Primarschule Rickenbach TG: Eltern mischen sich auf Pausenplatz in Kinderkonflikte ein 
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Primarschule Rickenbach TG Eltern mischen sich auf Pausenplatz in Kinderkonflikte ein 

Die Primarschule Rickenbach TG appelliert an die Eltern, dass sie sich vom Pausenplatz fernhalten sollen. Dies, da es immer wieder Eltern gibt, die auf den Pausenplatz kommen und sich in Konflikte der Kinder einmischen. Das Problem taucht an rund der Hälfte der Schweizer Schulen auf. 

von
Marion Alder
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Bei der Primarschule Rickenbach TG gibt es ein Problem. 

Bei der Primarschule Rickenbach TG gibt es ein Problem. 

Primarschule Rickenbach
Es gibt immer wieder Eltern, die während der grossen Pause auf den Pausenplatz kommen, den Kindern den Znüni bringen und sie so während der Pause sehen können. 

Es gibt immer wieder Eltern, die während der grossen Pause auf den Pausenplatz kommen, den Kindern den Znüni bringen und sie so während der Pause sehen können. 

Primarschule Rickenbach
In manchen Fällen haben Eltern einen Konflikt zwischen ihrem Kind und weiteren Schülern und Schülerinnen mitbekommen und lautstark in die Situation eingegriffen. 

In manchen Fällen haben Eltern einen Konflikt zwischen ihrem Kind und weiteren Schülern und Schülerinnen mitbekommen und lautstark in die Situation eingegriffen. 

Primarschule Rickenbach

Darum gehts

  • Die Primarschule Rickenbach TG appelliert an Eltern: Sie sollen sich vom Pausenplatz bitte fernhalten.

  • Der Grund dafür sind Eltern, die während der Pause immer wieder auf den Pausenplatz kommen.

  • Manche bringen ihren Kindern den Znüni während der Pause und mischen sich in Konflikte ein. 

Die Schulleiterin der Primarschule Rickenbach appelliert im aktuellen Schulblatt an die Eltern von Schülerinnen und Schülern: Sie sollen sich vom Pausenplatz bitte fernhalten. Das Schulareal gehöre vor und nach dem Unterricht sowie während der Schulpausen den Schülerinnen und Schülern und nicht den Eltern. 

Ausschlaggebend für den Appell war, dass immer mehr Eltern und Grosseltern vor Unterrichtsbeginn, nach der Schule sowie teilweise auch während der grossen Pause am Morgen auf den Schulhausplatz kamen, berichtet die Thurgauer Zeitung (Bezahlartikel). «Kürzlich war ein Vater während der grossen Pause auf dem Pausenplatz und schimpfte heftig mit einem Sechstklässler, weil er glaubte, dass dieser seinen Sohn angegriffen hatte», sagt Schulleiterin Stephanie Schildknecht gegenüber der Zeitung. Für sie sei ein solches Verhalten nicht tolerierbar. «Was der Vater da tat, war Selbstjustiz. Wenn das noch einmal vorkommt, werden wir ein Platzverbot erteilen», sagt Schildknecht weiter. 

Mutter macht Geste des Halsabschneidens 

In einem weiteren Fall stellte eine Mutter einen Schüler zur Rede, weil sie glaubte, dass dieser ihre Tochter mobbte. Die Mutter, die kein Deutsch sprach, beschimpfte das Kind lautstark in einer fremden Sprache und machte gleichzeitig eine Geste des Halsabschneidens. «Ich habe im Anschluss das Gespräch mit der Mutter gesucht», sagt Schildknecht zu 20 Minuten. Es stellte sich heraus, dass die Mutter dem Schüler nur verständlich machen wollte, dass er diese Geste des Halsabschneidens in Zukunft gegenüber ihrer Tochter unterlassen solle.

Zu solchen Situationen komme es laut der Schulleiterin leider immer wieder. «Eigentlich hätte ich ja auch anderes zu tun», sagt sie. Es gab auch schon Eltern, die fast täglich den Znüni an den Pausenplatz brachten und so das Kind während der Pause sehen konnten. Andere tragen den Schülerthek ihrer Kinder bis zum Eingang, setzten sich auf eine Bank und warten, bis ihr Kind hineingegangen ist. 

Während der Corona-Pandemie sei es für die Eltern verboten gewesen, den Pausenplatz zu betreten. «Ich frage mich, ob man jetzt bald ein langzeitiges Verbot einführen muss», sagt Schildknecht. 

Problem ist schweizweit bekannt 

Der Präsident des Verbands Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz VSLCH erklärt gegenüber 20 Minuten, dass solche Geschehnisse immer wieder vorkommen. «Viele Schulen werden periodisch mit dieser Situation konfrontiert», sagt Thomas Minder. Laut ihm sollte ein Betretungsverbot für Eltern nur in Extremfällen ausgesprochen werden, flächendeckend allerdings nicht. «Die Verantwortlichen der Schule müssen abwägen, wann ein solches Verbot angezeigt ist», sagt er. Ein generelles Verbot auszusprechen, scheint ihm jedoch als unangebracht. 

Auch dem Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH ist die Problematik der Eltern auf dem Pausenplatz bekannt. «Ich bin sicher, dass es in mehr als der Hälfte der Schulen in der Schweiz schon irgendwann mal ein Thema war», sagt Franziska Peterhans. In manchen Schulen sei es ein häufigeres Thema, in manchen käme es nur selten vor. 

Der Pausenplatz gehöre zum Schulareal und sei ein Bewegungs- und Lernort. «Die Kinder lernen, Streit zu schlichten oder ihm aus dem Weg zu gehen», so Peterhans. Kinder hätten während der Pause immer die Möglichkeit, eine Pausenaufsicht aufzusuchen, falls ein Konflikt nicht selbst gelöst werden kann. «Eltern sind auf dem Schulareal aber die falsche Person, um zu schlichten», sagt sie weiter. 

Halteverbot für Elterntaxis 

Bereits vor einem Jahr gab es an der Primarschule Rickenbach ein Problem: Die Elterntaxis (20 Minuten hat berichtet). Bis zu 20 Eltern haben ihre Kinder teilweise in die Schule gebracht und abgeholt. Platz dafür ist in diesem Teil des Dorfes jedoch nicht genug vorhanden, sodass es immer wieder zu gefährlichen Situationen gekommen ist.

Für dieses Problem hat die Schule zusammen mit der politischen Gemeinde nun eine Lösung gefunden – auch wenn vorerst nur vorübergehend: Seit den Frühlingsferien wurde ein vorübergehendes Halteverbot vor der Schule eingeführt. «Während gewissen Zeiten am Tag dürfen die Autos dort nicht mehr halten», so Schildknecht. Seither habe sich die Situation sehr beruhigt. «Ich muss sagen, dass es sehr viel angenehmer ist», sagt sie.

Auch von vielen Eltern sei das Halteverbot begrüsst worden, da dadurch die Gefahr von Autos nicht mehr so stark bestehe. Einzelne Fälle gebe es jedoch immer noch. Nach der einjährigen Probephase wird dann entschieden, ob das Halteverbot definitiv umgesetzt oder wieder aufgehoben wird.  

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