das Hochladen von Baby- und Kinderfotos geben könnte, hält er für unwahrscheinlich. Dies, weil das Einhalten kaum zu kontrollieren wäre und es gleichzeitig einen immensen Eingriff in die Privatsphäre aller Beteiligten bedeuten würde.

20 Minuten hat Eltern und Jugendliche in Zürich zum Thema befragt.

Laurent Sédano ist Programmverantwortlicher für Medienkompetenz bei Pro Juventute. Pro Juventute engagiert sich seit 2007 in der Vermittlung von Medienkompetenz. Seit 2012 führte die Jugendorganisation mehr als 1'800 Medienprofis-Workshops für Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern durch (mehr Informationen zu den Kursen gibt es hier).

Sédano empfiehlt ausserdem die Seite Netzbilder.net der Uni Basel für Tipps rund um das Thema Jugend- und Familienbilder im Internet.

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