Spezieller Name - Eltern dürfen Tochter «Tiktu Spring Hokkaidö» nennen
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Spezieller NameEltern dürfen Tochter «Tiktu Spring Hokkaidö» nennen

Ein Freiburger Paar gab seinem Kind einen ausgefallenen Namen, worauf sich die Behörden querstellten. Obwohl der Name ähnlich klingt wie «Tik Tok», gab das Gericht nach.

von
Bettina Zanni
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Über ein Jahr stritten sich die Eltern von Tiktu Spring Hokkaidö mit den Behörden über die offizielle Anerkennung des Namens ihrer Tochter.  (Symbolbild)

Über ein Jahr stritten sich die Eltern von Tiktu Spring Hokkaidö mit den Behörden über die offizielle Anerkennung des Namens ihrer Tochter. (Symbolbild)

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Für «Spring» entschied sich das Paar, weil es damit die positiven Aspekte des Lebens und die Lebenskraft unterstreichen wollte.

Für «Spring» entschied sich das Paar, weil es damit die positiven Aspekte des Lebens und die Lebenskraft unterstreichen wollte.

20min/Marvin Ancian
«Hokkaidö» bezieht sich auf die gleichnamige japanische Insel, die dem Paar besonders am Herzen liegt.

«Hokkaidö» bezieht sich auf die gleichnamige japanische Insel, die dem Paar besonders am Herzen liegt.

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Darum gehts

  • Eltern aus dem Kanton Freiburg tauften ihre Tochter «Tiktu Spring Hokkaidö».

  • Die Behörden lehnten den Namen ab und argumentierten damit, dass dieser für das Mädchen von Nachteil sein könne.

  • Mit einem Rekurs wehrte sich das Paar dagegen erfolgreich. In einem Punkt gab es aber nach.

Ausgefallene Vornamen haben bei Stars beinahe Tradition. «Apple» (dt. Apfel) heisst etwa die Tochter von Chris Martin und Gwyneth Paltrow. Auf die Spitze trieben es Tesla-CEO Elon Musk und seine Freundin Grimes: Ihren Sohn tauften sie «X Æ A-Xii». Einen unverwechselbaren Vornamen trägt auch ein Kind ausserhalb der Promi-Szene: «Tiktu Spring Hokkaidö» heisst das Mädchen, geboren im April 2020 im Kanton Freiburg.

Über ein Jahr stritten sich die Eltern mit den Behörden über die offizielle Anerkennung des Namens ihrer Tochter. Kürzlich akzeptierte das Kantonsgericht Freiburg deren Rekurs.

Wie aus dem Urteil hervorgeht, handelt es sich bei «Tiktu» um einen von den Eltern erfundenen Namen. Inspiriert wurden sie dazu von ihren Reisen. Für «Spring» entschied sich das Paar, weil es damit die positiven Aspekte des Lebens und die Lebenskraft unterstreichen wollte. «Hokkaidö» bezieht sich auf die gleichnamige japanische Insel, die dem Paar besonders am Herzen liegt.

Entscheid sei willkürlich

Im Juli 2020 lehnte das Amt für institutionelle Angelegenheiten, Einbürgerungen und Zivilstandswesen (IAEZA) des Kantons Freiburg die Eintragung des Namens ins Zivilstandsregister jedoch ab. Der erfundene Vorname «Tiktu» gebe keinen Aufschluss über das Geschlecht des Kindes und rufe eher männliche Konnotationen hervor, argumentierte das Amt. Ausserdem lasse der Name allerlei Verunstaltungen zu, die das Kind in seiner sozialen Beziehungen stigmatisieren könnten.

Kurz darauf legte das Paar Rekurs ein. Die Eltern warfen der Behörde einen willkürlichen Entscheid vor. Schliesslich habe ihr Ansatz bei der Namenswahl den beiden älteren Söhnen keine Probleme bereitet. Auch machten sie darauf aufmerksam, sich die Auswirkungen der Namen gut überlegt zu haben. Zudem gebe es zahlreiche Vornamen, die nicht auf ein Geschlecht schliessen liessen.

Verzichtet auf «Goodall»

In einem Punkt gab das Paar dem Amt nach. Ursprünglich sollte der Name der Tochter auf «Goodall» enden – als Hommage an die berühmte britische Verhaltensforscherin Jane Goodall. Da laut dem Gericht ein Nachname nicht als Vorname genutzt werden kann, verzichteten die Eltern darauf.

«Auch wenn es zugegebenermassen erstaunlich ist, seine Tochter Tiktu zu nennen, deutet nichts daraufhin, dass dieser Vorname seine Trägerin besonderem Spott aussetzt», schreibt das Kantonsgericht in seinem Urteil. Alle Vornamen könnten potenziell verunstaltet und ins Lächerliche gezogen werden. «Tiktu» klinge zwar ähnlich wie «Tik Tok» und «Tic Tac», sollte die Entwicklung und Persönlichkeit des Mädchens jedoch nicht nachweislich beschmutzen, sodass ein Namenseintrag gerechtfertigt sei. Auch rufe der Name keinerlei negative Konnotationen hervor.

Mehr Toleranz von Behörden gefordert

Die Zivilstandsverordnung hält fest, dass Zivilstandsbeamte Vornamen zurückweisen, die die Interessen des Kindes offensichtlich verletzen. Ob dies der Fall ist, liegt im Ermessen der Zivilstandsbeamten. Erziehungsberaterin Karin Knecht ist der Ansicht, dass es kaum Namen gibt, die einem Kind schaden können. «Verhunzen kann man jeden Namen.»

Anders verhält es sich laut Knecht mit Vornamen von bekannten Menschen, die in der Gesellschaft schlecht angeschrieben sind. Etwa ein Kind nach einem bekannten Schwerverbrecher zu benennen, sei eine schlechte Wahl. Wie geeignet ein spezieller Vorname sei, hänge aber auch mit der Umgebung des Kindes zusammen. «In einer sehr ländlichen Gemeinde ist ein Kind vielleicht etwas gestraft, wenn es ‹Spring› heisst, in einer Multi-Kulti-Umgebung wie Zürich hingegen wäre dies weniger ein Problem.»

Bei den Behörden plädiert die Erziehungsberaterin für mehr Toleranz. Bereits vor 39 Jahren habe die Gemeinde Hombrechtikon ZH den Namen ihrer Tochter «Arnika» mit Vorbehalten registriert. «Bis heute reagieren Gemeinden auf weniger alltägliche Namen manchmal etwas konservativ.»

Hast du Probleme mit deinen Eltern oder Kindern?

Hier findest du Hilfe:

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

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