Aktualisiert 11.08.2009 14:56

TragödieEltern liessen Dreijährige verhungern

Ein dreijähriges Mädchen ist in Mittelfranken verhungert. Gegen die Eltern erging Haftbefehl wegen Totschlags durch Unterlassen, wie das Polizeipräsidium Mittelfranken berichtete.

Das Mädchen aus Thalmässing im Landkreis Roth wurde demnach am Samstag in eine Nürnberger Klinik eingeliefert, nachdem die Eltern den Rettungsdienst gerufen hatten. Dort starb es Montagmorgen.

Der 29-jährige Vater wurde am Montag festgenommen. Die Mutter sei wegen einer Erkrankung operiert worden und liege auf der Intensivstation, sagte Polizeisprecher Peter Grimm. Die 26-Jährige werde dort von Beamten bewacht. Ihr werde später der Haftbefehl eröffnet. Die Erkrankung der Mutter habe aber nichts mit dem Tod des Mädchens zu tun, erklärte der Sprecher.

Die Obduktion hat laut Polizei ergeben, dass das Mädchen an einer Mangel- beziehungsweise Unterernährung gestorben ist. Es hatte keine Anzeichen von Misshandlungen. Ein vierjähriger Bruder des verhungerten Mädchens sei derzeit bei den Grosseltern. Ihm sei gesagt worden, der Junge sei «pumperlgesund», berichtete Grimm.

Familie galt als stabilisiert

Bei der Familie waren über Jahre hinweg Mitarbeiter des Jugendamts tätig. Die Frau hat weitere Kinder aus einer früheren Beziehung, um die sich das Jugendamt gekümmert hatte. Als sie zum Jahreswechsel 2004/05 mit ihrem neuen Partner in den Landkreis zog, sei das Amt informiert worden, sagte Jugendamtsleiter Manfred Korth.

«Zwei Jahre lang ist zweimal die Woche jemand zu der Familie gegangen», sagte Korth. Mehrere Fachleute seien der Ansicht gewesen, dass keinerlei Kindeswohlgefährdung vorliege. «Die Familie hatte sich stabilisiert.» Deswegen wurden die Besuche reduziert. «Der letzte Kontakt war im November 2008.» Seither habe man keinerlei Hinweise auf Probleme bekommen. «Sonst wären wir sofort dagewesen», beteuerte Korth. «Hätten wir irgendeine Ahnung gehabt.»

Auch am vierjährigen Bruder, der bereits im Kindergarten war, habe man keine Anzeichen für Probleme bemerkt, sagte der Jugendamtsleiter. Dass die Dreijährige nun verhungerte, kann sich Korth nur damit erklären, dass es im vergangenen halben Jahr eine massive Veränderung in der Familie gegeben haben müsse. Ob sie mit der Erkrankung der Mutter zusammenhing, konnte er nicht sagen. «Das ist eine ganz tragische Geschichte.» (dapd)

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