Nächster Federer-Gegner: Eltern gingen «all in» für Janowiczs Karriere

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Nächster Federer-GegnerEltern gingen «all in» für Janowiczs Karriere

Roger Federer trifft im Viertelfinal von Rom auf den Polen Jerzy Janowicz. Der 2,03-m-Riese steht nach einer schwierigen Zeit vor dem grossen Durchbruch.

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als/pre

Wie einst Wrestler Hulk Hogan riss sich Jerzy Janowicz das T-Shirt vom Leib. Die polnische Weltnummer 24 hatte mit Kumpel Jo-Wildfried Tsonga in der zweiten Runde von Rom zum dritten Mal in seiner Karriere einen Top-10-Spieler eliminiert. Nach dem Macho-Ausbruch gabs für den Tennis-Ali eine herzliche Umarmung und Janowicz bedankte sich bei der Hilfe von oben. Für den Viertelfinal-Gegner von Roger Federer war es der lange erwartete Befreiungsschlag.

Janowicz hatte einen schwierigen Start ins neue Jahr. Nachdem der talentierte 2,03-m-Hüne in Paris-Bercy nach einem Sieg gegen Andy Murray bis in den Final vorgestossen war, erhoffte man sich in seinem Heimatland Polen, dass der 22-Jährige nun durchstarten würde. Doch eine hartnäckige Grippeerkrankung machte Janowicz einen Strich durch die Rechnung.

Der Ausraster in Melbourne

Beim Australian Open sorgte der aufschlagstarke Rechtshänder nur einmal für Aufsehen. In seiner Zweitrunden-Partie gegen Somdev Devvarman tickte Janowicz komplett aus, nachdem der Linienrichter bei Satzball für den Polen im Tiebreak des ersten Durchgangs einen Ball des Inders nicht aus gegeben hatte. Nach seinem Aus in der dritten Runde reihte der gesundheitlich immer noch angeschlagenen Janowicz eine bittere Niederlage an die andere.

Vor Monte Carlo zog er sich auch noch eine Entzündung am Ohr zu. «Erst jetzt bin ich wieder gesund», sagte der Pole, nachdem er mit Richard Gasquet im Achtelfinal den zweiten Top-10-Spieler in dieser Woche ausgeschaltet hatte. Federer trifft im Viertelfinal nun also auf einen Janowicz in Hochform. Experten glauben, dass er noch in diesem Jahr erstmals in den Top 10 auftauchen könnte.

Janowicz zerreisst sein Shirt

Eltern waren Volleyball-Profis

Lange Zeit stand es nicht gut um die Karriere der aktuellen Weltnummer 24. «Ich hatte Probleme in meinem Leben. Vor allem damit, Sponsoren zu finden.» Da war kein Geld für eine Karriere, meine Eltern mussten mir stets helfen», offenbarte der 22-Jährige in Paris-Bércy. Vater Jerzy und Mutter Anna seien «all in» gegangen, wie Jerzy jr. sagt, um ihn zu unterstützen. Will heissen: «Sie haben ihre Shops und ihre Apartments verkauft.» Nicht nur in Sachen Geld hatte die Familie zu beissen. Dazu wollte Janowicz aber nicht Stellung nehmen.

Es war alles andere als selbstverständlich, dass Janowicz Tennisprofi wurde. Seine Eltern verdienten ihren Lebensunterhalt mit Volleyball. Er selber habe aber schon zum Schläger gegriffen, als er noch Windeln getragen habe. «Als ich zwei Jahre alt war, rannte ich mit dem Racket auf den Platz. Ich traf keinen Ball, den Schläger gab ich aber nie aus der Hand.» Sein Einsatz hat sich gelohnt: In Rom wird der Pole die Eine-Million-Dollar-Preisgeld-Marke knacken. Ein kleines Geschenk für die aufopferungsvollen Eltern wird da sicher drinliegen.

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