Angst vor Entführungen: Eltern lassen präventiv nach Kindern fahnden
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Angst vor EntführungenEltern lassen präventiv nach Kindern fahnden

Immer mehr Eltern lassen ihre Kinder im Fahndungssystem Ripol ausschreiben. Die Zahl der Entführungen steigt.

von
qll
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Zwei nach Ägypten entführte Mädchen (7 und 9) sind wieder bei ihrer Mutter. Sie haben fast fünf Jahre bei ihrem Vater in Kairo gelebt.

Zwei nach Ägypten entführte Mädchen (7 und 9) sind wieder bei ihrer Mutter. Sie haben fast fünf Jahre bei ihrem Vater in Kairo gelebt.

Für Kindesentführungen war 2018 ein Rekordjahr. Über hundert Fälle zählten das Bundesamt für Justiz und der Internationale Sozialdienst Schweiz letztes Jahr.

Für Kindesentführungen war 2018 ein Rekordjahr. Über hundert Fälle zählten das Bundesamt für Justiz und der Internationale Sozialdienst Schweiz letztes Jahr.

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Ein Grund dafür seien immer häufigere binationale Ehen.

Ein Grund dafür seien immer häufigere binationale Ehen.

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Die zwei Interlakner Mädchen Nuran und Sarah flogen 2015 mit ihrem Vater nach Ägypten in die Ferien und kehrten nicht wieder zurück. Der Vater hatte die Mädchen in sein Heimatland entführt. Jetzt, nach über vier Jahren, sind die beiden Töchter von Karin Amin-Trachsel (35) wieder wohlbehalten in die Schweiz zurückgekehrt. Der Mutter gelang es, in Ägypten das Sorgerecht für ihre Kinder zu erkämpfen (20 Minuten berichtete).

Für Kindesentführungen war 2018 ein Rekordjahr. Über hundert Fälle zählten das Bundesamt für Justiz und der Internationale Sozialdienst Schweiz letztes Jahr. Ein Grund dafür seien immer häufigere binationale Ehen.

100 neue Einträge

Die Angst, dass das eigene Kind ins Ausland entführt werden könnte, scheint bei vielen Eltern präsent zu sein. Immer mehr Eltern lassen ihre Kinder deshalb präventiv im Fahndungssystem Ripol der Polizei ausschreiben, wie die Zeitungen von CH Media schreiben. So wurden 2018 neu 283 Personen in der Datenbank erfasst. 2017 waren es nur 183 Personen gewesen.

Die Ausschreibung kann durch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) oder ein Gericht angeordnet werden. Diese müssen zum Schluss kommen, dass eine reale Entführungsgefahr besteht. Laut Patrick Fassbind von der Kesb Basel stellt der Ripol-Eintrag in der Regel einen genügend effektiven Schutz dar. «Wir hatten noch keine Fälle, in denen es nach einer Ausschreibung zu einer Entführung gekommen ist.» Wichtig sei, dabei zu bedenken, dass die Ausschreibung nach einem Jahr erlischt. Sie kann jedoch für ein weiteres Jahr verlängert werden.

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