Eltern häufiger Opfer ihrer eigenen brutalen Kinder
Aktualisiert

Eltern häufiger Opfer ihrer eigenen brutalen Kinder

Die Jugendlichen werden gewalttätiger – auch gegenüber ihren Eltern. Beratungsstellen deuten das Phänomen als Hilfeschrei nach mehr Halt.

von
Anna Luethi

«Parent battering»: Im englischen Fachjargon ist die Elternmisshandlung ein fester Begriff. Auch in der Region ist die Gewalt von Kindern und Jugendlichen eine Problematik, auf die Experten ein waches Auge halten. «In den letzten fünf Jahren gab es ­eine Zunahme von Fällen, bei denen Eltern von ihren Kindern bedroht oder angegriffen wurden», sagt Renato Meier, ­Leiter der Familien- und Erziehungsberatung ­Basel-Stadt. Diese Tendenz hätten alle ­seiner Berater festgestellt.

Auch Gabriele Steinmann vom Elterntelefon kennt das Phänomen: «Es kommt zeitweise öfters, zeitweise seltener vor.» Sie beobachtete zwar ebenfalls, dass sich die Problematik in den letzten Jahren verschärft hat, genaue Zahlen gibt es aber nicht. Klar ist: Die Häufigkeit von Gewaltvorkommnissen wird mit zunehmendem Alter ­geringer – ­dafür werden die Gewaltformen schwerer. Zudem ist laut Steinmann auch die Ursachensuche komplex.

Renato Meier betont: «Die Fälle finden sich vor allem da, wo Eltern zu wenig Kontakt zu ihren Kinder haben und ihnen zu wenig Grenzen setzen.» Da sei Gewalt gegen die eigenen Eltern ein «Hilfeschrei nach Halt und Aufmerksamkeit.»

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