10.08.2020 04:41

Wegen CoronaEltern dürfen ihre Kinder am 1. Schultag nicht begleiten

Die Bestimmungen in der Schweiz sind sehr unterschiedlich: In manchen Schulen ist es Eltern verboten, am 1. Tag mit ihren Schulanfängern und Kindergärtlern mitzugehen. Ein Psychologe und die Präsidentin des Lehrerverbands nehmen Stellung.

von
Steve Last, Zora Schaad
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In den meisten Kantonen beginnt am Montag das neue Schuljahr. Doch nicht alle Eltern können ihre Kleinen an ihrem ersten Tag begleiten.

In den meisten Kantonen beginnt am Montag das neue Schuljahr. Doch nicht alle Eltern können ihre Kleinen an ihrem ersten Tag begleiten.

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Grund dafür sind unterschiedliche Sicherheitskonzepte verschiedener Kantone, Gemeinden, Schulen und Kindergärten.

Grund dafür sind unterschiedliche Sicherheitskonzepte verschiedener Kantone, Gemeinden, Schulen und Kindergärten.

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Ausser in Ausnahmefällen sind im Kanton Basel-Stadt alle Eltern von den Einrichtungen am ersten Schultag ausgeschlossen.

Ausser in Ausnahmefällen sind im Kanton Basel-Stadt alle Eltern von den Einrichtungen am ersten Schultag ausgeschlossen.

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Darum gehts

  • Sollen Eltern ihre Kinder am ersten Schultag zu Corona-Zeiten begleiten können?
  • Die Regelungen sind von Kanton zu Kanton, teilweise von Schule zu Schule, unterschiedlich.
  • Psychologe Fabian Grolimund findet einen kompletten Ausschluss der Eltern übertrieben.
  • Lehrerverbandspräsidentin Dagmar Rösler zeigt Verständnis für die Massnahmen.

Kurz vor Sommerferienende sorgt das Thema Schulbeginn bei vielen Müttern und Vätern für rote Köpfe: Manche Schulen und Kindergärten verbieten Eltern wegen der Corona-Pandemie, ihre Sprösslinge am ersten Tag zu begleiten. Zwei Mütter aus den Kantonen Aargau und Basel-Stadt sind nicht bereit, das zu akzeptieren.

Schweizweit gibt es keine einheitliche Regelung dazu, nicht mal kantonal gilt überall für alle dasselbe. So hat der Kanton Basel-Stadt entschieden, in allen Schulen keine Eltern zuzulassen. Im Aargau hingegen gibt es keine zentrale Bestimmung. So können in der Gemeinde Ehrendingen die Eltern ihre Kinder begleiten, sofern sie eine Maske tragen. In der Gemeinde Murgenthal darf bei Kindergartenkindern ein Elternteil dabei sein, bei Primarschülern niemand. In der Aargauer Gemeinde Gränichen dagegen ist schon ab Kindergartenstufe keine Begleitung in den Räumen mehr zugelassen.

Psychologe findet Ausschluss übertrieben

Der Psychologe und Lerncoach Fabian Grolimund findet den kompletten Ausschluss der Eltern insbesondere im Kindergarten übertrieben: «Es ist wichtig, dass sich das Kind nicht mit einer fremden Person allein gelassen fühlt, sondern dass es merkt, dass seine Eltern die Kindergärtnerin oder den Kindergärtner kennen und ihr beziehungsweise ihm vertrauen. Wenigstens ein Ritual im Freien müsste trotz Corona drin liegen. Manche Vierjährigen werden zum ersten Mal in ihrem Leben fremdbetreut.»

Klar könne man mit einem Kindergärtler über das Virus sprechen und ihm die Lage erklären, aber: «In seinen Gefühlen bringt dem Kind das nichts. Der erste Schultag ist ohnehin schon aufregend, manche Kinder fühlen sich unsicher und haben Angst. Die Info über das Virus trägt nicht zu ihrer Beruhigung bei», sagt Grolimund.

«Niemand will für eine Infektion verantwortlich sein»

«Es ist eine schwierige Situation. Vieles konnte nicht stattfinden und wird auch in absehbarer Zukunft nicht möglich sein», sagt Dagmar Rösler, Zentralpräsidentin des Lehrerverbands Schweiz (LCH). Für die emotionale Reaktion von Kindern und Eltern hat sie Verständnis: «Es ist ein Stück weit normal, dass einige Kinder Mühe haben mit diesem grossen Schritt in einen neuen Lebensabschnitt. Und auch manchen Eltern fällt es schwer, loszulassen», sagt sie. Umso wichtiger sei es, die Kinder richtig auf den ersten Schultag einzustellen und sie für diesen grossen Tag zu ermutigen und die Vorfreude zu wecken.

Auf der anderen Seite nimmt Rösler die Schulen in Schutz. «Die Schulleitungen haben eine riesige Verantwortung. Ich verstehe, dass man auf keinen Fall für eine Infektion verantwortlich sein will und deswegen sogar die Schule schliessen muss», so die LCH-Präsidentin. Es allen recht zu machen, sei ein Ding der Unmöglichkeit. Dennoch glaubt Rösler an den Willen der Schulen und Kindergärten: «Ich bin mir sicher, dass es trotz der Massnahmen Wege gibt, den ersten Tag kreativ zu zelebrieren.»

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665 Kommentare
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Igeli

11.08.2020, 20:08

Ich verstehe es nicht. Es wird gerade diskutiert über Veranstaltungen mit über 1000 Menschen. Aber die Kleinen in die Schule begleiten ist bicht gestattet. Wo bleibt da die Logik?

Bekennender EUler

11.08.2020, 15:20

Super - und sich hier aufblasen, das in der EU unterschiedlich agiert wird.... Aber das ist natürlich ganz was anderes. Weil sich die Kantone sonst ja nie gegenseitig das Wasser abgraben und alles immer ganz einheitlich verläuft.

Andy

11.08.2020, 15:07

Ja und? Nicht wirklich schlimm...