Erziehung im Restaurant: Eltern mit «gut erzogenen Kindern» zahlen weniger
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Erziehung im RestaurantEltern mit «gut erzogenen Kindern» zahlen weniger

Ein Wirt aus Padua hat genug von Kindern, die sich in seinem Lokal nicht benehmen können. Sitzen die Kleinen aber still, zahlen die Eltern weniger.

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Der italienische Wirt Antonio Ferrari gewährt Familien mit Kindern, die sich am Tisch anständig benehmen, einen «sconto bimbi educati», also einen Rabatt für gut erzogene Kinder.

Der italienische Wirt Antonio Ferrari gewährt Familien mit Kindern, die sich am Tisch anständig benehmen, einen «sconto bimbi educati», also einen Rabatt für gut erzogene Kinder.

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Die Idee hatte er, als er kürzlich einen Tisch mit elf Personen beobachtete, an dem fünf Kinder sassen. «Die Kleinen waren die ganze Zeit mit Zeichnen beschäftigt. Nach dem Essen genossen die Eltern sogar noch ein Glas Wein in aller Ruhe.»

Die Idee hatte er, als er kürzlich einen Tisch mit elf Personen beobachtete, an dem fünf Kinder sassen. «Die Kleinen waren die ganze Zeit mit Zeichnen beschäftigt. Nach dem Essen genossen die Eltern sogar noch ein Glas Wein in aller Ruhe.»

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«Eigentlich ist das eine Belohnung für gute Eltern», meint der Wirt.

«Eigentlich ist das eine Belohnung für gute Eltern», meint der Wirt.

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Restaurantbesitzer Antonio Ferrari aus Padua liess sich was einfallen, um etwas Ruhe und Ordnung in sein Restaurant zu bringen: Gäste mit Kindern bekommen fünf Prozent Rabatt auf die Rechnung, wenn die Kleinen sich anständig benehmen.

Auf die Idee kam der italienische Wirt, als er kürzlich einen Tisch mit elf Personen beobachtete, an dem fünf Kinder sassen. «Die Kleinen waren die ganze Zeit mit Zeichnen beschäftigt. Das Material hatten die Familien selbst mitgebracht. Die Kinder hatten weder Tablets noch Smartphones. Nach dem Essen genossen die Eltern noch ein Glas Wein in aller Ruhe», erzählt Ferrari dem «Corriere della Sera».

«Weil sich die anderen Gäste gestört fühlen»

Als die Erwachsenen die Rechnung bestellten, machte Ferrari ihnen einen «sconto bimbi educati», also einen «Rabatt für gut erzogene Kinder». Ferrari: «Die Eltern waren glücklich darüber. Sie gaben dem Kellner am Schluss sogar 30 Euro Trinkgeld.»

Ferrari führt sein Restaurant an der Via Umberto I seit zwölf Jahren. «Es kommt oft vor, dass die Kinder aus Langeweile beginnen, zwischen den Tischen zu rennen. Oder dass sie auf die Toilette gehen und dort mit Wasser spielen. Das ist ein Problem, nicht nur, weil sie sich dabei verletzen könnten, sondern auch, weil sich die anderen Gäste gestört fühlen.»

Einige Eltern sind uneinsichtig

Mit einigen Eltern sei aber nicht zu reden. «Einmal musste ich mir sogar sagen lassen, dass mein Restaurant ein öffentlicher Ort sei und die Kinder sich benehmen könnten, wie sie wollten. Daraufhin musste ich die Leute darauf hinweisen, dass mein Restaurant zwar für das Publikum geöffnet sei, aber ich schlussendlich die Verantwortung trage, was sich darin abspielt.»

Inzwischen gewährte Ferrari zwei weiteren Familien seinen «Anstandsrabatt». Auf Facebook erntet der Wirt viele Komplimente: «Grossartige Idee! Hoffen wir, dass dies einigen Eltern die Augen öffnet und sie ihren Kinder wieder beibringen, Regeln zu befolgen», kommentierte User Nicola Ferretti.

«Hervorragende Idee» oder «diskriminierend»?

Doch es gibt nicht nur positive Reaktionen: «Wer entscheidet, ob ein Kind sich benimmt oder nicht? Der Wirt? Und nach welchen Kriterien? Darf das Kind zum Beispiel vom Tisch aufstehen? Oder muss es die ganze Zeit die Beine unterm Tisch gekreuzt halten und keinen Krümel auf den Boden fallen lassen? Ich finde das Vorhaben lobenswert, die Ausführung, fürchte ich, ist diskriminierend», meint Sofia Rossi aus Bologna.

«Wieso diskriminierend?», antwortet darauf Leserin Valentina Furlan aus Padua. «Hast du noch nie in einem Restaurant oder in einer Pizzeria im Service gearbeitet? Da erkennt man sofort, welche Kinder wohlerzogen sind und welche nicht. Genau wie bei den Erwachsenen. Glaub mir! Das ist eine hervorragende Idee.»

User Filippo Lin ist auch für den Benimm-Bonus, allerdings fragt er sich, ob die Implementierung nicht zu Problemen führen könnte: «Ich würde gern wissen, wie Familien, die den Rabatt nicht bekommen, darauf reagieren. Das ist doch, als würde man ihnen ins Gesicht sagen: ‹Dein Kind ist unerzogen.›»

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