Aktualisiert 28.07.2015 10:27

Gefahr im Schwimmbad

Eltern schauen aufs Handy statt zu Kindern

Schweizer Bademeister schlagen Alarm: Immer öfter beobachten sie Eltern, die sich bei der Aufsicht ihrer Kinder von ihren Handys ablenken lassen.

von
mak/rar/som
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Wegen Smartphone, Tablet und Co. sind die Eltern zunehmend abgelenkt. Im Badener Wellenbad nehmen sie die Geräte sogar ans Wasser mit.

Wegen Smartphone, Tablet und Co. sind die Eltern zunehmend abgelenkt. Im Badener Wellenbad nehmen sie die Geräte sogar ans Wasser mit.

Terrassenbad Baden
Auch in der Badi Rorschach werden vermehrt Mütter am Handy beobachtet.

Auch in der Badi Rorschach werden vermehrt Mütter am Handy beobachtet.

20M
Grossandrang im Gartenbad St. Jakob in Basel, wo das Problem ebenfalls bekannt ist.

Grossandrang im Gartenbad St. Jakob in Basel, wo das Problem ebenfalls bekannt ist.

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Anfang Juni kam es im Basler Gartenbad St. Jakob zu einem Zwischenfall: Ein Kleinkind plumpste ins Nichtschwimmer-Becken und drohte zu ertrinken. Nur dank der Wachsamkeit eines Bademeisters konnte ein Drama verhindert werden. Die Mutter des Kindes hatte nicht aufgepasst – sie surfte mit ihrem Mobilgerät im Internet.

Die Frau ist kein Einzelfall: «Wir beobachten, dass Kinder und Kleinkinder häufiger unbeaufsichtigt im Gartenbad spielen», sagt Rolf Moser, Leiter der Basler Gartenbäder. «Die Eltern sind oft mit ihren Handys beschäftigt.» Für die Bademeister bedeute die Nachlässigkeit der Eltern zusätzlichen Stress. «Das Thema unbeaufsichtigte Kinder beschäftigt die Bademeister sehr, für sie ist das belastend», sagt Moser. Er überlegt sich, ob man für das nächste Jahr eine spezifische Präventionskampagne starten soll.

Sogar im Wellenbad am Handy

Das Problem ist auch in anderen Regionen erkannt. Roman Niedermann (64), Bademeister in Strandbad Rorschach SG, sagt: «Vor allem beim Kinderbad sehe ich vermehrt Eltern, die lieber auf das Telefon schauen als zu ihren Kindern.» Die Ablenkung durch ein Handy stelle ein Sicherheitsrisiko dar und er müsse immer wieder Leute ermahnen.

Und laut René Saurenmann, Betriebsleiter des Terrassenbads Baden (AG), würden Eltern sogar auf das Handy schauen, während sie mit ihren Kindern im Wellenbad seien: «Sie stehen dann im Wasser und halten ihren Nachwuchs mit ihren Beinen fest.» Viele Eltern dächten, dies sei sicher. Saurenmann: «Dabei merken sie zum Teil nicht mal, dass ihr Kind den Kopf plötzlich unter Wasser hat.» Immer wieder müsse das Personal dann einschreiten und die Kinder retten. «Zum Glück ist noch nie etwas Ernsthaftes passiert», so der Bademeister.

20 Sekunden, bis ein Kind ertrunken ist

Bereits reagiert hat die Schweizerische Lebensretter-Gesellschaft (SLRG). «Wir haben den Trend zur Unachtsamkeit bemerkt und bereits mehrfach darauf hingewiesen», sagt Philipp Binaghi, Mediensprecher der SLRG. So wies die Kampagne «Bademeister sind keine Kindergärtner» zum Beispiel darauf hin, dass die Eltern im Freibad für ihre Kinder verantwortlich sind.

Für Binaghi ist klar, dass Handys bei der Beaufsichtigung von Kindern gar nichts zu suchen haben: «Es dauert 20 Sekunden, bis ein Kleinkind ertrunken ist, deshalb braucht es die volle Aufmerksamkeit der Aufsichtsperson.» Eltern könnten die Aufsicht nicht an die Bademeister delegieren. «Das sind keine Babysitter», so Binaghi. Wichtigste Baderegel sei, dass Kinder in Begleitung und Kleinkinder in Griffnähe der Erwachsenen ins Wasser gehen.

Um zu veranschaulichen, wie schnell ein Unglück passieren kann, hat die SLRG einen Film produziert, der auf Youtube bereits über 250'000 Mal angeklickt wurde. «Lautloses Ertrinken» thematisiert das Horror-Szenario aller Eltern und gewann dafür in Cannes einen goldenen Delphin.

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