Covid-Ansteckungen verhindern: Eltern fordern wöchentliche Massentests an Schulen
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Covid-Ansteckungen verhindernEltern fordern wöchentliche Massentests an Schulen

Ein Elternverein will an den Schulen schweizweit Corona-Tests einführen. Gegner sehen darin eine zusätzliche Belastung für die Kinder.

von
Bettina Zanni
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Regelmässig zum Corona-Test antraben sollen auch die Schülerinnen und Schüler. 
Foto: 20min / Marco Zangger

Regelmässig zum Corona-Test antraben sollen auch die Schülerinnen und Schüler.
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20min/Marco Zangger
«Wir wollen Infektionen in den Schulen schon im Keim ersticken», sagt Gabriela Heimgartner, Co-Präsidentin des Vereins Schule & Elternhaus.

«Wir wollen Infektionen in den Schulen schon im Keim ersticken», sagt Gabriela Heimgartner, Co-Präsidentin des Vereins Schule & Elternhaus.

Da asymptomatische Personen laut Heimgartner auf diese Weise schnell identifiziert und Ansteckungen verhindert werden könnten,  sind Schulquarantänen nicht mehr oder nur noch verkürzt nötig.

Da asymptomatische Personen laut Heimgartner auf diese Weise schnell identifiziert und Ansteckungen verhindert werden könnten, sind Schulquarantänen nicht mehr oder nur noch verkürzt nötig.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Eltern fordern präventive Massentests in den Schulen, damit sich Quarantänen erübrigen.

  • Der Kanton Zug hat die Tests bereits eingeführt und zieht eine positive Bilanz.

  • Kritiker der Tests befürchten, dass diese Kinder verängstigen und zusätzlich belasten.

Unter der Bundeshauskuppel wird aktuell mit Hochdruck getestet: Die zweimal pro Woche angebotenen PCR-Speicheltests zielen darauf ab, Ansteckungen mit dem Coronavirus zwischen den Parlamentariern in der Frühlingssession zu verhindern. Regelmässig zum präventiven Corona-Test (siehe Box) antraben sollen nun auch die Schülerinnen und Schüler.

In der aktuellen Phase vor den geplanten Lockerungen befinde sich die Schweiz an einem kritischen Punkt, sagt Gabriela Heimgartner, Co-Präsidentin des Vereins Schule & Elternhaus (S& E). «Wir wollen Infektionen in den Schulen schon im Keim ersticken. Es wäre daher vernünftig, wenn die Schulen ihre Schülerinnen und Schüler ein- bis zweimal pro Woche mit Spucktests auf das Coronavirus testen liessen.» Einzig in kleinen, abgelegenen Schulgemeinden halte der Verein die Tests für nicht unbedingt nötig.

«Ausbrüche bringen grosse Unruhen in die Familien»

Da asymptomatische Personen laut Heimgartner auf diese Weise schnell identifiziert und Ansteckungen verhindert werden könnten, sind Schulquarantänen nicht mehr oder nur noch verkürzt nötig. Auch entlasteten Massentests die Familien. «Ausbrüche in den Schulen bringen jeweils sehr grosse Unruhen in die Familien, weil sie ihre Kinder dann schnellstmöglichst einzeln testen lassen müssen.»

Auch der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) begrüsst die Tests. Mit koordinierten, klar kommunizierten und konzeptionieren Spucktests kann die Situation in den Schulen unter Umständen entspannt werden», sagt Präsidentin Dagmar Rösler.

«Keine Sekunde mehr Angst»

Mehr als die Hälfte der Kantone hat ein Konzept eingereicht und weitere werden folgen, wie die Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) bestätigt. Diese beträfen auch das präventive Testen in Schulen. Bereits eingeführt wurden präventive Spuck-Massentests (siehe Box) im Kanton Zug. Auch der Kanton Basel-Land startete am Dienstag mit Massentests, Graubünden fasst solche Mitte März ins Auge.

«Wir können es jedem Kanton empfehlen. Seit unsere Schulen Massentests durchführen, habe ich keine Sekunde mehr Angst, dass die Schulen schliessen müssen», sagt der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss (SVP).

Tests kämen gut an

Das Konzept gehe auf, so Schleiss. Seit dem Start der Tests, die vom Bund bezahlt werden, seien im ganzen Kanton «wenige asymptomatische Schüler» identifiziert worden. Die genauen Zahlen gibt der Kanton am Freitag bekannt.

«Bei den meisten Schülern wie auch den Eltern kommen die Tests gut an», sagt Schleiss. Eltern, die ihre Kinder nicht testen lassen wollten, hätten sie beim Rektorat dispensieren können.

«Kinder tragen zuhause auch keinen Helm»

Einige Eltern wollen ihren Kindern aber keine Massentests zumuten. «Wir müssen kritisch hinterfragen, ob eine Massentestung an den Schulen wirklich zielführend ist. Wir lassen unsere Kinder ja auch nicht zu Hause mit einem Helm herumlaufen, nur weil sie die Treppe hinunterfallen könnten», sagt Christine Hug, Präsidentin des Vereins «Kinder atmen auf!» aus dem Kanton Solothurn. «Wir müssen uns überlegen, was für ein Gesellschaftsmodell wir wollen. Durch solche ständigen Massnahmen fördern wir nur die Angst bei den Kindern.»

Die Corona-Situation sei für die Kinder und Jugendlichen zudem schon genügend belastend, sagt Hug, die Mutter einer 11-jährigen Tochter ist. «Wir müssen unseren Kindern trotz allem eine möglichst unbeschwerte Kindheit ermöglichen.»

Gefahr von Diskriminierung bestehe

Zudem bestehe die Gefahr, dass vom Test dispensierte Kinder diskriminiert würden, so Hug. Die Maskenpflicht zeige dies beispielhaft auf. «Mir ist ein Fall bekannt, in dem eine Lehrerin einen Schüler, der aus medizinischen Gründen keine Maske tragen kann, vor die Tür setzte.» Von dort aus habe er bei offener Klassenzimmertür dem Unterricht folgen müssen.

Auch eine Petition der Bürgerbewegung «Freunde der Verfassung» wehrt sich gegen Massentestungen an Schulen. «Es führt zu unverhältnismässigen Freiheitsentzügen, wenn Kinder und vielleicht auch noch deren Umfeld in die Quarantäne müssen, wenn die Schulen durchtesten», sagt Mediensprecher Michael Bubendorf.

Präventive Massentests

Bis anhin wurden Schulen durchgetestet, wenn gehäuft Fälle von Corona-Infektionen auftraten. Bei präventiven Tests handelt es sich um Tests, die unabhängig von Ausbrüchen in regelmässigen Abständen an Schulen durchgeführt werden. Das Bundesamt für Gesundheit ist der Ansicht, dass bei der Anordnung obligatorischer präventiver Massentests bei gesunden Personen sehr grosse Zurückhaltung geboten ist. Auch müssten die Tests verhältnismässig sein. «Grundsätzlich sollen Massentests in Einrichtungen respektive Institutionen auf freiwilliger Basis durchgeführt werden.» Dies entspreche der bisher verfolgten Teststrategie im Rahmen der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie.

So läuft der Test ab

Der Kanton Zug setzt bei den präventiven Massentests auf Pool-Proben. Dabei werden jeweils rund zwölf Speichelproben der Schülerinnen und Schüler zusammengeführt und getestet. Im Falle einer negativen Pool-Probe ist der Massentest damit abgeschlossen. Ist die Pool-Probe dagegen positiv, werden zusätzlich die Individualproben, die durch einen Abstrich mittels Wattestäbchen im Mund erfolgte, einzeln nachgetestet.

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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