Nach EU-Zulassung – Eltern fordern Corona-Kinderimpfung auch in der Schweiz
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Nach EU-ZulassungEltern fordern Corona-Kinderimpfung auch in der Schweiz

Covid-Impfungen für Kinder unter zwölf Jahren sind in der Schweiz nicht zugelassen. Während besorgte Eltern nun die Zulassung fordern, kommt die Impfung für Virologen zu spät.

von
Michelle Muff
Christina Pirskanen
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Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) gab am Donnerstag den Covid-Impfstoff von Pfizer für Kinder ab fünf Jahren frei. Nun fordern auch Schweizer Eltern und die Elternorganisation «Protect the Kids» die Zulassung in der Schweiz.

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) gab am Donnerstag den Covid-Impfstoff von Pfizer für Kinder ab fünf Jahren frei. Nun fordern auch Schweizer Eltern und die Elternorganisation «Protect the Kids» die Zulassung in der Schweiz.

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Die eingereichten Unterlagen von Pfizer und Moderna werden derzeit von Swissmedic geprüft: «Wenn Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität auf Basis der eingereichten Unterlagen ausreichend belegt sind, wird eine Zulassung erteilt.» Wann das der Fall sein wird, ist noch unklar.

Die eingereichten Unterlagen von Pfizer und Moderna werden derzeit von Swissmedic geprüft: «Wenn Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität auf Basis der eingereichten Unterlagen ausreichend belegt sind, wird eine Zulassung erteilt.» Wann das der Fall sein wird, ist noch unklar.

Sven Hoppe/dpa
Der Infektiologe Andreas Cerny befürwortet die Impfung für unter Zwölfjährige. Die Zulassung dafür komme aber zu spät: «Im Sommer hätte sie noch einen Einfluss auf den Verlauf der Pandemie im Winter nehmen können.»

Der Infektiologe Andreas Cerny befürwortet die Impfung für unter Zwölfjährige. Die Zulassung dafür komme aber zu spät: «Im Sommer hätte sie noch einen Einfluss auf den Verlauf der Pandemie im Winter nehmen können.»

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Darum gehts

  • Die Impfstoffe von Moderna und Pfizer sind in der Schweiz für Kinder unter zwölf Jahren noch nicht zugelassen.

  • Eltern, die sich um ihre Kinder sorgen, fordern nun eine schnelle Zulassung.

  • Die Vakzine befinden sich laut Swissmedic noch in der Prüfung.

  • Für Virologen ist klar: Die Impfung für unter Zwölfjährige kommt zu spät.

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) hat am Donnerstag den Corona-Impfstoff von Pfizer für Kinder ab fünf Jahren zugelassen. In der Schweiz läuft derweil noch die Prüfung der eingereichten Unterlagen von Pfizer und Moderna: «Wenn Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität auf Basis der eingereichten Unterlagen ausreichend belegt sind, wird eine Zulassung erteilt», so Swissmedic auf Anfrage. Wann das der Fall sein wird, ist noch unklar.

Das stört Rui Biagini, Mitgründer der Elternorganisation «Protect the Kids»: «Wir unterstützen die Impfung für Fünf- bis Elfjährige nicht nur, wir fordern sie mit Vehemenz», sagt er. Die Kinder würden sich ohne ausreichende Schutzmassnahmen innerhalb kürzester Zeit infizieren und so einem Risiko für Long-Covid ausgesetzt, so Biagini.

Kinder tragen zur Ausbreitung des Virus unter Gefährdeten bei

Es dürfe nicht sein, dass Eltern in einer «Jahrhundertkrise» hunderte Kilometer weit fahren müssten, um ihre Kinder zu schützen, so Biagini. Die Impfung für Kinder ab fünf Jahren würde laut ihm nicht nur den Schulunterricht sicherer machen, er würde ihn in den Wintermonaten erst ermöglichen – vielerorts sei der Unterricht bereits nicht mehr durchzuführen.

Auch Infektiologe Andreas Cerny sagt: «Die Zulassung für die Kinderimpfung kommt zu spät.» Selbst wenn die Zulassung nun sofort erfolgen würde, sähe man etwaige Auswirkungen der Impfung frühestens im Februar: «Im Sommer hätte die Kinderimpfung noch einen Einfluss auf den Verlauf der Pandemie im Winter haben können.»

Für Cerny ist der Nutzen der Impfung für unter Zwölfjährige klar: «Auch wenn es selten ist, können Kinder schwer an Corona erkranken oder Long-Covid entwickeln.» Zudem gebe es epidemiologische Argumente: «Kinder geben den Virus etwa gleich häufig weiter wie Erwachsene. Damit tragen sie auch zur Ausbreitung des Virus unter gefährdeten Personengruppen bei.»

Nicht der richtige Zeitpunkt für die Impfung von Kindern

Der Arzt und Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft Josef Widler sieht derweil keinen Grund, die Impfung für Kinder ab fünf Jahren möglichst schnell zuzulassen: «Ob es zum jetzigen Zeitpunkt so wichtig ist, wage ich zu bezweifeln», sagt er. Der Fokus solle auf den Risikopatienten und der älteren Bevölkerung bleiben. Zentral sei da die Verabreichung von Erst-, Zweit- und Boosterimpfungen.

Auch für den Tessiner Infektiologen Christian Garzoni hat die Impfung von Fünf- bis Elfjährigen derzeit keine Priorität: «Wichtig ist im Hinblick auf den Winter vor allem, dass wir insbesondere Risikogruppen möglichst rasch boostern.»

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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