Kinderbetreuung: Eltern schicken Babys lange in Krippe
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KinderbetreuungEltern schicken Babys lange in Krippe

Kleinkinder besuchen die Krippen bis zu fünf Tage die Woche. Oft sind aber auch Kurzaufenthalte gefragt. Grund dafür sind die Grosseltern.

von
B. Zanni
Viele Grosseltern kümmern sich um die Enkel, um den Anschluss nicht zu verpassen.

Viele Grosseltern kümmern sich um die Enkel, um den Anschluss nicht zu verpassen.

Keystone/Gaetan Bally

Das Krippenpersonal hat in der Schweiz alle Hände voll zu tun. Die durchschnittliche Dauer, die ein Kind pro Woche in der Krippe verbringt, hat zugenommen. Das zeigt etwa das Beispiel des Kantons Waadt. Wie die Zeitung «24 heures» schreibt, schickten die Eltern ihren 0- bis 4-jährigen Nachwuchs 2009 im Schnitt noch 2,4 Tage pro Woche in die externe Betreuung. Laut den neusten Zahlen der Statistik Waadt sind es nun bereits 2,7 Tage.

Nationale Zahlen wurden nicht erhoben. Die Anfragen bei den Krippen zeigen aber, dass Kleinkinder auch in der Deutschschweiz dort viel Zeit verbringen. Firmeneigene Krippen registrieren lange Aufenthalte. In den Kinderkrippen des Energie- und Automatisierungstechnikkonzerns ABB besuchen die kleinen Mädchen und Jungen die Institution wöchentlich im Schnitt drei Tage. «Die Tendenz nimmt zu», präzisiert Mediensprecher Markus Gamper.

Ein-Tages-Plätze sind gefragt

Gabriela Eigenheer, Leiterin der Zürcher Krippen Kinderparadies GmbH, sagt, dass die Eltern ihre Kleinkinder im Schnitt zwei bis drei Tage pro Woche in ihre Obhut geben. «Viele Mütter bringen ihre Kinder schon um sieben Uhr morgens, weil sie beruflich sehr engagiert sind.» Die Kinderkrippe Globegarden hat in verschiedenen Kantonen Niederlassungen. «Die Eltern schicken ihre Kinder individuell zwischen zwei und fünf Tagen die Woche in die Krippe», sagt Danica Pahl, Leiterin Familienservice von Globegarden.

Die Krippenleiter stellen aber auch eine Gegenbewegung fest. Kurzzeitige Betreuungen von nur einem Tag seien immer mehr gefragt. «Der Trend eines Betreuungstags nimmt zu», sagt Nadja Pieren, SVP-Nationalrätin und Leiterin einer Berner Kindertagesstätte. Das bestätigen auch andere Krippenbetreiber.

Grosseltern helfen mit

Viele Anbieter setzen jedoch einen Mindestaufenthalt von zwei Tagen voraus. So auch Globegarden. «Diese Dauer ist nötig, damit sich das Kind gut einleben und vom Aufenthalt auch profitieren kann», erklärt Pahl. Eine Zürcher Kinderkrippe, die anonym bleiben will, bot die eintägigen Betreuungen vor einigen Jahren an. «In den meisten Fällen hatten die Kinder Mühe, sich einzugewöhnen und fühlten sich unwohl», sagt ein Geschäftsleitungsmitglied.

Den Grund für die Nachfrage nach eintägigen Aufenthalten sehen die Krippenbetreiber in den Grosseltern. Sie würden sich vermehrt um die Enkel kümmern. Die Ansprüche der Eltern sind teilweise hoch. Die Gewissheit, dass die Kinder während ihrer Abwesenheit gut aufgehoben sind, genügt den Müttern und Vätern nicht. «Sie machen sich viel mehr als früher darüber Gedanken, wie sie ihrem Kind eine optimale pädagogische und psychologische Betreuung bieten können», fällt Rebecca Morgenthalter auf. Die Teamleiterin der Frauenfelder Krippe Pusteblume stellt fest, dass vor allem Akademiker Oma und Opa einspannen.

Grosseltern kämpfen um die Enkelbetreuung

François Höpflinger, Soziologe an der Universität Zürich und Generationenforscher, ist bekannt, dass viele Eltern auf die Unterstützung der Grosseltern zurückgreifen. Dies geschehe zum Teil aus finanziellen Gründen. «Sie können sich nicht mehr Krippentage leisten, weil die Betreuungsabzüge reduziert wurden und die Preise der privaten Krippen gestiegen sind.»

Höpflinger stellt aber auch fest: «Viele Grosseltern kämpfen fast dafür, dass sie ihre Enkel betreuen können.» Die Omas und Opas seien gesund und aktiv und wollten den Anschluss nicht verpassen. «Die Enkel sind für sie ein sozialer Jungbrunnen.» Ein weiterer Vorteil sei, dass sie an frühere Zeiten anknüpfen könnten, sich dabei aber nicht voll verantworten müssten.

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