«One child, one vote»: Eltern sollen bei Abstimmungen und Wahlen für ihre Kinder stimmen können
Publiziert

«One child, one vote»Eltern sollen bei Abstimmungen und Wahlen für ihre Kinder stimmen können

Der Zuger CVP-Kantonsrat Michael Felber will, dass bei politischen Entscheiden die Stimmen von Kindern mitzählen. Das soll für mehr Gerechtigkeit zwischen den Generationen sorgen.

von
Cheyenne Wyss
1 / 6
Im Kanton Zug sollen bei kommunalen und kantonalen Wahlen und Abstimmungen die Stimmen von Kindern mitzählen. 

Im Kanton Zug sollen bei kommunalen und kantonalen Wahlen und Abstimmungen die Stimmen von Kindern mitzählen.

mme
Das schlägt  CVP-Kantonsrat Michael Felber in einer Interpellation vor.

Das schlägt CVP-Kantonsrat Michael Felber in einer Interpellation vor.

Michael Felber
Konkret schlägt er vor, dass  stimm- und sorgeberechtigte Elternteile je die Hälfte einer Stimme eines gemeinsamen Kindes erhalten, also für ihre Kinder abstimmen und wählen. Haben die beiden Elternteile also zum Beispiel ein gemeinsames Kind, so haben Mutter und Vater dann je eineinhalb Stimmrechte.

Konkret schlägt er vor, dass stimm- und sorgeberechtigte Elternteile je die Hälfte einer Stimme eines gemeinsamen Kindes erhalten, also für ihre Kinder abstimmen und wählen. Haben die beiden Elternteile also zum Beispiel ein gemeinsames Kind, so haben Mutter und Vater dann je eineinhalb Stimmrechte.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • In einer Interpellation regt der Zuger CVP-Kantonsrat Michael Felber an, dass Eltern bei kantonalen und kommunalen Angelegenheiten für ihre Kinder wählen und abstimmen können.

  • Wenn Eltern zum Beispiel ein gemeinsames Kind haben, erhalten die Mutter und der Vater je ein halbes Stimmrecht des Kindes, so sein Vorschlag. Insgesamt haben dann die Mutter und der Vater je eineinhalb Stimmrechte.

  • Die sogenannten Kinderstimmen sollen in der Demokratie für mehr Generationengerechtigkeit sorgen, so der Interpellant.

Senkung des Kantonssteuerfusses und längere Ladenöffnungszeiten: Über diese Themen stimmt der Kanton Zug am 7. März ab. Künftig sollen bei solchen Urnengängen nicht nur Personen ab 18 Jahren, sondern auch Kinder mitbestimmen können: Der Zuger CVP-Kantonsrat hat genau dazu eine Interpellation eingereicht. Er will, dass die Stimmen der Kinder ab Geburt bei Wahlen und Abstimmungen auf kommunaler und kantonaler Ebene in Zug mitzählen.

«One child, one vote»

Konkret schlägt er vor, dass die stimm- und sorgeberechtigte Eltern je die Hälfte einer Stimme ihres gemeinsamen Kindes erhalten, also für ihre Kinder abstimmen und wählen. Haben die beiden Elternteile zum Beispiel ein gemeinsames Kind, so haben Mutter und Vater dann je eineinhalb Stimmrechte. Haben sie drei gemeinsame Kinder, je 2,5 Stimmen. «One child, one vote», nennt Felber das. Oder auf Deutsch schlicht: «Kinderstimme».

Auf die Frage, warum die Kinder denn nicht gleich selber abstimmen und wählen sollen, sagt Felber: «Weil zum Beispiel ein dreijähriges Kind weder lesen noch schreiben kann. Und ein achtjähriges Kind ist auch noch nicht in der Lage, Abstimmungs- und Wahlunterlagen so zu verstehen, dass es sich eine Meinung dazu bilden kann», meint Felber weiter. Da brauche es dann eben die Hilfe der Eltern und mit dem Älterwerden auch den Austausch und die Sensibilisierung in der Familie zu anstehenden politischen Themen.

«Derzeit besteht eine gewisse Ungerechtigkeit»

Seinen Vorstoss begründet Felber so: «So wird für mehr Generationengerechtigkeit im demokratischen Betrieb gesorgt werden. Die Zukunft kommt an den Wahl- und Abstimmungsurnen zu ihrem Recht», schreibt Felber in seiner Interpellation. Auf Anfrage von 20 Minuten ergänzt er: «Derzeit besteht eine gewisse Ungerechtigkeit. Die Repräsentation im demokratischen Kräftespiel kann mit den Kinderstimmen verbessert werden.» Die Älteren würden über Themen abstimmen, die vor allem auch die Jungen betreffen würden. Und: «In 30 Jahren wird ohne diese Korrektur die Stimmenmehrheit bei der pensionierten Bevölkerung liegen», so der Interpellant. Das Kinderstimmrecht würde für mehr Partizipation und mehr Gerechtigkeit sorgen. «Auf diese Weise können Kinder ihre in der Verfassung verankerten Grundrechte auch ausüben.»

In seiner Interpellation fragt Felber nun die Zuger Regierung an, welche rechtlichen Grundlagen für die Einführung der Kinderstimmen auf kommunaler und kantonaler Ebene angepasst werden müssen. Zu den politischen Chancen seines Anliegens sagt Felber: «Ich denke, das Kinderstimmrecht hat eine Chance. Man hat immer eine Chance.» Wenn darüber gesprochen und politisiert werde, sei ein wichtiger Stein bereits ins Rollen gebracht.

Deine Meinung