Schräge Babynamen: «Eltern lassen sich oft von Promi-Namen inspirieren»

Aktualisiert

Schräge Babynamen«Eltern lassen sich oft von Promi-Namen inspirieren»

Linguistin Juliane Schröter erklärt, weshalb Eltern auf der Suche nach immer exotischeren Baby-Namen sind und was dies für die Kinder bedeuten kann.

von
R. Kayser
«Die Eltern versuchen einen möglichst originellen, seltenen Namen für ihr Kind zu finden. Das Kind soll mit dem Namen in seiner Einzigartigkeit gewürdigt werden.»

«Die Eltern versuchen einen möglichst originellen, seltenen Namen für ihr Kind zu finden. Das Kind soll mit dem Namen in seiner Einzigartigkeit gewürdigt werden.»

Juliane Schröter, warum geben Schweizer Eltern ihren Kindern immer ausgefallenere Namen, wie Angelynn Jolie oder Dior?

Man kann darin eine gesellschaftliche Tendenz zur Individualisierung erkennen: Die Eltern versuchen einen möglichst originellen, seltenen Namen für ihr Kind zu finden. Das Kind soll mit dem Namen in seiner Einzigartigkeit gewürdigt werden. Früher hingegen hat man oft sehr religiöse Namen oder Namen der Verwandten gewählt, die sehr verbreitet waren. Man hat damit die Konfession oder den Familienzusammenhang signalisiert. Heute ist die religiöse und Familien-Identität insgesamt weniger wichtig.

Wie kommen die Eltern auf solche exotischen Namenskreationen?

Es gibt gegenwärtig zwei weitere wichtige Kriterien für die Auswahl der Namen: Erstens soll der Name schön klingen und zweitens soll er positive Assoziationen wecken.

Tsunami oder Hurricane wecken aber doch keine positive Assoziationen?

Es ist sehr individuell, welche Konnotationen ein Name hat. Die Eltern, die ihr ihr Kind Hurricane nennen wollten, sahen den Namen vermutlich als etwas Positives – ein Hurricane ist mächtig und kraftvoll.

Was ist mit Prominamen wie Jamie Oliver oder Parfümmarken wie Chanel?

Von Stars und Promis, aber auch z. B. von Buch- und Filmfiguren lassen sich Eltern immer gerne inspirieren. Auch die Namensgebung unterliegt Modetrends. Bekannte Beispiele sind die Beliebtheit von «Kevin» in den 1990er Jahren oder von «Hermine» seit den 2000er Jahren. Hier lässt sich ein Zusammenhang mit dem Erfolg der «Kevin»-Filme und der «Harry-Potter»-Reihe erkennen.

Viele Babys erhalten ausländische Namen – sind Schweizer Namen out?

Dies ist unter anderem eine Folge der Internationalisierung. Die Leute reisen viel, wohnen in verschiedenen Ländern und führen internationale Partnerschaften. Da ist es naheliegend, den Babynamen in anderen Kulturen zu suchen. Für viele mag dieser schöner oder ausgefallener klingen als herkömmliche Schweizer Namen. Dass Internationalität heute auch ein Statussymbol ist, mag ebenfalls eine Rolle spielen.

Neulich wurde in der Schweiz auch ein Jesus Christ geboren, was bedeutet dies für das Kind?

Das müssen Sie später mal das Kind fragen. Der Name wird die meisten Menschen natürlich sofort an die biblische Figur Jesus Christus denken lassen. Es ist möglich, dass der Name damit sehr hohe Erwartungen weckt, die gar nicht erfüllt werden können.

Kinder könnten wegen besonders exotischer Namen in der Schule oder später im Job gehänselt werden. Überlegen sich die Eltern dies nicht?

Eine Affekthandlung ist die Namenswahl sicher nicht – schliesslich haben die Eltern dafür neun Monate Zeit. Die meisten Eltern überlegen sich sehr genau, wie sie ihr Kind nennen möchten. Aber es kann natürlich immer sein, dass ein Name dem Umfeld nicht gefällt oder nicht die gleichen positiven Assoziationen weckt wie bei den Eltern. Bei Kindern hängt die Akzeptanz des Namens auch von der Altersgruppe ab. In jungen Jahren mögen es Kinder oft lieber, wenn der eigene Name normal und bekannt ist. Später hingegen kann es plötzlich toll sein, wenn man einen ausgefallenen Namen trägt, den sonst niemand hat.

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